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Thema: Nikon Nikkor-S 5cm f/1.1

  1. #1
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    Standard Nikon Nikkor-S 5cm f/1.1

    Hallo zusammen,


    ich freue mich, Euch etwas ganz besonderes vorstellen zu können, das Nikon 1,1/5cm. Es wurde 1956 vorgestellt und in 3 Anschlüssen angeboten: dem Contax Innenbajonett, dem Contax Aussenbajonett und mit dem M39 LTM Anschluß. Insgesamt wurden nur gut 2600 Exemplare produziert. In Anbetracht des Alters wäre es interessant zu wissen, wieviele Exemplare es heute noch gibt.

    Meines hat (leider) das Contax Innenbajonett. Leider deswegen, weil der Anschluß bereits beschädigt war und eine feste Adaption nich mehr zugelassen hat. Doch davon später mehr.

    Ein paar technische Daten: es beinhaltet 9 Linsen in 6 Gruppen, 3 Linsen bestehen aus hochbrechenden lanthanhaltigem Glas. Es nimmt 62mm Filter auf und besitzt nur in der Version mit dem Contax Innenbajonett keine eigene Entfernungseinstellung. Ich konnte mein Exemplar aus den USA importieren. Es wurde ein moderater Preis aufgerufen, weil es einige Macken hatte, die der Verkäufer aber ehrlich und transparent kommunziert hatte.

    Hier ist das Objektiv im aktuellen Zustand:


    Name:  A9_03651.jpg
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    Name:  A9_03657.jpg
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    Name:  A9_03661.jpg
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    Zu den Macken komme ich im Teil II...


    LG, Christian

  2. 7 Benutzer sagen "Danke", gladstone :


  3. #2
    Spitzenkommentierer
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    Standard

    Nikon Teil II


    Hallo zusammen,


    wer schwache Nerven hat, möge diesen Teil bitte überspringen...

    Es hatte drei mehr, oder weniger schlimme optische Beeinträchtigungen. Um nachzuvollziehen können, wo der Schaden gesessen hat, habe ich das Linsenschema etwas aufbereitet:


    Name:  nikon.jpg
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    Blau:

    Name:  A9_01908.jpg
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    Grün:

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    Rot:

    Name:  A9_01915.jpg
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    Blau und Grün waren Schäden in der Kittschicht, Rot waren Kratzer auf der nach Außen zeigenden Oberfläche. Ich hatte gepokert, dass Dr. Prenzel vom Optik-Labor das hinbekommt. Doch vorher mußte ich die betroffenen Elemente ausbauen. Das hintere Element konnte nach dem vorsichtigen Umbördeln eines sichernden Falzes (unter dem Mikroskop) entfernt werden. Für das weiter innen liegende Element mußte ich einen versenkten Sicherungsring mit einem feinstgeschliffenen Schraubendreher herausdrehen. Nichts für schwache Nerven...

    Fazit: Dr. Prenzel konnte beiden Linsengruppen retten. Er hat beide Gruppen getrennt, gereinigt, poliert, Kratzer rauspoliert, neu verkittet, zentriert und die Außenseite neu vergütet. Chapeau!


    So schaut das Nikon nunmehr von hinten aus:


    Name:  A9_03660.jpg
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    Und so die Durchsicht:


    Name:  A9_03662.jpg
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    Die Tücken der Adaption folgen in Teil III...


    LG, Christian

  4. 5 Benutzer sagen "Danke", gladstone :


  5. #3
    Spitzenkommentierer
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    Also wenn ich das, was da so mit dem 1,1/50mm gemacht werden mußte lese, dann kommt Bewunderungen mir auf und ich habe zur "Beruhigung" meiner doch etwas schwachen Nerven so eine halbe Flasche getrunken auf der stand Pinot.
    Man braucht da schon einen großen Willen eine Umbördelung einer Linsenhalterung zu öffnen, es könnte ja schiefgehen bei soviel Glas in allernächster Nähe . Meine Frage geht nun dahin wie, hat du das gemacht? und unter dem Mikroskop? Mit Hammer und einem feinem Meißel oder einer ,sage ich mal negativen "Bördelvorrichtung"? Sehr spannend!

    Beste Grüße Ulrich

  6. Folgender Benutzer sagt "Danke", CanRoda :


  7. #4
    Spitzenkommentierer Avatar von Anthracite
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    Danke für die Vorstellung. Ich freue mich schon darauf, damit aufgenommene Bilder zu sehen.

    Zitat Zitat von gladstone Beitrag anzeigen
    und in 3 Anschlüssen angeboten: dem Contax Innenbajonett, dem Contax Aussenbajonett und mit dem M39 LTM Anschluß.
    Contax-Bajonett? Lt. Wikipedia ist das Nikon S-Bajonett dem Contax-Bajonett nachempfunden. aber nicht austauschbar. Ich kenne mich aber mit diesen Sucherkameras nicht aus. Kann jemand was dazu sagen?

