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Thema: Festbrennweiten oder Zoom

Hybrid-Darstellung

  1. #1
    Förderndes Mitglied Avatar von Helge
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    Ein ganz entscheidender Punkt wurde m.E. noch gar nicht genannt: Die Lichtstärke. Wer ausschließlich mit Zoomobjektiven arbeitet, dem bleibt der komplette Bereich unterhalb von f/2.8 zwangsläufig verschlossen (wer jetzt die Ausnahmen von dieser Regel auflisten möchte, macht bitte einen eigenen Thread auf!). Das war für mich die Hauptmotivation mich mit Festbrennweiten zu beschäftigen, nachdem ich davor hauptsächlich mit Zooms fotografiert hatte.

    Ich bin inzwischen ein begeisterter Nutzer von Festbrennweiten und Zooms habe ich nur noch sehr selten und dann meist als Backup dabei. Das liegt aber daran, dass ich mir meist sehr viel Zeit zum Fotografieren lasse und deswegen keine Probleme damit habe, die Objektive zu wechseln. Wenn es wirklich mal schnell gehen muss und die Motive unvorhersehbar wechseln, dann ist ein Zoom natürlich nicht zu ersetzen.

    In einem Punkt ist mir allerdings expats Argumentation sehr sympathisch: Man sollte nicht vergessen, dass all die Ausrüstung nur Mittel zum Zweck ist und nicht Selbstzweck. Mir wird inzwischen auch manchmal zuviel Wind um die besonderen Abbildungseigenschaften alter Festbrennweiten gemacht - die machen aber auch nicht von selbst tolle Fotos. Da wird sich vor Testbildern von den immer gleichen Blumen vor verschwommenem Hintergrund ehrfurchtsvoll verneigt, dabei würde es wahrscheinlich keiner merken, wenn das Bild mit einem modernen Zoom gemacht worden wäre - bei 50cm Abstand kann fast jedes Objektiv einen weichen Hintergrund abbilden. Viele Bilder wären jedenfalls besser wenn der Fotografierende sich vorher eine Minute Gedanken um den Bildaufbau gemacht, oder 20 € in einen Reflektor für gescheites Licht investiert hätte, anstatt 2000 € für legendäres Altglas und zehn Minuten Grübeln vor dem Regal mit dem Linsenpark - welches nehme ich denn heute?

    Mir scheint, ich habe heute meinen polemischen Tag. Denkt euch ein Augenzwinkern dazu...

    P.S.: @Henry, Deine Beispiele und Erläuterungen finde ich sehr überzeugend, aber mit Verlaub, sie haben für mein Empfinden rein gar nichts mit der Frage Zoom/Festbrennweite zu tun, sondern ausschließlich mit AF/MF und Einzelbild/Serienfeuer. Die von Dir beschriebene Vorgehensweise kann man ganz genauso auch mit einem Zoomobjektiv durchführen.

  2. 3 Benutzer sagen "Danke", Helge :


  3. #2
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    Zitat Zitat von Helge Beitrag anzeigen
    Da wird sich vor Testbildern von den immer gleichen Blumen vor verschwommenem Hintergrund ehrfurchtsvoll verneigt, dabei würde es wahrscheinlich keiner merken, wenn das Bild mit einem modernen Zoom gemacht worden wäre - bei 50cm Abstand kann fast jedes Objektiv einen weichen Hintergrund abbilden. Viele Bilder wären jedenfalls besser wenn der Fotografierende sich vorher eine Minute Gedanken um den Bildaufbau gemacht, oder 20 € in einen Reflektor für gescheites Licht investiert hätte, anstatt 2000 € für legendäres Altglas und zehn Minuten Grübeln vor dem Regal mit dem Linsenpark - welches nehme ich denn heute?

    Mir scheint, ich habe heute meinen polemischen Tag. Denkt euch ein Augenzwinkern dazu...
    Ohje, wenn man den Faden noch weiter spinnt, wird es aber wirklich heftig.

