Elektronik hat kein "Ablaufdatum".. was für ein Satz. Wenn Du Dir mal überlegst, was außer Generationenwechsel bei Computern und weiteren Trends unterworfenen Medien so alles auf dem Elektronik - Schrott landet, weil es schlicht nicht mehr funktioniert, elektronische Funktionen nicht mehr erfüllt werden, klingt das fast wie HOHN.
Selbstverständlich hat auch Elektronik ein Ablaufdatum, manchmal schon ab Werk verkehrt eingestellt. Wenn Du an die Baureihen verschiedener Automobile denkst, in denen gerade Fehler in der Elektronik erst zu schäden führen (Citroen C- Serien 4 und 5 z.B.) Aber das ist letztlich ein anderes Thema.
Nur diesen Satz kann man sogar aufgrund Deiner eigenen Beispiele eben so nicht stehen lassen. Ich selbst bin mit der Reparatur von Radios und Fernsehern groß geworden, es war mein "Traumberuf" als "Heranwachsender". Wenn wir jetzt einsteigen wollen in diese Diskussion, so stelle ich die Behauptung auf, das auch Elektronik ein Ablauf Datum hat, wie alles irdische. Die von Dir genannten Beispiele belegen dies ansich schon gut. Ablaufdatum bedeutet letztlich nämlich nichts weiter, als das auch auf Elektronenebene Verschleiß der daran beteiligten Technik auftritt. Ob dies nun ausgetrocknete Elektolyt- Flüssigkeit, falsch dimensionierte Schaltungen mit Überbeanspruchung der Bauteile verbundener Verschleiß, oder einfach nur mechanisch instabile Verbindungen, die nach 100.000 Bewegungen Haarrisse in Leiterbahnen reißen, sei dahin gestellt.
Aber es ist müssig, denn ich mag einfach solche allgemeinen Behauptungen nicht, wenn mich selbst die Erfahrung mit hunderten reparierte und selbst gebauter Geräte eine ganz andere Sichtweise gelehrt hat.
Selbst integrierte Schaltungen, von denen man meinen sollte, sie sind gegen Umwelteinflüsse und mechanische Belastungen gefeit (weil vergossen), versagten ihren Dienst. Kapazitäten, die nicht mehr im klassischen Sinne mit Folien extern aufgebaut sind, sondern nur noch die zwischen den internen Leitungswegen herrschenden Kapazitäten innerhalb eines IC nutzen, veränderten gelegentlich schon ihre Eigenschaften. Diese Dinge kann man wunderbar bei der Bauteilanalyse am Oszilloskop verfolgen, wenn die Ein- und Ausschwingvorgänge eines Rechteck- und auch eines gesweepten Sinus - Signals auf solche Bauteile gegeben werden. Es zeigten sich z.B. beim typischen Audio IC NE 5532, welches in der Vorstufe vieler hochwertiger Mischpulte genutzt wurde, das die Ein-Auschwingdarstellung von 30-40 Jahre alten ICs deutlich anderes Verhalten zeigten als fabrikneu querverglichene Exemplare, wobei die alten ICs initial aufgrund sonderbarer Selbsterregung/Oszillation vermessen wurden.
Und selbstverständlich wird jedes defekte Teil, ob in der Elektronik oder Mechanik ausgetauscht, wenn es denn nötig ist. Dies ist aber keine Frage, die mit der Eingangsfrage in direktem Zusammenhang steht. Es geht ja nicht um die Haltbarkeit Elektronik vs. Mechanik. Dies wäre auch unsinnig, denn Elektronik macht immer nur Sinn in Verbindung mit Mechanik und ist wechselseitig abhängig voneinander.
Nur Lehrsätze wie "Elektronik" hat kein Ablaufdatum mag ich nicht, weil aus meiner Sicht und Erfahrung nicht zutreffend.
LG
Henry



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