Dann mal ein paar erste Worte zu einigen Feinheiten der Kameras.
Als erstes wäre da die "dunkle" Mattscheibe der Pentacon Six. Ja, die ist dunkel im Vergleich zu modernen Kunststoffscheiben, allerdings hat sie eine optimal abgestimmte Auflösung und dazu einen guten Kontrast, sodass man mit ihr wirklich einwandfrei Scharfstellen kann - die Schärfe springt einen regelrecht an. Das kann man von vielen anderen Scheiben, vor allem den grob gefrästen Kunststoffscheiben, nicht behaupten und deshalb habe ich diesen Punkt bei Pro/Kontra bewusst weggelassen.
Falls es jemanden interessiert: beim Herstellen von Mattscheiben entscheidet die Feinheit und Art der Mattierung über Kontrast, Auflösung und Helligkeit sodass man sich ganz grob zwischen hell+kontrastreich und hochauflösend entscheiden muss. Da finde ich den Kompromiss der Pentacon Six Scheibe schon optimal getroffen, auch wenn es mit moderneren Glassorten besser geht.
Dann möchte ich ein paar Worte zur Pentax 67 verlieren. Was aus den Werten der Tabelle und auch den Fotos nicht so richtig herauskommt ist, dass einem diese Kamera wirklich viel schwerer und unhandlicher vorkommt als die hier gezeigte "Konkurrenz". Es scheint tatsächlich nur dieses knappe halbe Kilo zu sein, dass die Pentax für mich persönlich zu schwer macht, um sie ständig herumzutragen. Trotzdem muss man diese Kamera kompakt nennen, wenn man bedenkt dass sie einen größeren Bildkreis bedient (88mm vs. 79mm) und dazu die Mattscheibe auch das gesamte Bild zeigt!
Was mich aber persönlich am meisten stört ist die Bedienung des TTL-Prismas. Der on/off Schalter ist auf der rechten und das Zeitenrad auf der linken Seite. Ich halte die Kamera mit der rechten Hand und habe habe dort Zeigefinger und Daumen für den Auslöser und andere Sachen "parat". An den on/off Schalter komme ich allerdings nicht heran. Die linke Hand ist praktischerweise, zum Fokussieren und Blende einstellen, immer am Objektiv. Und mit welcher Hand belebe ich jetzt das Prisma und stelle dann die Belichtungszeit ein? Richtig, ich nehme die linke Hand vom Objektiv und die Kamera vom Auge um an den on/off Schalter zu kommen und um danach die Zeit einzustellen...
Ganz ehrlich, da hätte man sich die Kupplung auch sparen können. Aber das ist nur mein eigener, erster frustrierter Eindruck, da gewöhnt man sich sicher auch dran.
Und da wären wir auch schon bei der Norita: Obwohl das Prisma nur teilgekuppelt ist, kann man mit ihr sehr schnell und flüssig arbeiten, da der on/off Schalter auf der linken Seite ist, was das "Umgreifen" entfallen lässt sodass man zwar noch die linke Hand vom Objektiv, aber nicht die Kamera vom Auge nehmen muss. Und das Zeitenrad ist auf der rechten Seite, was es mit der rechten Hand erreichbar macht, wodurch man die Kamera zum Bedienen des Prismas ebenfalls nicht vom Auge nehmen muss, solange man mit fixer Blende arbeitet (was bei mir meist der Fall ist).
Eine weitere Sache, die ich persönlich sehr erfreulich finde, ist der markierte Ausschnitt auf der Mattscheibe, der einem zeigt wieviel vom Bild nicht zu sehen ist. So kann man den Bildausschnitt trotz der kleinen Scheibe ganz gut einschätzen, wenn man das volle Bild ausschöpfen und später nicht beschneiden möchte.
Hat man, wie ich, eine Norita mit shutter-bounce Problem, dann zeigt einem die Scheibe zufälliger- und praktischerweise genau den Ausschnitt, der nicht vom dunklen Rand betroffen ist sodass trotz des Defekts kein Bild versaut ist.
Abschließend noch ein paar ganz wichtige Worte bezüglich der "Zuverlässigkeit" der Kameras. Ich habe in der Liste dazu bewusst keine Angaben gemacht. Viele Leute tendieren ja dazu, Kameras anhand ihres jetzigen Zustands zu beurteilen, ohne das Alter und den Mangel an Pflege und Wartung zu bedenken - was bei diesen Geräten hier ja fast immer der Fall ist. Das ist verständlich, da meist eine Menge Frust mitspielt, aber z.B. die allgemeine Aussage, dass die Pentacon Six unzuverlässig ist, ist schlicht falsch. Natürlich sind die erhältlichen Gebrauchtgeräte in der Regel nahezu unbrauchbar, aber das liegt an den inzwischen 25 Jahren seit der Wende, in denen nur die wenigsten mal Benutzung oder gar einen Fachmann gesehen haben. In ordentlich gewartetem Zustand und bei sachgerechter Bedienung ist das eine wirklich sehr gute Kamera mit wenigen konstruktionsbedingten "Problemstellen".
Zur Kiev kann ich an der Stelle aber leider nur sagen, dass man da, selbst mit den werksneuen und fachmännisch überarbeiteten, im wahrsten Sinne des Wortes "russisch Roulette" spielt... Meine nagelneue Arax (auf Basis einer Kiev 60 von 1989) geht jetzt nach nichtmal 2 Monaten zur Reparatur, weil sich irgendwas im Verschluss verabschiedet hat. Daraus schließen kann man aber auch lediglich, dass die Serienstreuung produktionsbedingt furchterregend ist, nicht dass es sich grundsätzlich um eine schlechte Konstruktion handelt, denn da draussen sind viele gute und zuverlässige Exemplare unterwegs!
Um den Bogen rund zu machen müsste ich diesbezüglich noch was über die Pentax und die Norita sagen, aber da kenne ich mich erstens nicht ausreichend mit den Pentax aus und zweitens existiert da dieses kleine Problem mit dem nahezu nicht-existenten Service für die Norita. Ich kann nur sagen, dass viele Norita trotz eines Alters von jetzt 39 bis 47 Jahren noch ganz gut laufen und dass die meisten defekten Kameras genau das gleiche Problem haben, nämlich das "shutter bounce" Problem, bei dem der erste Verschlussvorhang kurz vor vollständiger Öffnung ausgebremst wird und es so zu einem ca. 3,5mm breiten, dunklen Streifen am Bildrand kommt. So ganz steige ich hier nicht durch die Konstruktion, deshalb komme ich nicht drauf wo der Fehler liegt und was verschlissen ist, aber das tut ja weltweit so ziemlich niemand...
Gut, das soll es für heute gewesen sein. Wenn jemandem Fehler da oben auffallen, bitte bescheid sagen!


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