Bei mir gibt es immer einen "Grundtest"... zunächst um bestimmte Dinge wie Vignettierungen am jeweiligen Format, Verzeichnungen, CA Neigung und die sonstigen Abberationen zu checken.
Ist quasi so eine Art "Standard"... um herauszufinden, wo ich eine Linse "einsortiere"...
Dies ist auch notwendig, da sich Objektive am KB nunmal anders Verhalten als an einer Cropkamera. Käme ja auch niemand auf den Gedanken, eine EF-s Linse an einer KB Canon zu nutzen, oder?
Am Crop bekommst Du die Aussenbereiche nicht zu sehen... am KB kann das aber eben ganz schön nervig werden, wenn bei aussermittigen Sujets die Eigenschaften nicht ausreichen.
Dann interessiert mich die Schärfe und Kontrastleistungsklasse... also ob ein Objektiv für welche Motivsituation in Frage kommt.
Z.B. sind die einfachvergüteten Objektive alter Tage oftmals durch ihren relativ flachen Kontrast sehr gut für starkkontrastige Aufnahmesituationen geeignet, da sie den Gesamtkontrast aus meiner Sicht etwas mildern. Oftmals geht mit diesen Objektivtypen auch ein gewisser "Retro Look" in den Bildern einher. Mittels Nachbearbeitung kann man zu flache Kontraste immer noch etwas nachbearbeiten...
Zu starke Kontrastleistungen sind bei mir in manchen Aufnahmesituationen nämlich eher unerwünscht und ich schiebe die dann lieber in der Bildbearbeitung nach.
Auch interessiert mich das Hintergrund-Reendering oftmals stärker als die direkt sichtbare Schärfe. Dies ist ein häufiges Gestaltungsmittel bei mir und so kommt es mir darauf an, einen schönen Hintergrundverlauf zu erzielen. Ebenso interessiert mich die Form der abgebildeten Highlights wenn reflektierende Lichter mit ins Bild kommen (Blattwerk, Kerzen, Lichter allgemein)... also interessiert die Blendenform.
Ebenso interessiert mich bei einem Objektiv die Frage, ob es schöne Katzenaugen - Highlights erzeugen kann, möglichst an den Rändern sauber und ohne CAs.
Für die Antworten auf diese Fragen hab ich mir meine eigenen Szenarien zurechtgelegt, mal ist es eine Lichterkette im Hintergrund, mal ein stets aus gleichem Winkel fotografiertes Blattwerk...
Verzeichnungen und Schärfeverteilung bis in die Ecken teste ich auf die Schnelle immer mal wieder an einer Mauer, weil man so am schnellsten diese Eigenschaften überprüfen kann.
Danach teste ich da nicht mehr, hab aber so zunächst einen schnellen Status, ob ein Objektiv es überhaupt schafft, in meinem Fotokoffer zu landen.
Ich hatte dutzende von "guten Objektiven" in Sachen Schärfe und Kontrast... diese haben aber "keine Signatur", die ich aber bei einem Objektiv brauche... speziell bei einem alten Objektiv.
Scharfes, kontrastreiches Glas hab ich in meine Canon L Objektiven... aber die sind mir zu "normal und charakterlos"... eben scharf und kontrastig... mehr nicht.
Und um eben heraus zu finden, wofür ich welches Objektiv am Besten einsetzen kann, sind mir Tests unter bestimmten Bedingungen wichtig...
Erst wenn ich weiß, in welche Verwendungs-Schublade ich etwas einsortieren kann, wird auch die Frage, was bleibt und was geht beantwortbar.
Ein "Anfass - und wohlfühlgefühl" Kriterium gibt es bei mir auch in Form meiner Leica Objektive, aber es können eben nicht alle so gebaut sein und so gibt es eine Menge Objektive, die ich z.B. mit dem Biotar 1.5/75mm, dem Primoplan 1.9/75mm besitze und auch das Pancolar 1.4/55mm, obgleich sie im strengen Sinne die heutigen Kriterien, die an Schärfe und Kontrast schon bei Offenblende gestellt werden, nicht erfüllen können aber aus eben anderen Kriterien heraus bleiben.
Auch leiste ich mir den Spaß, in speziellen Situationen - und nur da - den Imagon Weichzeichner zum Einsatz zu bringen oder das Angenieux 2.5/35-70mm wegen seines atemberaubenden Farbreendering einzusetzen. Beides sind haptisch "gewöhnungsbdürftige" Plastikbomber... vom Anfassgefühl.
Oder die Spielereien mit Meostigmat oder Leica Projektionsobjektiven.. genial und alles mit eigenem Reiz beim Fotografieren, so das man letztlich keine wirkliche Aussage über ein Objektiv in Sachen "Beurteilung" durch Tests oder reines Fotografieren herleiten kann.
Es ist immer eine Kombination aus Beidem... erst wird geguckt, was kann das Objektiv technisch und was kann es nicht. Dann richtet man sich letztlich auch in seiner Art damit zu fotografieren danach oder sagt gleich "geht gar nicht"...



), aber wenn mich jemand fragt, wie gut das eine oder andere meiner Objektive ist, kann ich oft nur sagen "ganz ok" oder eine ähnlich grobe Einschätzung.
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