Michael, was macht den Anker im Relais (Elektromagnet) müde?
Ist es tatsächlich Verschmutzung, also ein mechanisches Problem?
Michael, was macht den Anker im Relais (Elektromagnet) müde?
Ist es tatsächlich Verschmutzung, also ein mechanisches Problem?
Gruß,
Andreas
Durch die mechanische und thermische Belastung verändert sich die Physik des Ankers. Das ist aber als minimal anzusehen. Die zu erwartenden Schaltzyklen sollten im Bereich einiger 100'000 liegen. Korrosion wäre noch denkbar.
Ich vermute aber Schmutz oder die Verharzung etwaiger Öle in Lagern als Ursache. Schmutz wird auch als Grund für das Verschluss-Problem im englischen Wikipedia-Artikel angegeben.
Dh. wenn ich den Elektromagneten/Relais/Solenoid (engl.) ausbaue, zerlege und reinige und dann wieder glücklich einbringe, könnte das Problem mit dem Nicht-Auslösen behoben sein.
Mich juckt es, gleich nach dem Essen jetzt, wieder meine mobile Werkstatt auf dem Küchentisch auszubreiten![]()
Gruß,
Andreas
Es ist schon erstaunlich.
Bevor ich mich mit diesen beiden Standard-Problemen der T90 in ihrem Alter näher beschäftigt habe - also dem Verweigern der Verschlussauslösung und den verklebten Verschlusslamellen - war das für mich alles dunkles, unergründliches Kameraschicksal.
Irgendwo, tief im unbekannten Inneren der T90, zersetzt sich ein Dämpfer und gibt es ein Problem mit einem Magneten. Wo und was genau, blieb mir im Dunklen.
Entsprechend groß die Furcht, dass meine T90-Familie eines Tages nicht mehr einsatzfähig ist. Und ich dagegen nichts machen kann, außer, eine Werkstatt zu beknien, das zu tun, was ich gerade mache an Troubleshooting - für viel Geld, das ich gar nicht mehr im Budget habe.
Jetzt aber weiß ich mehr und bin nicht gewillt, den Dingen weiter ihren traurigen Lauf zu lassen. Und wieder auf Betteltour zu gehen, um jemanden zu finden, der die Probleme ja auch nicht nachhaltig löst.
Kurz, ich werde nicht eher ruhen, als bis ich
- die eine T90 wieder uneingeschränkt auslösebereit,
- die andere T90 frei von schwarz-klebrigem Unbill, oder
- eine oder beide zu Ersatzteilspendern degradiert habe
Dh. einige Aufregung steht mir bevor.
Denn vielleicht klappt es ja mit der oben beschriebenen Kartonstreifen-Methode, den Verschluss sauber zu bekommen.
Aber an den Elektromagneten komme ich nur mit Demontage heran.
Und das ist immer eine Nervenprobe![]()
Gruß,
Andreas
Ich bezog mich auf einen Anker aus Weicheisen oder einem der anderen magnetischen Stoffe (Eisen, Nickel, Kobalt). Wenn ein Permanentmagnet dort eine Rolle spielt, so wie Michael das beschreibt, so kann sich dieser tatsächlich altern, vor allem die Temperatur, externe Magnetfelder und in geringem Masse Erschütterungen könnten hier eine Rolle spielen. Oder wieder auch Korrosion.
Da es von Canon keine Hilfe mehr gibt, bleibt nur der Versuch. Der macht kluch. Und defekt ist die T90 ja eh schon.
Ich habe vorhin online etwas herumgesucht. Typischerweise muss der Verschluss getauscht werden, oder eine andere Methode wird empfohlen, diese konnte ich aber bisher noch nicht finden. Es geht i.d.R. aber um den Verschluss selber. Aber Du findest da selber sicher besser durch. Ich hatte noch nie das Vergnügen mit einer T90. Einzig eine T50 habe ich im Bestand, weil ich das 50mm f/1.4 daran haben wollte. Das ist aber eine selten einfache Kamera.
Jetzt noch die Frage zum Sonntag, ob sich der ganze Aufwand lohnt mit dem Selbstreparieren bzw. dem Versuch.
