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Thema: noch ein Text

Hybrid-Darstellung

  1. #1
    Hans Dampf
    Gast

    Standard noch ein Text

    Leica oder die Schule der fotografischen Selbsttäuschung

    Warum mir die Leicareife vermutlich verborgen bleiben wird

    Es gibt in der Fotografie offenbar Entwicklungsstufen, deren Existenz mir lange verborgen geblieben sind. Ich war tatsächlich so naiv zu glauben, dass die entscheidende Fähigkeit eines Fotografen darin besteht, etwas zu sehen, einen Augenblick zu erkennen und aus der unüberschaubaren Menge alltäglicher Eindrücke jene wenigen herauszufiltern, die eine Bedeutung besitzen. Eine geradezu primitive Vorstellung, wie ich inzwischen einsehen musste. Denn neben dieser alten Idee des Fotografen, der mit offenen Augen durch die Welt geht und versucht, eine eigene Sichtweise zu entwickeln, existiert offenbar eine weitaus höhere Form fotografischer Bildung: die Leicareife.

    Ich muss gestehen, dass ich diesen Begriff lange unterschätzt habe. Zunächst hielt ich ihn für eine augenzwinkernde Bezeichnung jener besonderen Begeisterung, die Menschen für ein hochwertiges Werkzeug entwickeln können. Ich dachte, es gehe um die Freude an präziser Mechanik, um die Wertschätzung einer langen Tradition und um die verständliche Begeisterung für ein außergewöhnlich gefertigtes Produkt. Doch je länger ich die Sprache, die Rituale und die Selbstbeschreibungen dieser Welt beobachtete, desto deutlicher wurde mir, dass es sich um weit mehr handeln muss. Die Leicareife ist kein gewöhnlicher Zustand der Zufriedenheit mit einer Kameramarke. Sie scheint vielmehr eine Art fotografische Erleuchtung zu sein, eine höhere Stufe der Erkenntnis, die den Menschen über das bloße Fotografieren hinausführt und ihn in jene Sphäre erhebt, in der die Kamera nicht mehr nur Werkzeug ist, sondern Ausdruck einer bereits erreichten geistigen und ästhetischen Entwicklung.

    Leider ist mir dieser Aufstieg bisher nicht gelungen.

    Ich bin bedauerlicherweise auf einer sehr einfachen Stufe stehen geblieben. Ich sehe eine Kamera noch immer als Kamera. Ich betrachte sie als ein Werkzeug, das mir helfen soll, etwas festzuhalten, eine Beobachtung sichtbar zu machen oder eine Idee in eine Form zu bringen, die über den Moment hinaus Bestand haben kann. Eine ausgesprochen begrenzte Sichtweise, denn der gereifte Leica-Anwender hat längst erkannt, dass die eigentliche Bedeutung eines fotografischen Werkzeugs nicht unbedingt in dem liegt, was damit entsteht, sondern in dem, was der Besitz dieses Werkzeugs über seinen Besitzer aussagt.

    Hier beginnt meine Unreife.

    Während ich mich noch mit der völlig nebensächlichen Frage beschäftige, ob ein Bild interessant ist, ob es eine Atmosphäre besitzt oder ob es einen Gedanken vermittelt, haben andere längst entscheidende Ebenen der Fotografie erreicht. Sie beschäftigen sich mit der subtilen Zeichnung verschiedener Objektive, mit den Eigenheiten bestimmter Baujahre und mit den historischen Besonderheiten einzelner Modelle. Sie wissen, welche Linse welchen Charakter besitzt, welche Fertigungsperiode besonders begehrt ist und welche technische Entscheidung angeblich Rückschlüsse auf die geistige Haltung des Fotografen erlaubt.

    Ich hingegen stehe weiterhin ratlos vor einem Bild und frage mich, warum es mich berührt oder warum es mich völlig kalt lässt.

    Ein bedauerlicher Mangel an Entwicklung.

    Vielleicht liegt mein größtes Problem darin, dass ich Fotografie noch immer für eine Angelegenheit des Sehens halte. Ich habe nie vollständig verstanden, warum eine tiefgehende Kenntnis der technischen Voraussetzungen automatisch zu einer tiefgehenden Kenntnis des fotografischen Ausdrucks führen sollte. Natürlich ist Wissen über Werkzeuge wertvoll. Natürlich kann ein Fotograf von einem guten Werkzeug profitieren. Aber irgendwo zwischen dem Verständnis für ein Werkzeug und der Überzeugung, durch dieses Werkzeug selbst eine besondere fotografische Identität erworben zu haben, liegt eine Grenze, die erstaunlich leicht überschritten wird.