    Lesestoff zu diesem Objektiv gibt es noch bei Nikon.

  8. Folgender Benutzer sagt "Danke", Anthracite :


  9. #5
    Spitzenkommentierer
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    Zitat Zitat von Anthracite Beitrag anzeigen
    Danke für die Vorstellung. Ich freue mich schon darauf, damit aufgenommene Bilder zu sehen.



    Contax-Bajonett? Lt. Wikipedia ist das Nikon S-Bajonett dem Contax-Bajonett nachempfunden. aber nicht austauschbar. Ich kenne mich aber mit diesen Sucherkameras nicht aus. Kann jemand was dazu sagen?

    Lesestoff zu diesem Objektiv gibt es noch bei Nikon.
    Michael Wescott Loder schrieb mal dazu:
    "The depth from lens flange to focal plane is the same. Mounting any non-lens accessory such as a reflex housing or microflex will give no problems. However, focusing lenses accurately using the rangefinder can result in problems due to a difference in the pitch of the built-in helical. To add more detail: The Contax and Nikon S mounts appear to be the same. However, I have found from personal experience that sometimes a Zeiss lens will fit a Nikon Rf camera and sometimes it won't go on completely. This is due to the depth of the external mountings flanges. But I have also found that some early Nikon lenses don't like to go on later Nikon cameras either. If a Contax external mount lens does not want to turn onto a Nikon RF camera, a slight sanding of the back of the flange will allow it to rotate into place. This will NOT affect focus. Otherwise the mounts are the same. Another problem is that the infinity pin is at 2 o'clock on a Contax and at 11 o'clock on the Nikon. This produces mounting problems for some accessories such as the Contaprox and the Zeiss revolver. The focus problem is due to the built-in focusing of the internal bayonet mount. The Nikon mount is calibrated for a 51.6mm normal lens. The Contax mount is calibrated for a 52.2mm lens (if I recall correctly). As a result, the helical on a Contax rotates about 275 degrees to go from infinity to three feet. The shorter focal length of a Nikkor means it only turns 270 degrees for the same focus range. An external mount lens will be increasingly out of sync with the rangefinder due to this difference in the pitch of the two mounts. This is normally only a problem with telephoto lenses. All will be in focus at infinity but increasingly out of sync the closer one attempts to focus. which is why Nikon sold their telephoto lenses in a separate 'C' mount with RF coupler rings set for the Contax mount. It should not be a problem with wide-angle lenses since the helicals don't turn as far and depth-of-field covers the discrepancy. Hope this answer helps."

  10. 2 Benutzer sagen "Danke", barney :


  11. #6
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    Zitat Zitat von CanRoda Beitrag anzeigen
    Also wenn ich das, was da so mit dem 1,1/50mm gemacht werden mußte lese, dann kommt Bewunderungen mir auf und ich habe zur "Beruhigung" meiner doch etwas schwachen Nerven so eine halbe Flasche getrunken auf der stand Pinot.
    Man braucht da schon einen großen Willen eine Umbördelung einer Linsenhalterung zu öffnen, es könnte ja schiefgehen bei soviel Glas in allernächster Nähe . Meine Frage geht nun dahin wie, hat du das gemacht? und unter dem Mikroskop? Mit Hammer und einem feinem Meißel oder einer ,sage ich mal negativen "Bördelvorrichtung"? Sehr spannend!

    Beste Grüße Ulrich

    Hallo Ulrich,

    also ich habe die ganze Arbeit unter einem schwach vergrössernden Stereomikroskop - dem Wild (Heerbrugg) M5 - bei 6x Vergrösserung, guter Beleuchtung und ausreichendem Arbeitsabstand erledigt. Für das Lösen der Bördelung habe ich einen feinen (1mm) Uhrmacherschraubendreher, den ich nochmals scharf angeschliffen habe, verwendet. Es hat tatsächlich sehr gut funktioniert.

    Da die herauszuholende Linsengruppe am Rande eine Facette hat (über welche die Umbördelung ging) habe ich diese quasi als "Hebel" benutzt und konnte Millimeter für Millimeter die Umbördelung lösen, ohne die Linse zu zerkratzen.


    LG, Christian

  12. Folgender Benutzer sagt "Danke", gladstone :


  13. #7
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    Zitat Zitat von Anthracite Beitrag anzeigen
    Danke für die Vorstellung. Ich freue mich schon darauf, damit aufgenommene Bilder zu sehen.



    Contax-Bajonett? Lt. Wikipedia ist das Nikon S-Bajonett dem Contax-Bajonett nachempfunden. aber nicht austauschbar. Ich kenne mich aber mit diesen Sucherkameras nicht aus. Kann jemand was dazu sagen?

