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Thema: Nikon MD-12: Das erste Geheimnis gelüftet

Hybrid-Darstellung

  1. #1
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    Zitat Zitat von Ando Beitrag anzeigen
    Wie werden eigentlich komplexe Schaltungen in IC entworfen?

    Gibt es dafür Programme, die die Zusammenschaltung der Transistoren selbstständig erledigen? Also man gibt das Ziel vor und die Software macht?

    Ich glaube ja nicht, dass da noch jemand im weißen Mantel am Zeichenbrett steht ;-)
    Zeichenbrett ist schon etwas länger out. Du hast ein paar Ebenen. Reden wir mal über "digital" (MOS und nicht über "bipolar"), vereinfachte Darstellung:

    Auf der untersten "Technologie-Ebene" hast Du Leiterbahnen, Isolation und Transistoren, die haben eine Geometrie. Daraus werden später Masken generiert, die mit einem "Stepper" ausbelichtet wurden (aktuell bin ich unsicher, ob noch dingliche Masken verwendet werden oder nur noch direkt belichtet wird und die "Masken" nur virtuell vorliegen) und die dann Schicht für Schicht fotolithografisch auf das Substrat aufgebracht wurden und dann wird bedampft (Aluminiumleiterbahnen), oxidiert (Siliziumoxid als Isolator) oder P- oder N-dotiert.

    So richtig früher hat man die Masken mit Folien gemacht und die dann fotografisch verkleinert. Mitunter wurde dann "ein roter Streifen drübergeklebt", das hat sich dann auch im CAD Prozeß (früher an der "Graphik-Workstation", schon in Jeans und Pullover bedienbar, ohne Kittel) als Begriff gehalten. Im Kampf um immer kleinere Strukturen dann immer kürzere Wellenlängen für die Fotolithografie (es geht schon etwas länger nicht mehr mit sichtbarem Licht).

    Aus den Transistoren baut man erstmal NAND und NOR Gatter und aus denen kann man "alles" an Logik zusammenbauen (evtl. kann man auch mal "kürzen"). Klar, für RAMs und AD- und DA-Wandler kommen Schmakatien zum tragen und ROM also der "Inhalt" des ROMs ist rein "Aluminium" (das drumherum und die Adressansteuerung natürlich Gatter).

    Aus den Standardgattern /-Bausteinen baut man je nachdem was man gerade braucht: Speicher, eine ALU oder sonstwas. Natürlich braucht man auch immer mal Spezialitäten, aber man baut sich eben auch "Bibliotheken" mit Standards, die man wie Legosteine immer wieder verwendet ("Copy&Paste") und nicht jedesmal neu erfindet. Evtl. baut man auch das gleich Gatter in unterschiedlichen Topographien, um später Platz zu sparen.

    Wenn man loslegt, entwirft man eine elektrische Schaltung, die kann man auch im Computer simulieren, und den Entwurf setzt man dann aus seinen Legosteinen äh "Modulen" zusammen und verbindet sie. Dann läßt man eine Software aus der Geometrie wieder die Schaltung extrahieren um zu sehen, ob man auch das gemacht hat, was man geplant hat.

    Und dann geht es eben arbeitsteilig. Man hat eine "Idee" oder Vorgabe, was man überhaupt bauen soll, eine CPU, einen Mikrocontroller, einen Signalprozessor, eine Gleitkommaarithmetik, ... und dann wird überlegt, wie man das schlauerweise anstellt und in ein möglichst schon vorhandenes Gehäuse mit bereits bekanntem Pinning unterbringt. Klar, der erste 64-Bit-Prozessor kriegt ein neues Gehäuse. Die Nächste Generation Speicher mit größerem Adressraum auch (neues Gehäuse = neue Schmerzen). Man überlegt sich, wie man die Vorgabe realisiert, also welche Komponenten man benötigt und wie man die zweckmäßigerweise anordnet. Klassischerweise gibt es dann Spezialisten fürs Design und dann ein paar mehr Leute um das in den Rechner zu bringen.

    Sicher wird da immer mehr von Software gemacht (wie auch beim Platinenlayout), aber man weiß ja auch, was bei Software-Generatoren rauskommt, das ist oft etwas "weitschweifig" und man kann es manchmal noch optimieren.

    Um dann etwas "zu erfinden", also statt "lauter Kram fest verdrahtet" eine Mikroprogrammierung zu machen, oder statt "klassischem Mikroprogramm" dann einen RISC Rechner zu bauen (und den Rest der Welt von der Genialität der Idee zu überreden oder gar zu überzeugen) braucht man bislang wohl noch "Keativität" und Menschen.

  2. 2 Benutzer sagen "Danke", Jan Böttcher :


  3. #2
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    Jan, es gibt so wenige Bücher zur Kameratechnik plus Peripherie bzw. zum Thema Reparatur.

    Ich finde, dein Wissen sollte in Buchform gebracht werden

    Wär das ein Projekt?

