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Thema: Die alte Kamera ist kaputt - wie geht es weiter?

Hybrid-Darstellung

  1. #1
    Hardcore-Poster Avatar von Optikus64
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    Moin,

    ich arbeite in einer Hochbaudienststelle im Bereich TGA Elektrotechnik. Alle Nase lang steht ein Architekt oder sonst ein Planer vor mir und fragt, was die und die Maßnahme kostet, wie lang sie dauert und welche Risiken sie birgt. Möglichst nach den nächsten 5 Haushaltsjahren gegliedert.

    Ich werfe dann immer einen bedeutungsschweren Blick in eine große Glaskugel auf meinen Schreibtisch auf deren Sockel "Kostenermittlung" steht, und werfe eine Zahl in den Raum. Der meistens kommt dann ein "ja, ja, ist gut, ich schick Dir mehr Unterlagen"...

    Wenn mir wer eine Problembeschreibung schickt oder ne kaputte Kamera, um das Beispiel aufzugreifen, muss ich erstmal ermitteln, was das Problem ist, was für ein Aufwand das ist und was man dazu noch alles brauchen könnte.

    Ein KV könnte als Angebot aufgefaßt werden, und wenn darauf jemand bestellt sitze ich, wenn ich die Grundlagenermittlung nicht ordentlich gemacht habe, auf dem Mehraufwand. Das macht gewerblich niemand, der länger überleben will. Das ist einfach der Grundsatz der kaufmännischen Vorsicht.

    Ich weiß, wenn man eine Sache enthusiastisch angeht, nervt das. Aber das ist eben der Unterschied zwischen einem engagierten Bastler, der das aus Liebe zur Sache macht und dem, der davon lebt.

    LG
    Jörg

  2. Folgender Benutzer sagt "Danke", Optikus64 :


  3. #2
    Spitzenkommentierer Avatar von waldbeutler
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    Ich arbeite an mittel-modernen und alten Objektiven und Kameras.
    Selbst ein ungefährer Kostenvoranschlag ist da ohne aufwändiges Zerlegen des Gerätes, um die Fehlerursachen zu erkennen, nur möglich, wenn es sich um einen bekannten Standardfehler handelt - und selbst bei denen kann man ganz üble Überraschungen erleben...
    Die meisten Servicebetriebe (auch ich) verlangen für einen Kostenvoranschlag zwischen 20 und 30 Euro, und der muss nur bezahlt werden, wenn das Gerät nicht repariert wird, ansonsten war er kostenlos - selbstverständlich sind dessen Betriebs-interne Kosten dann im Preis der laut Kostenvoranschlag ausgeführten Reparatur enthalten.
    Gruß, Michael

  4. 4 Benutzer sagen "Danke", waldbeutler :


  5. #3
    de Vörstand Avatar von hinnerker
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    Michael hat es schon korrekt gesagt.

    In der Regel handelt es sich bei den Profis um Werkstätten, die einen festen Stundenverrechnungssatz haben. In deren Kalkulation werden die Kosten, die durch Arbeit, Miete, Strom innerhalb einer Zeiteinheit (meist pro Stunde) auf eine Tätigkeit umgelegt. Dies gilt für die Begutachtung, Zerlegung und Wiederzusammenbau um sich ein Bild von den real entstehenden Erfordernissen (Ersatzteilbeschaffung, Improvisationslösungen, Teilegewinnung aus alten Kameras) und weiteren Faktoren gebildet. Da so ein Unternehmen eben keine "Non Profit" - Organisation ist, kommt dann später auch noch ein kleiner Gewinn dazu, wenn das Gerät tatsächlich repariert werden kann mit welchen Mitteln auch immer.

    Da niemand aus der Ferne sagen kann, wie hoch dieser Aufwand für Ersatzteilbeschaffung, Behebung von Folgefehlern sein wird, ist es nicht verwunderlich, dass ohne vorliegen der Kamera keine Einschätzungen abgegeben werden. Wie soll der Reparateur, der von einer Kamera nicht weiß, ob mit alten Gerät vorher Fußball gespielt wurde oder ob es sich um eine Kamera in TIP TOP Erhaltungszustand handelt, wo nur ein kleiner Justageaufwand zu betreiben ist, wie soll das aus der Ferne geklärt werden.

    Kleines Beispiel:

    Vor einigen Jahren bekam ich meine Canon EOS 1D Mark iV von einem Nachbarn geschenkt, die er aus dem Müllcontainer auf dem Betriebshof gefischt hatte. Da er wußte, dass ich Fotograf bin, brachte er sie mir mit und übergab sie mir als Geschenk .... "vielleicht bekommst Du sie für Dich wieder zum Laufen oder kannst irgendwas davon gebrauchen". Er hat von Kameras überhaupt keine Ahnung und mit Fotografie nix am Hut.

    Ich bedankte mich artig, nahm die Kamera mit und stellte erst zu Hause bei näherer Betrachtung fest, dass es sich um eine sehr hochwertige EOS 1D MK4 handelte, die er da funktionsunfähig aus dem Müll mitnahm.