    Dort beginnt die eigentliche Schule der fotografischen Selbsttäuschung.

    Es ist eine bemerkenswerte Erscheinung: Menschen können sich jahrelang mit der Geschichte einer Marke beschäftigen, jede technische Besonderheit eines Objektivs erklären und die Unterschiede zwischen einzelnen Modellen mit einer Genauigkeit darstellen, die bei einem Ingenieur Bewunderung hervorrufen würde. Gleichzeitig bleibt die unangenehme Frage nach dem eigenen fotografischen Ausdruck erstaunlich oft unbeantwortet. Man kennt die Historie des Objektivs, aber nicht die Herkunft der eigenen Bildideen. Man kennt die Charakteristik eines Sensors oder Films, aber nicht den Charakter der eigenen Fotografie.

    Vielleicht ist das kein Zufall.

    Denn technische Dinge besitzen einen entscheidenden Vorteil gegenüber künstlerischen Fähigkeiten: Sie lassen sich erwerben. Man kann sie kaufen, vergleichen, sammeln und besitzen. Kreativität hingegen ist ein wesentlich widerspenstigerer Begleiter. Sie lässt sich nicht bestellen, nicht gravieren und nicht durch eine traditionsreiche Marke ersetzen.

    Es gibt kein Objektiv, das einem einen eigenen Blick liefert. Es gibt keine Kamera, die aus einem Menschen jemanden macht, der tatsächlich etwas zu sagen hat.

    Aber man kann eine Leica kaufen.

    Und genau darin liegt ihre besondere Faszination. Sie bietet nicht nur ein Werkzeug, sondern eine Geschichte, in die man eintreten kann. Sie liefert eine Vorstellung davon, wer man als Fotograf sein möchte. Sie verwandelt technische Entscheidungen in persönliche Eigenschaften. Aus einer Einschränkung wird Konsequenz. Aus fehlender Bequemlichkeit wird bewusste Reduktion. Aus dem Verzicht auf moderne Möglichkeiten wird eine Erklärung über die eigene Ernsthaftigkeit.

    Die Leica ist damit weit mehr als ein Fotoapparat. Sie ist ein ausgesprochen elegantes Versprechen.

    Sie verspricht ihrem Besitzer, dass er anders arbeitet als die Masse. Dass er bewusster sieht. Dass er nicht einfach nur auslöst, sondern gestaltet. Dass er sich der Oberflächlichkeit moderner Fotografie entzieht.

    Und dieses Versprechen ist besonders attraktiv, weil es eine unangenehme Wahrheit umgeht: Dass der entscheidende Unterschied zwischen einem bedeutenden Fotografen und einem beliebigen Bildproduzenten nicht im Werkzeug liegt, sondern in der Fähigkeit, etwas Eigenes wahrzunehmen.

    Denn genau dort wird es schwierig.

    Sehen ist eine unbequeme Angelegenheit. Sehen bedeutet, sich selbst infrage stellen zu müssen. Es bedeutet, die Möglichkeit auszuhalten, dass ein teures Werkzeug keine Garantie für einen interessanten Blick bietet. Es bedeutet, zu akzeptieren, dass nach Jahren der Beschäftigung mit Fotografie vielleicht nicht die Kamera, sondern die eigene Vorstellungskraft die größte Begrenzung darstellt.

    Diese Erkenntnis ist schwerer zu ertragen als jede technische Diskussion.

    Vielleicht ist es deshalb so verführerisch, sich auf das Messbare zu konzentrieren. Objektive haben Eigenschaften. Kameras haben Daten. Seriennummern haben Ordnung. Historien lassen sich recherchieren. Die eigene kreative Fähigkeit hingegen entzieht sich jeder sicheren Bewertung. Ein Bild kann nicht mit einer Tabelle verteidigt werden. Es kann nicht durch technische Argumente besser gemacht werden. Es steht einfach da und muss bestehen.

    Oder eben nicht.