    • grundlegende Technik
    • Entwickung der elektronischen Steuerungen
    • Mechanik im Zusammenspiel mit Elektronik
    • am Beispiel der Canon AE-1 (Debut der Computersteuerung)
    • praktische Reparaturbeispiele


    Oder, noch besser, hier im DCC als mehrteilige Extraserie?

    Ich wäre sofort dabei als helfender Textarbeiter!
    Gruß,

    Andreas

  4. #3
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    Die Quellen sind weitgehend öffentlich zugänglich vorhanden und im Vergleich zu Leuten mit richtig Ahnung bin ich nur einer der Einäugigen.

    Der Rest der Welt muß nur die Bücher (und Webseiten) lesen, die ich gelesen habe (ja, teilweise auf Englisch).
    OK, und ein paar Jahre sehenden Auges durchs Leben gehen und fleißig die richtigen Youtube-Videos glotzen.

    Im Vergleich zu früher, als man zu Boysen & Maasch gehen mußte und sich erstmal die richtigen Bücher suchen (erkennen und dann auch noch für viel Geld kaufen!) mußte und daraus dann die wenigen wichtigen Sachen extrahieren konnte, lebt die heutige Jugend im Schlaraffenland.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Halbleitertechnik
    https://de.wikipedia.org/wiki/Transistor
    https://de.wikipedia.org/wiki/Chipentwurf
    https://de.wikipedia.org/wiki/Fotoli...leitertechnik)

    Alles viel genauer als ich es im Kopf habe (ich habe z.B. "aufschmelzen" vergessen, man kann auf dem bearbeiteten Silizium wieder neu Silizium aufschmelzen, aber Alu (Leiter), P, N und Oxid (Isolation) sind die Grundelemente). Wenn man in Chemie (noch im anorganischen Teil, vor der Oberstufe) aufgepaßt hat, findet man P und N im Periodensystem und auch Si und kann ein paar Schlüsse ziehen, aber das geht alles viel zu tief wenn man nur mal eine Kamera reparieren und "halbwegs" verstehen will.

    Leider kippt Wikipedia insgesamt etwas ins Unübersichtliche weil die Leute all möglichen Sch..... zu einem Thema reinschreiben und den Kern der Sache aus den Augen verlieren. Man gucke sich nur mal den Artikel zu "Kaffee" an: https://de.wikipedia.org/wiki/Kaffee#Libido wer will soetwas wissen und unter dem Titel "Kaffee" lesen? Bei Ingwer hat man damals noch aufgepaßt und den Verweis auf Figging wieder gelöscht, aber Ingwer im Figging-Artikel (berechtigterweise!) stehen lassen.

    Hehehe, damals "lesenswert": https://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=10960232
    der Artikel heute, ist der noch lesenswert? https://de.wikipedia.org/wiki/Kaffee


    Auch in Sachen Optik, die Linsengleichung (die man einst in Physik im Grundkurs hatte!) kann man nachlesen ohne sich ein Buch kaufen zu müssen.

    Mit etwas Geometrie (etwa bis 11. Klasse, mit Pech auch erst in der "Oberstufe") kann man dann den Auszug berechnen und mit zwei Gewinden (grobes Trapezgewinde und Feingewinde für den Schneckengang) kann man dann die Gravur auf der Entfernungsskala selbst ausrechnen (OK, dafür, welche Werte man auch graviert, gibt es eine DIN mit zwei Reihen und DINs sind häufig kostenpflichtig, aber man kann auch existierende Objektive angucken, es erscheinen immer wieder die gleichen Zahlen, da hat mal jemand drüber nachgedacht) - nur selbst bei einem Braunschweiger Kamerahersteller dessen Namen ich hier nicht nennen möchte war es durchaus üblich, daß man sich von einem externen Spezialisten eine Tabelle mit Auszug und Entfernung für eine bestimmte Brennweite "machen" ließ, statt selbst mal kurz eine Excel-Tabelle zu schnitzen und die dann immer passend für die jeweilige Brennweite zu füttern.


    Über das, was ich (noch) nicht weiß sollte man Bücher schreiben.

  5. Folgender Benutzer sagt "Danke", Jan Böttcher :


  6. #4
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    Erfahrung, Übersicht über Themen, Selektion von nützlicher Information versus Trash - das könnte, neben Fachinhalten, an Interessierte weitergegeben werden.

    Speziell zur Elektronik in Kameras habe ich, bis auf Fachaufsätze (Learn Camera Repair: Camera Craftsman Magazine, SPT Journal) nichts im Web bzw. in Bücherverzeichnissen gefunden - die paar einschlägigen Reparaturfachbücher ausgenommen, aber auch dort steht die Mechanik im Vordergrund. Dafür jede Menge Anwendertipps, Systeminformation, eingebaute PR der Hersteller, die sich - als Exkurs - selten auf das Innenleben der Kameras und ihres Zugehörs beziehen.