    So wurde zunächst die Kamera mittels eines Netzteils "unter Strom" gesetzt". Display tat es noch und zeigte sofort irgend einen Error-Code. Auslösen unmöglich.

    Ich nahm, weil ich selbst keine Ahnung von den "Innereien" einer modernen DSLR habe, Kontakt zu Rainer Hönle aus dem DSLR Forum auf, der mir aus meiner Zeit vor dem Digicamclub noch in guter Erinnerung in Sachen Canon Kameras war.

    Ich schickte ihm die Kamera sofort zur Begutachtung ohne groß über Geld zu reden, denn es hätte alles mögliche Ursache für die Fehlfunktion sein können. Nach rund 3 Wochen kam ein Anruf, die Kamera würde wieder funktionieren. Es sei in Problem mit dem Verschluss gewesen, er hätte aber aus einer alten nicht wieder zu belebenden Kamera eines Vorgänger-Modells entsprechend notwendige Teile gewinnen können. Der Sensor war in Ordnung, alles andere ebenso. Nur auf die Sensorreinigungs - Funktion musste ich fortan verzichten. Sie funktionierte schlicht nicht und gab einen "ERR 06" zurück bis die Kamera am Hauptschalter ausgeschaltet wurde und alles wieder in den Normalmodus zurückfiel. Das heißt, nur durch den Tausch des Prozessors hätte das Problem behoben werden können, keine Sensorreinigung mehr zu haben und überdies hätte auch das Rückstellsignal zurückgemeldet werden müssen an den neuen Sensor/Prozessor falls ein neuer eingebaut werden sollte. Das aber würde finanziell der Overkill und kam vermutlich für den Vorbesitzer deshalb nicht in Frage.
    Die Kamera war bei Canon zum Service, wo man das GErät zu einem Wasserschaden erklärte, einfach weil ohnehin die Reparatur unwirtschaftlich gewesen wäre. Es kommt also immer auch darauf an, um welche Ansprüche es sich handet, die der Kunde einerseits und die Kamerawerkstatt andererseits hat. Die automatische Sensorreinigung beim Einschalten der Kamera hab ich im Menü dann deaktiviert und alles andere läuft klaglos. LiveView, Video etc laufen einwandfrei. Die Kamera ist TOP in Schuss und hatte nur ca. 115.000 Auslösungen bei einer Verschlussauslegung der Profikamera von 300.000 !

    Da mir bei der Kamera aber diese Funktion genau wie bei meiner alten EOS 5D MKII völlig egal war (hab meine Sensorreinigungen immer selbst durchgeführt und brauchte keinen Staubrüttler), hab ich mich über diese gerettete Kamera aus dem Müll sehr, sehr gefreut. Gekostet hat mich diese Altteile - Improvisation 180 Euro zzgl. des Hin- und Rückporto.

    Lange Rede kurzer Sinn. Da ein Reparateur niemals im Vorfeld - selbst bei einem vermeintlich bekannten Problem - sagen kann, was unter Umständen für Dinge oder Improvisationen noch möglich wären und ein Folgeaufwand entstehen kann, ist es nur allzu verständlich, dass sich da niemand zu einer Aussage hinreissen lassen wird, zumal dann der "Kunde" auch noch in vielen Fällen nach Garantie schreit, wenn dann doch noch nach Wochen irgend ein weiteres Problem auftaucht.

    Ein weiteres Beispiel:
    Ein Canon 2.8/300mm L aus der nFD Serie wollte ich einmal zum Canon Service geben, um eine im Inneren der Linsengruppe herumfliegende "Käfigmutter", die Teil einer Befestigung für eine bewegliche Linsengruppe im Inneren war, entfernen zu lassen und auf eventuelle SChäden und Instandsetzung prüfen zu lassen.

    Auf die Anfrage wurde mir mitgeteilt, dass man dies gern für mich machen könnte. Stundensatz 80 Euro, Ersatzteile gäbe es für dieses Objektiv nicht mehr, aber man würde es versuchen, mit anderen Mitteln bei einem Schaden instand zu setzen. Zudem würde es keinerlei Garantie geben. Voraussichtliche Dauer lag bei etwa 4 Arbeitsstunden. Das Ganze dann natürlich zzgl. Märchensteuer. Ich hab mich nach dem Anruf bei Canon dann getraut und es schmerzbefreit dann selbst gemacht.

    Diese beiden Beispiel zeigen letztlich, wie es im Professionellen Business abläuft. Und das sind schon Teile in den Beispielen, wo Reparaturen noch lohnenswert sind. Bezogen auf eine alte Kodak Retina oder eine Plastik Minolta oder Plastik Canon T90, ist es nun wirklich ziemlich sinnbefreit, zu Erwarten, dass jemand irgendeine Kostenschätzung abgibt ohne die Kamera begutachtet zu haben und niemand arbeitet kostenlos.
    Geändert von hinnerker (29.08.2023 um 08:49 Uhr)
    Canon EOS 5D MKIII, 5D MKI, Canon 1D MK IV, Sony A7, NEX7, A7 II.. und viele, viele feine Objektive aus dem Altglas-Container..