Umso mehr, da die Arbeit mit meinem Bestand ja exponentiell zunimmt, s. meine Beiträge hier.
Ja, es lohnt sich, weil ich so eine Chance habe, meine Lieben am Kameraleben zu halten und wer sonst sollte es machen.
Die Alternative wäre, den alten Krempel zu vergessen und nach einer aktuellen Digitalkamera zu schielen.
Da stellt sich in zehn Jahren das Problem mit dem Reparieren sicher nicht.
Kamera kaputt und technisch veraltet - ab zum Elektronikschrott![]()
Gruß,
Andreas
Hallo Andreas!
Wovon schreibst du?
Bei einem reinen Elektromagnet-Anker aus Weicheisen gibt es keine Ermüdung.
Falls du den Permanentmagneten im Anker von kombinierten Elektromagneten meinst, wie er in den Blenden- und Verschlusssteuerungen verwendet wird, glaube ich an eine zu schwache Magnetisierung bei der Herstellung des (Neodym?)-Magneten.
Es gibt ja viel mehr solche Elektromagneten mit Permanentmagnet-Anker, die auch noch nach -zig Jahren einwandfrei ihren Dienst verrichten, als die wenigen Exemplare, die nach manchmal schon kurzer Zeit und wenigen Auslösungen nicht mehr genug Haltekraft haben.
Falls du den Auslöser-Elektromagneten mit Permanentmagnet-Anker meinst, der in einer Canon A-1 und AE-1 seinen Dienst tut, denke ich an zwei Gründe für das nicht mehr Auslösen: Einen "mechanischen", weil der pyramidenförmige Eisenklotz aus Eisen sich vielleicht im Laufe der Zeit selbst magnetisiert und dadurch mit dem Permanentmagnetanker stärker zusammen hält, und einen elektronischen, weil die Schaltung der Auslöseelektronik durch Alterung (z.B. von Kondensatoren) keinen genügend starken Stromimpuls liefert, um die Anzugskraft des Permanentmagneten auf den Eisenklotz ausreichend abzuschwächen, damit die Zugfedern des Verschlussmechanismus den Eisenklotz vom Anker abziehen können.
Gruß, Michael
Der „müde Anker“ ist der Teaser in meinem Beitrag #1 hier
Gemeint ist der Elektromagnet am Spiegelkasten der T90, der erst durch Kontakt mit einer magnetisierten Schraubendreherspitze wieder seinen Dienst tut.
Was ist da der Hintergrund? Was läuft hier elektrotechnisch ab?
Gruß,
Andreas
Hallo Andreas!
Ich kann das auf dem Foto nicht genau erkennen, es handelt sich aber sicherlich nicht um ein Relais, sondern um so einen Elektromagneten mit Permanentmagnet-Anker, wie ich es vorhin beschrieben habe.
Dass der nach Aufmagnetisierung mit magnetisierter Schraubendreherspitze wieder richtig tut, spricht dafür, dass da wieder mal der Permanentmagnet etwas zu schwach geworden ist.
Die Funktion dieser Konstruktionen ist ja ziemlich "tricky": Der Permanentmagnet hält das Gegenstück aus Weicheisen so fest, dass der Federzug am Weicheisen nicht ausreicht, um das Weicheisen vom Permanentmagnetanker abspringen zu lassen.
Mit einem Stromimpuls durch die Elektromagnetwicklung wird kurzzeitig ein gegensätzlich polarisiertes Magnetfeld aufgebaut, dass die Haltekraft des Permanentmagneten so weit schwächt, dass der Federzug das Weicheisen abziehen kann.
Ist der Permanentmagnet durch Alterung oder zu intensive gegensätzliche Magnetfelder zu schwach gewoden, reicht der Federzug bereits aus, das Weicheisen abspringen zu lassen.
Umgekehrt kann es passieren, dass der Stromimpuls durch die Elektromagnetwicklung zu schwach ist, um das Magnetfeld des Permanentmagneten ausreichend zu schwächen, dann bleibt das Weicheisen dran.
Gruß, Michael