  4. #3
    Fleissiger Poster
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    Zitat Zitat von Waalf Beitrag anzeigen
    Ohje, wenn man den Faden noch weiter spinnt, wird es aber wirklich heftig.
    Ja, möglicher Weise landete man dann wieder beim Begriff: "Technikfetischismus".
    Flickr
    Allen einen schönen Tag!

  5. #4
    Hardcore-Poster Avatar von FD-ler
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    Zitat Zitat von expat Beitrag anzeigen
    Ja, möglicher Weise landete man dann wieder beim Begriff: "Technikfetischismus".
    Dem man aber wieder eine reelle Basis geben kann, wenn man sich optische Gesetzmäßigkeiten betrachtet und dann zu dem Schluss kommt, dass ein Bild, das durch nur 3 bis 5 (möglichst sogar unvergütete) Linsen aufgenommen, natürlicher rüberkommt und mehr Potential* hat, als eines, das durch 20 nanovergütete und stabilisierte Zoom-Linsen "überkontrastet" wird - und das weil heutzutage allein dieser verfälschte Schärfeeindruck zählt.

    edit
    ... ich kenne und liebe Arkadi auch und weiß, wie schwer authentische Personen auf Kreta (und vor allem in Klöstern) aufs Bild zu bannen gehen - super Bild deshalb!

    * und das nicht nur bei der größeren Anfangsblende der FBs, sondern bei allen genutzten Blenden (was so gern vergessen wird)
    Gruß Marcus

  6. #5
    Fleissiger Poster
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    Zitat Zitat von FD-ler Beitrag anzeigen
    edit
    ... ich kenne und liebe Arkadi auch und weiß wie schwer authentische Personen auf Kreta (und vor allem in Klöstern) aufs Bild zu bannen gehen - super Bild deshalb!
    Danke!

    Zitat Zitat von FD-ler Beitrag anzeigen
    Dem man aber wieder eine reelle Basis geben kann, wenn man sich optische Gesetzmäßigkeiten betrachtet und dann zu dem Schluss kommt, dass ein Bild, das durch nur 3 bis 5 (möglichst sogar unvergütete) Linsen aufgenommen, natürlicher rüberkommt und mehr Potential* hat, als eines, das durch 20 nanovergütete und stabilisierte Zoom-Linsen "überkontrastet" wird - und das weil heutzutage allein dieser verfälschte Schärfeeindruck zählt.
    Da wären wir dann auch wieder beim Technikfetischismus.

    Ich glaube ja zu wissen, dass der Eindruck des menschlichen Sehens gar nicht durch Fotografie zu kopieren ist. Andererseits muss das ja auch gar kein Ziel sein. Ich persönlich erlebe das Fotografieren als den Versuch, aus dem Motiv etwas zu machen, wie es bestenfalls sein könnte, ohne dass das Ergebnis manipuliert oder zu sehr überarbeitet erscheint.

    Realität ist das, was es ist, aber wir nehmen nie die Realität wahr, sondern wir machen uns immer ein Bild davon; auch wenn wir gar kein Foto machen. Wenn wir aber ein Foto machen, werden wir nie die Realität abbilden.
    Flickr
    Allen einen schönen Tag!

  7. #6
    Hardcore-Poster Avatar von FD-ler
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    Nein, es geht nicht ums Kopieren der Realität, sondern lediglich ums Potential der Objektive, originale Bildinformationen fürs Abbild zu erhalten. Jede zusätzliche Linse im Objektiv mit der nötigen immer aufwändigeren Vergütung ist Schummelei mit negativen Folgen auf den ursprünglichen Bildinhalt.
    Gruß Marcus

  8. #7
    Fleissiger Poster
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    Zitat Zitat von FD-ler Beitrag anzeigen
    Nein, es geht nicht ums Kopieren der Realität, sondern lediglich ums Potential der Objektive, originale Bildinformationen fürs Abbild zu erhalten. Jede zusätzliche Linse im Objektiv mit der nötigen immer aufwändigeren Vergütung ist Schummelei mit negativen Folgen auf den ursprünglichen Bildinhalt.
    Das halte ich für eine Fehlinterpretation. Nach meiner Information sorgen Vergütungen für die Beseitigung von Abbildungsfehlern.
    Flickr
    Allen einen schönen Tag!