    Die Kamera bleibt somit eine Blackbox. Was der Mehrheit der Anwender sicher entgegenkommt, die würde man mit Schaltungsdiskussionen wohl nur vergraulen (im besten Fall

    Mein Angebot der tätigen Beihilfe gilt zeitlich jedenfalls unbeschränkt
    Gruß,

    Andreas

  7. #5
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    Lichtblicke sind selten:

    Camera Technology: The Dark Side of the Lens : Goldberg, Norman: Amazon.de: Bücher


    Das erfreuliche an US-Fachliteratur ist, dass meist auf Verständlichkeit Wert gelegt wird.

    Dh man kann auch mit moderaten Englischkenntnissen lesen, wobei die Umständlichkeiten der deutschen Sprache ausgeblendet sind.
    Gruß,

    Andreas

  8. Folgender Benutzer sagt "Danke", Ando :


  9. #6
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    Zitat Zitat von Ando Beitrag anzeigen
    Erfahrung, Übersicht über Themen, Selektion von nützlicher Information versus Trash - das könnte, neben Fachinhalten, an Interessierte weitergegeben werden. ...
    Es ist sicher schöner aus den Fehlern Dritter zu lernen als aus den eigenen (zumindest ist es meistens deutlich kostengünstiger), aber "Erfahrung" kriegt man nur durch Erfahrung (eigene Praxis).

    Mein Tip an den Anfänger wäre: "Oberflächlicher sein!"

    Nichts motiviert mehr als der Erfolg, und wenn man einfach mal ein paar einfache Gegner erledigt hat, reift man für die schwereren Brocken heran.

    Klein anfangen, mit (relativ) simpler Mechanik (Schrauben, Nieten, Zahnräder, Federn, Hebel, Öl und Fett) und dann weitermachen mit Elektrik (Schalter, Motoren, Elektromagnete, Kondensatoren, verschmadderte Kontake (geöffnete Punktnietung nach ausgelaufener Quecksilberbatterie), einfach erstmal löten, vielleicht mal ein CdS-Widerstand und ein paar Potis) und eines Tages dann Elektronik (Transistoren, Halbleiter aller Art, "übliche Verdächtige (verschmorte Bauelemente, ausgelaufene Elkos)" erkennen lernen) und nebenher immer schönm aufpassen.

    Letztendes wäre gut, mit 4 Jahren mit der ersten Märklin H0 (analog!) angefangen zu haben, in der Schule aufgepaßt zu haben (Mathe, Physik, Chemie und Englisch, Deutsch lernt man ja von Oma), und mit 16-19 mal unter professioneller Anleitung 5mm U-Stahl runtergefeilt zu haben (gefolgt von Bohren, Gewindeschneiden, Drehen, Nieten, Löten, Hartlöten, Schweißen, Kunststoffbearbeitung, Elektrogrundlagen).

    Aktuell wäre noch der Tip, googeln zu perfektionieren. Also nicht eingeben "Lieber Computer, wie repariere ich den Beli einer Rollei 35?" sondern eher "rollei 35 meter repair" und dann die Bilder angucken und davon die aussichtsreichsten dann mal weiterverfolgen. Bei anderen Modellen vielleicht "[kameramodell] repair manual .pdf" und dann mal gucken. Die Rollei-Unterlagen sind eher so Gedächtnisstürzen und Ersatzteillisten für Leute, die eigentlich schon eine Ausbildung hinter sich haben und schon alles wissen.

    In diesem konkreten Fall ergibt die Suche übrigens für meinen Geschmack kein tolles Ergebnis. In etlichen Fällen ist der Standardfehler eben eine unterbrochene elektrische Verbindung zwischen den Batteriekontakten und dem, was dann kommt (Korrosion durch ausgelaufene Quecki) - das lernt man nach der soundsovielten Rollei 35 mit totem Beli auf dem Tisch. Danach käme dann der erfolglose Versuch das zu löten, dann die Suche nach einem Ersatzteil, einem Ersatzteilspender oder nach einer Methode, das störrische Matieral doch noch zu löten, oder jemanden zu finden, der so kleinen Kram (nachdem man alles gesäubert hat) punktschweißen kann.

    Das könnte man im Einzelfall erklären, aber das dahinterliegende Vorgehen und das Basiswissen dafür, das braucht seine Zeit und keine Liste, Tabelle oder Buch. Man muß auch die unterschiedlichen Lerntypen ansprechen: Audio-Kanal, Visualisierung, Praktikum und es geht am Ende ja eher um "Problemlösungskompetenz" als um Kochrezepte.

  10. 2 Benutzer sagen "Danke", Jan Böttcher :


  11. #7
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    Jan, du schreibst ja - mein ich so - stehts druckreif, da braucht es kein Redigieren

    Ich geb meine Idee der Verschriftlichung nicht auf, halte mich aber jetzt zurück und schaue, dass ich selbst im Thema weiterkomme

    Wer weiß, vielleicht schreibe ich eines Tages meinen eigenen Ratgeber:

    How to fix everything on the Minolta Maxxum 9000 in 10 easy steps
    Gruß,

    Andreas

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