    Vielleicht liegt darin auch die eigentliche Tragik dieser besonderen Form fotografischer Leidenschaft: Man verfügt über eine beeindruckende Kenntnis der Bedingungen der Fotografie, ohne sich der unangenehmen Prüfung des Ergebnisses auszusetzen. Man weiß alles über das Werkzeug der Kunst und erstaunlich wenig über die Kunst selbst. Man kann über Mikrokontrast, optische Signaturen und Fertigungsdetails sprechen, während das eigene Bild am Ende vor allem eines bleibt: eine technisch sauber ausgeführte Aufnahme ohne zwingenden Grund, warum sie überhaupt existieren sollte.

    Das ist der Moment, in dem aus Leidenschaft eine Ersatzhandlung werden kann.

    Die Leica wird zur fotografischen Potenzprothese.

    Nicht weil sie schlecht wäre. Im Gegenteil. Gerade weil sie ein hervorragendes Werkzeug ist, kann sie so wirkungsvoll jene Lücke verdecken, die eigentlich nur durch eigenes Sehen, eigenes Denken und eigene Arbeit geschlossen werden kann. Sie vermittelt Sicherheit dort, wo Unsicherheit notwendig wäre. Sie erzeugt das Gefühl von Kompetenz, bevor die eigentliche Arbeit geleistet wurde. Sie gibt ihrem Besitzer die beruhigende Gewissheit, auf dem richtigen Weg zu sein, selbst wenn dieser Weg manchmal vor allem aus Gesprächen über das richtige Werkzeug besteht.

    Natürlich wird niemand diesen Gedanken gerne hören. Niemand möchte glauben, dass sein sorgfältig gewähltes, hochwertiges und traditionsreiches Werkzeug vielleicht auch eine Funktion erfüllt, die über die reine Fotografie hinausgeht. Viel angenehmer ist es, die eigene Ausrüstung als Ausdruck einer bereits vorhandenen fotografischen Reife zu betrachten.

    Vielleicht werde ich deshalb die Leicareife niemals erreichen.

    Mir fehlt offenbar die notwendige Fähigkeit, in einer Leica mehr zu sehen als einen Gegenstand. Ich bin nicht in der Lage, aus einer Kamera aus Wetzlar eine künstlerische Haltung abzuleiten. Ich bleibe bei der vermutlich überholten Vorstellung, dass ein Fotograf nicht durch das Werkzeug definiert wird, sondern durch das, was er damit sichtbar macht.

    Eine erschreckend unreife Haltung.

    Ich werde also weiterhin versuchen, Bilder zu machen, anstatt eine Geschichte über meine Ausrüstung zu erzählen. Ich werde weiterhin den mühsamen Weg gehen, auf dem nicht die Kamera für mich spricht, sondern ich selbst für meine Bilder verantwortlich bin. Ich werde weiterhin mit der unangenehmen Tatsache leben müssen, dass kein Objektiv der Welt
    fehlende Vorstellungskraft ersetzt und keine Mechanik einen eigenen Blick erzeugt.

    Vielleicht ist das mein persönliches Versagen.

    Vielleicht werde ich die Leicareife tatsächlich niemals erreichen.

    Aber solange ich noch glaube, dass am Ende nicht die Kamera beurteilt wird, sondern das Bild, das durch sie entstanden ist, bleibt mir zumindest ein kleiner Trost:

    Ich bin vielleicht nicht weit genug entwickelt, um die höhere Wahrheit des roten Punktes zu verstehen.

    Ich bin dann wohl weiterhin nur Fotograf geblieben.

    Und habe viel Geld gespart.

  2. 3 Benutzer sagen "Danke", Hans Dampf :


  3. #2
    Hardcore-Poster
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    Standard

