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Hardcore-Poster
Bestimmungshilfe - lichtstarker, alter Zweilinser /GELÖST: alte Kartenlupe!
Ich habe ein altes Objektiv entdeckt und gerettet...
Es war so verdreckt, dass ich es erst mit Bremsenreiniger und dann mit Spülmaschinenpulver und einer Bürste bearbeiten musste, um Messing und Glas frei zu legen. Selbst die Linsen hatten eine verharzte Dreckkruste. Jetzt kann es sich wieder sehen und auch probieren lassen.
Auf dem Objektiv sind keinerlei Beschriftungen zu finden.

Den hinteren Ring habe ich innen mit Edding geschwärzt. Das kann ich jederzeit wieder entfernen.

Die Steigung des Fokusgewindes ist sehr flach. Beim fotografieren ist mir dann auch aufgefallen, warum das so sein muss.

Das Auflagemaß zur Anschlussplatte ist etwa 49mm. Der Abstand zur Hinterlinse etwa 43mm, was der Brennweite entspricht. Hier der grobe Abstand zum Ende der Fassung.

Der Aufbau ist simpel. Keine Aperturblende. Nur 2 handgeschliffene Linsen (die sind nichtmal perfekt rund) mit innen geschwärztem Holz-spacer. Das Holz habe ich innen auch mit Edding nachgeschwärzt (das zähle ich als vetretbare Reparaturmaßnahme).

Für Testbilder habe ich es mit Hilfe von etwas Gaffa in diese Adpater-Kombi gesteckt.

Und die Nex-5N APS-C Testbilder ooc: Trommelwirbel...
...das Schlagzeug bricht zusammen und geht in Flammen auf.
Das ist das beste von 8 Bildern. Den "Fokus" treffen ist nicht trivial. Kompendium oder ND-Filter helfen auch nicht gegen das massive Überstrahlen.

Eiiii... Da ist aber was im Zentrum, was man in Richtung Schärfe interpretieren könnte. Die Bildfeldwölbung ist enorm. Man kann auch einen "scharfen" Ring mit matschiger Bildmitte kreieren.

Zuletzt noch ein Vergleich mit dem 1.4/40 Pen-F Zuiko. Die Belichtungszeit der beiden Bilder war die gleiche. Das Teil ist also schon sehr lichtstark. Wenn auch sonst in allen anderen Bereichen schwach. Man sieht auch gut, dass es etwas länger als 40mm ist. Die 43mm hauen also ungefähr hin.
Die Schärfentiefe ist sehr gering und macht das Fokussieren wirklich schwer. Ich habe auch den Eindruck, dass sich maximaler Kontrast und maximale Auflösung nicht im selben Punkt treffen - man muss sich für eines entscheiden. Die "Schärfe" liegt dann irgendwo in der Nähe.


Es leuchtet etwas mehr als 6x6 aus. Vielleicht war es für Neuntelplatten (51x64mm) gedacht? Realistisch kann man wegen der starken Bildfeldwölbung aber maximal den zentralen ca. 15x15mm Bereich nutzen. Als Portrait-Objektiv, auf sehr kontrastreichem Film, könnte es sicher "gute" Ergebnisse liefern. Wenn wir uns am Anfang des 19. Jahrhunderts befinden...
Hat irgendjemand eine Ahnung, von wann oder wem das Teil sein könnte? Mein Bauch sagt so 1830-1850. Aber es kann natürlich auch etwas später sein.
Leider finde ich im Netz nicht viel brauchbares zum Recherchieren über so alte Fototechnik. Da würde ich auch Tips zum Nachforschen entgegennehmen!
Nochmal die Eckdaten zusammengefasst:
- Brennweite ca. 43mm
- Lichstärke nach Belichtungszeit analog f1.4, geometrische Blende unbekannt
- Auflagemaß ab Anschlussplatte ca. 49mm, Objektiv ragt dann knapp 10mm nach hinten raus
- Linsendurchmesser 27mm (33mm)
- Maße: Durchmesser 46mm, Länge 24mm, Lochkreis für Montage ca. 40mm
- Gewicht: 76g
Geändert von CsF (23.05.2026 um 09:20 Uhr)
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2 Benutzer sagen "Danke", CsF :
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Es könnte eine einfache Lupe sein die gar nicht für Aufnahmezwecke gedacht war. Mit dem Flanschring kann sie auf einem Sockel verschraubt gewesen sein.
Ansonsten eventuell ein Objektiv für eine Camera Obscura aus der Zeit bevor es Filme gab. Meines Wissens gab es diese Zeichenhilfen auch für Miniaturen.
Für eine Nutzung mit Film war das Objektiv wohl nicht gedacht.
Selbst ein Ernemann Erid, 8/45mm liefert mit seinen beiden Linsen bessere Qualität.
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Folgender Benutzer sagt "Danke", arri :
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Das ist eine Lupe für den Schreibtisch oder auch für Karten in der Seefahrt. Es fehlen die drei kleinen Beinchen, die den korrekten Abstand zur Karte sicherstellen. Suche mal nach "Antique Brass Desk Map Magnifying Tripod Glass Magnifier Tabletop Reading Lens".
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2 Benutzer sagen "Danke", Bessamatic :
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Hardcore-Poster
Ha!
Danke euch beiden! Das ist wohl wirklich eine Kartenlupe. Wow.
Habe eben etwas rumprobiert und die Beinchen müssen knapp 25mm lang sein, dass bei maximalem Abstand der Fokussierung noch ein brauchbares, scharfes Bild rauskommt. Cool!
Und das ist gar nicht mal die schlechteste Lupe.
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