    Lesestoff zu diesem Objektiv gibt es noch bei Nikon.

    Hallo,

    ich habe das Bajonett ganz frech Contax-Bajonett genannt, ohne genau zu wissen, ob es da Unterschiede gibt. In die gängigen Adapter lassen sich zumindest die Objektive von Nikon und Zeiss (und auch die sowjetischen Derivate) einsetzen. Aber korrekterweise hätte ich natürlich vom Nikon-S Bajonett sprechen müssen...


    Edit: vielen Dank an Barney für die Erklärung :-)


    LG, Christian

  14. Folgender Benutzer sagt "Danke", gladstone :


  15. #8
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    Nikon Teil III


    Hallo zusammen,


    vielen Dank für die Rückmeldungen, diese zeigen mir, dass diese Optik Euer Interesse geweckt hat :-)

    Ich habe ja bereits durchblicken lassen, dass der Nikon-S Mount nicht mehr voll funktionsfähig ist. Dieser weist 3 U-förmige Ausfräsungen im blanken Aluminium aus, in welche die kameraseitigen Sicherungen eingreifen. Leider war nur noch eine Aussparung zur gänze vorhanden, so dass eine sichere Arretierung nicht mehr möglich war. Ich wollte somit nicht riskieren, dass das Objektiv verkippt, oder im schlimmsten Fall aus dem Adapter rausfällt.

    Daher habe ich mir zunächst eine Do-It-Yourself Lösung ausgedacht und einen ersten Adapter-Prototypen gefertigt.

    In eine M42 auf M42 Verlängerungshülse habe ich einen leicht bearbeiten M42 auf M39 Ring eingedreht. Diese Kombination paßt genau über den hinteren Außentubus des Nikon. Ein passender Abstandsring sorgt für den nötigen Abstand zum Objetivtubus. Nun habe ich in den Adapter 3 M3 Gewinde geschnitten und passende Madenschrauben eingedreht. Diese sorgen für den nötigen Halt des Adapters am Objektiv, ohne Adapter und Objketiv mit Klebstoff "verheiraten" zu müssen.

    Bisher hat sich diese Konstruktion als sehr stabil und vor allem als sehr gut zentriert erwiesen.


    U-förmige Aussparung (die einzige noch intakte):

    Name:  A9_03663.jpg
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    Adapter (mit Gewindebohrung für die 3mm Madenschraube):

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    Helicoid Adapter (irgendwas braucht man ja zum Scharfstellen...):

    Name:  A9_03665.jpg
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    Ein geschlachteter (und passend gekürzter) Entfernungseinstellring aus einer Objektivleiche. Hat nur kosmetische Gründe ;-) :

    Name:  A9_03667.jpg
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    Ich werde bei Gelegenheit einen optisch ansprechenderen Adapter fertigen, aber momentan tut es dieser mehr als...


    Teil IV folgt...


    LG, Christian

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  17. #9
    Spitzenkommentierer
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    Nikon Teil IV


    Hallo zusammen,


    ein paar Fotos kann ich Euch bereits zeigen. Nachdem es sich um eine knapp 70 Jahre alte, hochlichtstarke Optik handelt, habe ich diese des Nächtens ausprobiert. Die Erwartungen waren nicht allzuhoch, denn was kann eine so betagte Konstruktion ohne asphärische Linsen, ohne ED Gläser und gerechnet ohne Computer nach heutigen Maßstäben schon ausrichten? Mein eigentlicher Kaufgrund war, dass ich ein Stück Nikon-Geschichte haben wollte und auch dass der Preis zu verlockend war.

    Aber ich persönlich finde, dass es tatsächlich was kann, seht selbst:


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    f2,8:

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    f1,1:

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    f2,8:

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    f1,1:

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    Ein bisschen was für die FFF-Fans unter Euch:


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    Natürlich kann es in keinster Weise mit den modernen, lichtstarken Optiken mithalten, auch nicht mit den preiswertigen Produkten aus China, die teilweise für gut 100 Euro zu haben sind. Aber ich finde die Ergebnisse unter Berücksichtigung der Zeit der Optikrechnung schon bemerkenswert.

    Mal sehen, was Ihr dazu sagt.

    Ich werde zu gegebener Zeit noch weitere Fotos folgen lassen (sobald ich diese im Kasten habe)...


    LG, Christian

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  19. #10
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    In meinen Augen ist das nicht nur ein Stück Nikon Zeitgeschichte sondern auch ein sehr brauchbares Objektiv, welches bei f2,8 eine erstaunlich gute Schärfe zeigt.

    Interessant wäre noch zu sehen wie sich die Abbildung zwischen f1,1 und f2,8 verhält? Gibt es da zwischen irgendwo einen Sprung in der Abbildung oder verläuft die Zunahme der Schärfe wie ich erwarten würde gleichförmig?

    Beste Grüße Ulrich

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