    Zitat Zitat von Hans Dampf Beitrag anzeigen
    Ich bin bedauerlicherweise auf einer sehr einfachen Stufe stehen geblieben. Ich sehe eine Kamera noch immer als Kamera. Ich betrachte sie als ein Werkzeug, das mir helfen soll, etwas festzuhalten, eine Beobachtung sichtbar zu machen oder eine Idee in eine Form zu bringen, die über den Moment hinaus Bestand haben kann. Während ich mich noch mit der völlig nebensächlichen Frage beschäftige, ob ein Bild interessant ist, ob es eine Atmosphäre besitzt oder ob es einen Gedanken vermittelt, ... es eine unangenehme Wahrheit ... : Dass der entscheidende Unterschied zwischen einem bedeutenden Fotografen und einem beliebigen Bildproduzenten nicht im Werkzeug liegt, sondern in der Fähigkeit, etwas Eigenes wahrzunehmen. Denn genau dort wird es schwierig. Sehen ist eine unbequeme Angelegenheit. Sehen bedeutet, sich selbst infrage stellen zu müssen. Es bedeutet, die Möglichkeit auszuhalten, dass ein teures Werkzeug keine Garantie für einen interessanten Blick bietet. Es bedeutet, zu akzeptieren, dass nach Jahren der Beschäftigung mit Fotografie vielleicht nicht die Kamera, sondern die eigene Vorstellungskraft die größte Begrenzung darstellt. Diese Erkenntnis ist schwerer zu ertragen als jede technische Diskussion.
    Ich habe mal auf die für mich entscheidenden Abschnitte reduziert, denen ich voll zustimmen kann. Es braucht kein spezifisches Leica-Bashing, das ganze gilt für jede beliebige aktuelle Kameramarke und die Auswüchse von deren Marketing-Menschen. Und die "engagierten Fotografen" lassen sich davon anstecken. Man kann sich das schön im blauen Nachbarforum ansehen, wo es immer neuer, besser, schärfer, schneller, künstlich intelligenter ... sein muss. Kommerz pur halt.

    Btw: Ich lebe hier in einem tierfreien ääh Leica-freien Haushalt, naja, stimmt nicht ganz: es gibt im Schrank ein paar Leica-Optiken, auf denen allerdings das Minolta-Label drauf ist
    Geändert von PeterWa (07.08.2026 um 06:48 Uhr)

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  5. #3
    Spitzenkommentierer Avatar von waldbeutler
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    Standard

    Ich habe in den letzten 60 Jahren das Sehen vor dem Fotografieren geübt.
    Inwischen bin ich so "weit" damit gekommen, dass ich im Falle, dass mir etwas begegnet, was ich für des Fotografierens würdig erachte, mir überlege, ob das nicht jemand sehr ähnlich oder fast genau so schon fotografiert hat.
    Wenn ich dann zu dem Schluss komme, dass es bereits so ähnlich fotografiert wurde, und für mich keinen zusätzlichen Wert hätte, dass ich es fotografiere, lass' ich es sein.
    Nikon-"Fanboy" bin ich auch nicht gerade, es hat sich halt so ergeben, dass ich mit der F3 HP "richtig" zu fotografieren angefangen habe und dann bei Nikon als Haupt-Hersteller geblieben bin.
    Die "Fremdgänge" zu anderen Herstellern waren da nur von kürzerer Dauer und hauptsächlich zusätzlich, nicht anstatt.
    Geändert von waldbeutler (07.08.2026 um 11:14 Uhr)
    Gruß, Michael

  6. #4
    de Vörstand Avatar von hinnerker
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    Blinzeln

    Welch langer Text, who

    Im Grunde sagt er, das des Fotografenherz nicht von der Kameramarke/Herstellermarke abhängig ist und auch nicht darüber entscheidet, ob man "fotografisch Sehen" lernt. Darüber entscheidet eigentlich nur ein waches Auge, Inspiration, Vorstellungskraft und einige bewußt erlebte physikalische Dinge. Sei es die Farblehre, Harmonie oder Disharmonie der Gestaltungselemente, im Portraitbereich auch die Frage der Kommunikation und der Fähigkeit andere Menschen anzuleiten. Es gibt tausenderlei Dinge, die hier hinein spielen. Das geringste von allem ist eigentlich die Frage nach Leica oder Nicht - Leica. Leica ist ein Werkzeug mit langer Historie und Vorreiter-Rolle im Meßsucher Bereich. Sie kam vielfach im frühen Pressebereich zum Einsatz, weil damit einfach schnell und unkompliziert Menschen und unbemerkt Streetfotografie betrieben werden konnte. Ich sag das aus eigener Erfahrung. Ich hab mit Spiegelreflex - Kameras angefangen in der Presseagentur und auf meine Canons "geschworen". Damals kannte ich noch keine M-Leicas und das schnelle arbeiten damit. Erst als mir mein Chef damals eine M3 Agenturkamera in die Hand drückte kam ich stückchenweise auf den Geschmack schnell Personen, Gruppen und Schnappschüsse damit schneller als mit der SLR zu machen. Insbesondere die lautlose Fotografie war oft entscheidend, wenn z.B. damals Gerd Fröbe in Hamburg auf "dem Schiff" eine Buchlesung vor 50 Leuten machte, wo lauter Spiegelschlag von SLR Kameras den Unmut des Publikums hervorgerufen hätte.