  9. #8
    de Vörstand Avatar von hinnerker
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    Zitat Zitat von Helge Beitrag anzeigen
    ...

    P.S.: @Henry, Deine Beispiele und Erläuterungen finde ich sehr überzeugend, aber mit Verlaub, sie haben für mein Empfinden rein gar nichts mit der Frage Zoom/Festbrennweite zu tun, sondern ausschließlich mit AF/MF und Einzelbild/Serienfeuer. Die von Dir beschriebene Vorgehensweise kann man ganz genauso auch mit einem Zoomobjektiv durchführen.
    Durchaus richtig, aber sie haben etwas mit der Frage der "Ergebnisorientiertheit" und den unterschiedlichen Wegen zu tun und schlussendlich auch, ob man hierbei überhaupt auf den Technikfetischismus abheben kann oder ob das Problem nicht eher im Verlust der Rückbesinnung auf fotografische Techniken liegt, und stattdesse eben diesem Technikfetischismus gefrönt wird.

    Aus meiner Sicht ist dieses von mir geschilderte Beispiel und die Erläuterungen dazu in meinen Augen - noch weit vor der Frage ob Zoom oder FEstbrennweite zu stellen - und die eigentlich zu klärenden Aspekte... nämlich der schleichend damit einhergehende Verlust von Kreativität in der Auswahl der dem Fotografen zur Verfügung stehenden Mittel und Techniken. Diese sindi.d.R. nicht in den Bilderergebnissen sichtbar, aber es hat eben eine andere Qualität im Bewusstsein über die Möglichkeiten zu agieren.

    Das es selbstverständlich auch Situationen gibt, wo der Streetfotograf mit einer 24er oder 35er Festbrennweite und anschließendem Crop die gleichen Motive nach Hause bringt, damit aber ganz andere Motivsituationen vor sich hat, steht ja auf einem anderen Blatt.

    Nur - und dagegen wehre ich mich - ist die Nutzung eines Zooms nun nicht ziel- oder ergebnisorientierter, wie hier bislang von expat dargestellt.

    Das es Aufnahme-Situationen gibt, bei denen ein Zoom Vorteile hat, steht wohl bei jedem Diskutanten ausser Frage. Keinesfalls aber ist die Nutzung eines Zooms "ergebnisorientierter", ebensowenig wie die Nutzung einer hohen Serienbildgeschwindigkeit.

    Und bei "Street" brauchts nichtmal ein Zoom, wie das nachfolgende, mit einer 17mm Festbrennweite entstandene und gecroppte Bild verdeutlichen mag, das nur mit der am Arm seitlich neben dem Bein baumelnden EOS 5D MKII entstand... sogar gänzlich ohne überhaupt durch den Sucher zu schauen...

    IMG_5479.jpg

    Sowas muss schnell und zielgerichtet sein... sonst kannst Du das Bild schon von vornherein vergessen, wenn da erst noch an irgendeinem Zoom hin und hergedreht werden muss..

    Und das sind alte fotografische Techniken, bei denen es nun überhaupt keine Rolle spielt, ob Zoom oder Festbrennweite...

    In diesem bewußten Umgang und der Kenntnis und Einübung dieser Möglichkeiten sehe ich vielmehr Sinn, als über ein Pro- oder Kontra Zoom oder Festbrennweite zu diskutieren.

    Vertreter des einen Lagers, werden - genau wie der Pressefotograf - einfach irgendwann gar nix mehr von den Möglichkeiten wissen, die mit einer richtigen Festbrennweitenwahl einhergehen und deshalb das Zoom als Allheilmittel begreifen, wie der Pressefotograf das Serienbildfeuer seiner Nikon Boliden als "Wunderwaffe" begreift ohne zu merken, dass vieles auch ganz anders laufen kann.
    Canon EOS 5D MKIII, 5D MKI, Canon 1D MK IV, Sony A7, NEX7, A7 II.. und viele, viele feine Objektive aus dem Altglas-Container..

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