  6. 3 Benutzer sagen "Danke", hinnerker :


  7. #4
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    Um an Henry anzuschließen:

    Die in einem Betrieb anfallenden fixen Kosten müssen in der Kalkulation des Verkaufspreises berücksichtigt werden.

    Jede verkaufte Einheit (Ware, Dienstleistung) muss zur Abdeckung dieser Kosten beitragen.

    S. Kostenrechnung - Deckungsbeitrag:

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Deckungsbeitrag


    Dh man bezahlt als Kunde auch die Mietkosten für die Werkstatt und den täglichen Werkstattkaffee mit, falls dort kein Koffeinverbot besteht ;-)


    Das ist eben der Unterschied, ob man von seiner Arbeit leben können muss oder diese nur zu seiner eigenen Unterhaltung betreibt.

    Wer etwas kann, wird daraus Gewinn erzielen - das ist völlig nachvollziehbar. Aus dem Gewinn finanziert er seine eigene Fortbildung und die seiner Mitarbeiter. Ebenso neue - leistungsfähigere - Geräte und Werkzeuge. Dadurch werden er, seine Mitarbeiter und die angebotenen Leistungen besser. Es können Reparaturen gemacht werden, die am Küchentisch nicht umzusetzen sind.

    Aber es ist alles eben an die Kostendeckung und den erzielten Gewinn gebunden.

    Kosten müssen hereingebracht und Gewinn gemacht werden. Sonst sinkt das Schiff.


    Der Private, der zu seiner Unterhaltung tätig ist, ist frei in seinem Tun.

    Bei ihm ist es egal, ob er die Nacht mit der Vollendung einer Lötstelle verbringt und dafür Lot und Strom verbraucht, mit deren Menge - und der aufgebrachten Zeit - der Betrieb haushalten muss, da er sonst seine Preise anzupassen hat, was ihm ggf. Kunden kostet.

    Der Private finanziert sich sein Vergnügen selbst und findet hier seine Grenzen. Außer, er schöpft aus nie versiegender Quelle, die aber nur selten sprudelt.

    Dafür kann er sich Projekten widmen, die der Professionelle niemals annehmen würde, weil er es nicht darf, möchte er nicht seinen Betrieb gefährden.


    Fazit

    Tu es selbst und/oder lass es tun - je nach Problemlage.

    Wenn es dir die Sache wert ist.
    Gruß,

    Andreas

  8. 2 Benutzer sagen "Danke", Ando :


  9. #5
    de Vörstand Avatar von hinnerker
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    Und hier noch der alte, ausführliche Bericht zur oben erwähnten Canon EOS 1D MK IV .... der von mhiller auf einem gesamtdeutschen Usertreffen in Marburg später so genannten "Müllkamera"

    https://www.digicamclub.de/showthrea...ht=EOS+1D+MKIV

    Zeigt sehr schön, wie unberechenbar "Grobeinschätzungen" von "Kundendiensten" sein können, die am Telefon dem Kunden gegenüber irgendetwas über Preise sagen sollen, wenn das Gerät nicht selbst begutachtet werden kann.

    Gut, natürlich gibt es auch Fixpreise z.B. für den Austausch von Verschlüssen. Das wird dann durchgeführt zum genannten Preis, aber wenn die Kamera danach dann den Fehler anderenorts hat, ist zwar ein neuer Verschluss verbaut, die Kamera läuft aber trotzdem nicht. Und dann?

    Für klar definierte Aufgaben gibt es feste Preise. Aber ob dass hilft?
    Canon EOS 5D MKIII, 5D MKI, Canon 1D MK IV, Sony A7, NEX7, A7 II.. und viele, viele feine Objektive aus dem Altglas-Container..

  10. 3 Benutzer sagen "Danke", hinnerker :


  11. #6
    Spitzenkommentierer
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    Zitat Zitat von Anthracite Beitrag anzeigen
    Ich bewundere Ando immer wieder für seine Beharrlichkeit und seine Erfolge. Aber ein finanzieller oder gesellschaftlicher Nutzen entsteht dadurch nicht.
    Danke, aber ich denke, man braucht schon ein bisschen Schieflage, um seinen Tag freiwillig mit kaputtem Fotogerät zu verbringen, noch dazu ohne Auftrag und Entlohnung ;-)

    Und ich mach eindeutig mehr, als mir gut tut. Dann stoppt mich das eigene System mit Krankheit, weil Dauernachdenken über technische Probleme und Marathon-Sitzungen nicht gesund sind. So, wie jetzt gerade.

    Andererseits kommt man nur weiter, wenn man dranbleibt und eben nicht aufgibt.

    Wie auch bei anderen Aktivitäten immer ein Grenzgang.
    Gruß,

    Andreas

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