    Oder im SLR Bereich meine Canon F1, die in einem Sprung vom Gurt riss und nach dem Aufschlagen auf dem Boden nur noch Schrott war. Mit meiner spater angeschafften Leica SLmot blieb eine ähnliche Szene folgenlos.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Es gibt keine "Leica - Reife" sondern gute Gründe und historische Hintergründe, weshalb man eine Leica haben sollte, sei es nur um die mal kennen zu lernen. Das erspart "Neid - Debatten" bringt zur Erkenntnis, das man sie eigentlich nicht braucht, es aber trotzdem schön ist, einmal ein stückchen deutsche Kamera-Baukunst in Händen zu halten.

    LG Henry
    Canon EOS 5D MKIII, 5D MKI, Canon 1D MK IV, Sony A7, NEX7, A7 II.. und viele, viele feine Objektive aus dem Altglas-Container..

  7. 7 Benutzer sagen "Danke", hinnerker :


  8. #5
    Spitzenkommentierer
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    Standard Leica- Reife

    @Hans Dampf

    Ich meine du hast die Leica - Reife längst erreicht, nur hast du das nicht bemerkt.

    Leica -Reife, für mich ein Symbol des Bildformats 24x36 mm, welches auf Leica der 20er Jahre zurückgeht und heute in aller Welt Grundlage-Format unzähliger Bilder ist. Ich meine auch du nutzt dieses Format.

    Hier im Forum ist das "Vollformat", soweit ich das richtig sehe, in der Vielzahl der Bilder zugrunde gelegt. Sicher, es gibt Olympus und GFX Fotografen mit abweichenden Größen und das ist auch gut so wenn man auswählen kann. Auch die Freunde, des etwas kleineren Formats hängen irgendwie auch da drin, Halbformat, Cop 1,xy, der Bezug zu Leica ist im Hintergrund immer da.

    Auch stelle ich inzwischen immer wieder fest, die Leica- Reife wird mit fortschreitendem Alter erstaunlicherweise auch bei aller Bequemlichkeit erreicht, so z.B. bei meinem Sohn, er wechselt von Handy Format inzwischen immer mehr zum Kleinbild und das zu meinem Erstaunen. Er hat sich ein aussergewöhnlich umfassendes Equipment in 24x36 gekauft, was den auch sonst, und fotografiert einfach damit, bei mehr oder weniger Anspruch auf künstlerischen Ausdruck ?

    Auch denke ich, dass in den 30,40 und 50er Jahren es schon eine Leica-Reife bei den Berufs Journalisten gab, als diese von damals gängig verwendeten Aufnahme Formaten von 9x12 cm auf Kleinbild ,das Leica Format, gewechselt sind.

    Für mich waren die Leica M und auch die "Leicaflexen" immer ein sehr erstrebenswertes Ziel, und ich habe stets versucht Bilder zu machen, welche auch in ihrer Abbildungsqualität das Besondere zeigen, der Maßstab war Leica und bis auf einen Schwächeanfall meinerseits Kodak "Pocket oder so" hatte ich nur das Leica Format als Kamera. Bei Leica, das Suchersystem mit der präzisen Entfernungseinstellung, die Besonderheiten der Objektive einzigartig aber eben auch der Preis dieses Equipments. Ich habe leider nie eine Leica besitzen können auch wenn es aus meiner heutigen Sicht besser gewesen wäre, trotz der exorbitant hohen Preise, ein solches Leica System damals zu erwerben.
    Es war mir sehr peinlich, im vergangen Jahr im Leica Museum in Wetzlar Bilder mit einer Canon zu machen, aber diese hatte eben auch 24x36mm.

    Beste Grüße Ulrich

  9. Folgender Benutzer sagt "Danke", CanRoda :


  10. #6
    Hans Dampf
    Gast

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    Huch, nun wird es interessant. Die Reaktionen auf den kleinen Versuch, den Begriff der „Leicareife“ zu betrachten, haben eine beruhigende Botschaft: Niemand muss sich mit der These beschäftigen, solange man über Kameras spricht. Und das funktioniert erstaunlich gut. Kaum steht die Frage im Raum, ob der Besitzer einer Leica sich daraus eine höhere fotografische oder gar menschliche Qualität zuschreibt, wird das Objektiv gezückt, das Format vermessen und die eigene Kamerabiografie feierlich auf den Tisch gelegt. Die Kamera bleibt Thema, der Mensch bleibt unangetastet.
    PeterWa rettet zunächst die ganze Menschheit mit der Feststellung, das gelte doch für jede Marke. Natürlich. Auch außerhalb des Adels gibt es Menschen, die sich für etwas Besseres halten. Das ist kein Gegenargument, aber immerhin eine hübsche Fluchtbewegung. Leica ist also nicht allein. Das ist ungefähr so beruhigend wie die Mitteilung an einen Ritter, dass es auch in anderen Burgen Menschen mit Rüstung gibt. Und dann liegen da noch Leica-Optiken mit Minolta-Aufdruck im Schrank. Eine kleine konfessionelle Krise, aber technisch offenbar heilbar.
    Waldbeutler kommt mit sechzig Jahren „Sehen vor dem Fotografieren“. Sechzig Jahre! Das ist so viel Erfahrung, dass man eigentlich erwarten müsste, die Welt hätte sich inzwischen aus Ehrfurcht vor dieser Erkenntnis selbst ablichten lassen. Besonders schön ist die Regel: Was schon ähnlich fotografiert wurde, wird nicht mehr fotografiert. Damit dürfte die Fotografie ziemlich genau bei den Höhlenmalereien enden. Menschen? Schon erledigt. Landschaft? Erledigt. Sonnenuntergang? Seit Jahrhunderten ausverkauft. Bleibt nur noch das Motiv, das noch niemand fotografiert hat. Vielleicht ein bislang unentdeckter Mond auf der Rückseite des Mondes.
    Hinnerker erklärt dann, die M3 sei leise, schnell und hervorragend für die Presse gewesen. Ja. Und ein guter Regenschirm hält trocken. Nur war die Behauptung nie, dass eine M3 keine guten Eigenschaften besitze. Die Behauptung war, dass aus solchen Eigenschaften plötzlich eine höhere menschliche Entwicklungsstufe gebastelt wird. Die M3 ist leise, also arbeitet ihr Besitzer diskret. Er arbeitet diskret, also arbeitet er bewusst. Er arbeitet bewusst, also sieht er besser. Und wer besser sieht, ist vermutlich ein besserer Mensch. So wird aus einem Verschlussgeräusch in vier Generationen ein moralisches Urteil.
    Besonders rührend ist die Geschichte von der Canon F1, die beim Sturz vom Gurt starb, während die Leica SLmot überlebte. Damit wäre die Frage der technischen und vermutlich auch sittlichen Überlegenheit eigentlich geklärt. Eine Kamera überlebt einen Sturz, also muss sie die bessere Kamera sein. Nach dieser Methode dürfte man künftig Autos nach Parkremplern beurteilen und Ehen nach der Zahl der überlebenden Weingläser. Die Leica hat überlebt. Das Bild davon ist offenbar ebenfalls beeindruckt.
    Dann erscheint CanRoda mit der endgültigen Lösung: Leicareife sei 24×36. Endlich wird fotografische Entwicklung messbar. APS-C: noch unreif. Micro Four Thirds: Kindheit. 24×36: Erwachsen. Mittelformat: höher entwickelt. Großformat: vermutlich kurz vor der Aufnahmeprüfung ins Jenseits. Wer 8×10 fotografiert, braucht eigentlich keinen Sucher mehr, sondern einen geistlichen Beistand.
    Und die Canon im Leica-Museum? Kein Problem. Das Gehäuse war falsch, aber das Rechteck stimmte. Die Kamera war häretisch, der Sensor orthodox. Der Museumsbesucher kann aufatmen: Er hat zwar keine Leica, aber wenigstens 24×36. Das genügt offenbar für die fotografische Einbürgerung.
    Genau das ist das Schönste an den Antworten: Auf die Frage nach dem Fotografen wird über die Kamera gesprochen. Auf die Frage nach dem Blick über das Format. Auf die Frage nach dem eigenen Ausdruck über sechzig Jahre Erfahrung. Und wenn wirklich gar nichts mehr hilft, liegt irgendwo noch eine M3 herum, die einmal einen Gerd Fröbe leise fotografiert hat. Man kann sich damit wunderbar beschäftigen. Nur fotografieren muss man dann nicht mehr. Das wäre nach all dieser Reife vermutlich auch ein wenig zu anspruchsvoll.

  11. #7
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    Zitat Zitat von Hans Dampf Beitrag anzeigen
    Huch, nun wird es interessant. Die Reaktionen auf den kleinen Versuch, den Begriff der „Leicareife“ zu betrachten, haben eine beruhigende Botschaft: Niemand muss sich mit der These beschäftigen, solange man über Kameras spricht. […]
    Mit Verlaub, der ganze Kommentar ist ebenso durchsichtig wie wohlfeil, wie von einem kleinen Jungen, der ständig ein schlimmes Wort verwendet und dann mit dem Finger lachend auf alle Anwesenden zeigt, weil sie genau darüber reden. Du möchtest hier jetzt allen den Spiegel vorhalten und allen weismachen, eigentlich nur über Fotografie geschrieben zu haben. Und vielleicht eventuell ein bisschen, aber eher nur am Rande zum Beispiel über Leute mit, genau, einer Leica. Als Exempel sozusagen. Du hast in "noch ein Text" aber über nichts anderes als über Leica und die Typologie von Leuten gesprochen, die eine haben oder nutzen. Leica bzw. Leicareife taucht insgesamt 11 Mal im Text auf. Respekt. Zeiss, Canon, Nikon, Olympus, Minolta, Sony: immerhin exakt null Treffer, aber das ist verständlich, denn es geht Dir ja um Fotografie. Ich selbst habe keine Leica, auch nie besessen. Diese seit Jahrzehnten und wohl auch noch in Jahrzehnten immer wieder aufkommende Diskussion ist doch so derart öde und abgeschmackt, dass man sich das gerade in diesem Forum sparen sollte, in dem man sich genauso gern überraschen lässt von den Ergebnissen mit günstigen Handelswarenobjektiven oder unbekannten Exoten wie von Ergebnissen mit bekannten Klassikern. Diese irgendwo zwischem deutschen Sozialneid (der immer den Nächsten betrifft, aber nie Multikonzerne oder BigTech-Riesen, weil die sorgen ja für Arbeitsplätze) und einem diffusen Unverständnis, warum jemand freiwillig so viel Geld für Technik oder Hobby ausgibt (obwohl der selbstverständliche, jährliche Familienurlaub zum Skifahren oder in die Sonne mehr Kohle in drei Wochen verdampft) ist doch lachhaft. Hier gab's auch immer mal Zeiss-Evangelisten, Helios-Bubble-Jünger und Mittelformat-Apostel. Leica-Vertreter waren und sind hier eher die Minderheit, das können alle und auch Henry selbst bestätigen. Die Markenfetischistenr waren hier aber immer diejenigen, deren Lobhudleien entsprechend nüchtern bis sarkastisch aufs Korn genommen wurden. Und hast Du mal die Zeiss-Bubble beobachtet? Oder schau Dich mal in Fuji-Foren um, nicht gerade eine Marke, die seit Jahrzehnten für dekadente Selbstgefälligkeit stand? Selbst die üblichen Leica-Fanboygroups sind nicht schlimmer. Mir haben einige Deiner Thesen und Gedanken im ersten Text wirklich gefallen und der regte auch zum Nachdenken an. Ich finde es echt schade, dass Du diese Gedanken durch Deinen zweiten Text und dann endgültig durch Deinen letzten Kommentar selbst degradiert hast. Grüße Nils

  12. 3 Benutzer sagen "Danke", Kielerjung :


  13. #8
    Spitzenkommentierer Avatar von joeweng
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    Moin,so viele Worte wurden hier schon lange nicht mehr veröffentlicht. Die Gedanken und Meinungen sind spannend und unterhaltsam zu lesen.Wir sind gerade dabei, einen Urlaub in Wetzlar zu buchen und werden natürlich die Leica Welt besuchen. Ich finde das Produkt „Leica“ sehr interessant und freue mich ebenso auf die Fotografien, die damit erstellt wurden. Nach meiner jetzigen Einschätzung werde ich nie Nutzer einer Leica werden, solange ich nicht im Lotto gewinne.Hätte ich die finanziellen Möglichkeiten, würde ich nicht zögern, mir ein analoges Leica Set zuzulegen, mindestens aus Neugierde und Ehrfurcht.Änderte das etwas an mir als Mensch oder meiner Fähigkeit und Art, zu fotografieren? Hoffentlich nicht. Das hat mit dem Erwerb einer Hasselblad auch nicht funktioniert.Ein besserer Mensch werde ich erst, wenn ich eine Harley statt meiner Honda fahre.Habt einen schönen Sonntag und schönes Licht für spannende Fotos!LG Jörn
    Digital und Analog unterwegs...

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