Und weiter geht es mit der Magazin - Reparatur...
Das Thema war erstmal so umfangreich, dass die erste kleine Reparatur einer ehemals abgebrochenen Rückspulkurbel eher als eine "Aufwärmrunde" für die nachfolgende Reparatur zu sehen war.
abgebrochene-Kurbel.jpg
In der "Grabelkiste mit Schrauben" aller Arten, noch schnell eine ca. 1cm lange 1,6mm Schraube gefunden und aus einem Stück PVC Schlauch m. Innendurchmesser 2mm, Aussen- 4mm ein entsprechend langes Stück abgeschnitten.
Die Originalkurbel war so blöd abgebrochen, dass vorab die Feile ranmusste, um eine relativ plane Oberfläche für dieses Neukonstrukt zu schaffen. Es wurde dann ein 1.4mm Kernloch gebohrt und die 1,6mm Schraube direkt mit eine wenig Kraft in dieses Kernloch eingedreht. Hält "bombig" und hat durch seine 1,6mm in dem 2mm Innendurchmesser des Schlauchsstücks noch genug Platz um sich um die Schraube zu drehen bei der Betätigung der Magazinkurbel.
Ist wirklich easy...
Aber kommen wir nun zu den etwas härteren Sachen...
Da es über die vielen Generationen von Hasselblad-Kameras und Magazinen diverse Ausführungsformen gibt (mit "Guckloch", ohne "Guckloch" dafür dann schon mit automatischer Sperre bei erreichen Nummer 1 des zu belichtenden Films... sei hier zunächst bildlich vorangestellt um welche Ausführungsform es sich im nachfolgenden Bericht handelt...
neueres-Modell-des-Magazins.jpg
Es ist also schon eine neuere VErsion ohne Guckloch mit automatischer Sperre, wenn der Film die Position für die erste Aufnahme erreicht hat. Auch muss bei diesen Magazinen nicht mehr die Gegenbewegung der Kurbel für die Aktivierung des Zählwerks getätigt werden.
Schauen wir uns mal die Details des Magazins an...
magazin-mit-Detailnamen.jpg
und gehen mal in das wichtigste Detail bei dieser Reparatur... das Vorschubzahnrad.
detailansicht-Vorschubrad.jpg
Dieses letzte Bild zeigt den Problemkandidaten dieses Magazins, das Vorschubzahnrad... so wie auf dem Bild gezeigt, sollte das Zahnrad - egal bei welchem Magazin - wenn man es von der Kamera nimmt, immer stehen!
Man erkennt in der Detailansicht dass das Zahnrad eine "gewollte" Lücke aufweist, also nicht durchgängig in gleichem Abstand stehende Zähne hat.
In diese besagte Lücke greift das am Hasselblad-Gehäuse sitzende Gegenstück und stellt so die Vorschub-Kopplung her, mit der der Film vorgespult und die Mechanik nach einer Auslösung neu gespannt wird.
Bei diesem mir in einem Tausch überlassene Magazin aber stand diese Zahnrad-Lücke immer willkürlich in irgendeiner Position und bewegte sich sogar beim manuellen Spulen mit der Kurbel mit und blieb in beliebigen Positionen nach dem Aufziehen stehen.
Schön, dass ich mehrere intakte Exemplare zum Vergleich hatte. So fiel das als erstes auf.
Setzte man dieses Magazin an die Hasselblad, so rastete dort zwar irgendwas irgendwie ein, aber mit einem "Riesengetöse/Rattern" und dem Abheben des Magazins von der Kamera (es ergab sich in manchen Auslösungen ein Zwischenraum von mehr als 1mm, den das Magazin vom Kameragehäuse weggedrückt wurde.
Daraus folgt, dass die Zahnräder sich nicht sauber verbanden oder von Zeit zu Zeit voneinander trennten und aufeinander rieben.
Eigentlich wollte ich gar nicht so weit in die Magazinreparatur einsteigen... denn zu der Zeit war es noch ein "Kunden-Magazin" also Eigentum eines Forenkollegen. Nach einer Rückmeldung an den Kollegen, kamen wir aber überein, das Magazin könnte als Kompensation für etwas anderes eingetauscht werden und ich so meinem "Forschergeist" neue Nahrung bieten.
Geht alles gut, hätte ich ein zweites Magazin für meine Hasselblad, geht es schief, so bleibt der Erfahrungsgewinn und der Wurf in die Tonne.
Aber weiter im Text...
Es musste also irgendwas geben, was dieses Kopplungszahnrad zwangsweise in Position hält, damit der Motor immer eine "saubere Anfangslage" vorfindet.
So etwas wie eine Rückhalte -Feder o.ä.
Darum schauen wir zunächst einmal in die Innereien so eines Magazins und wie wir überhaupt da rein kommen.
1. Entfernen der Belederung durch Einstechen mit einer Klinge, einem feinen Schraubendreher etc... die Belederung ist geklebt und der Kleber halbelastisch.
Belederung-einstechen-und-abhebeln.jpg
Darunter befinden sich 3 Schrauben, die entfernt werden müssen... keine Angst, es fliegen einem keine Federn oder Kugeln entgegen... alles easy.
3-schrauben-markiert.jpg
Sollten sich die Deckelplatte nicht einfach vom Magazin abnehmen lassen, bitte mit einem Schraubendreher vorsichtig hebeln..
leicht-hebeln.jpg
Bevor wir die Platte nun beiseite legen, noch ein wichtiges Detail von der Rückseite dieser Platte...
Aufzugskurbel-rueckseitig.jpg
Was wir hier sehen, ist die Rückseite der Aufzugskurbel am Magazin. Sollte es mal notwendig sein sie zu wechseln (wie ich es später vielleicht auch nochmal mache mit meiner defekten), so kann das Ding mit den 2 im Bild sichtbaren Schrauben ausgebaut und gegen eine "frische" ersetzt werden.
In diesem Detailbild ist ein weiterer, wichtiger Punkt zu sehen...
Ein in das Rad eingelassener, länglicher Federstahl an dessen Ende ein kleiner Hebel anschlägt.
Dieser muss - wie im Bild gezeigt - gegen den Federstahl stehen, damit der abgenommene Deckel wieder greift und sauber auf das Zahnrad einrastet, welches den Stopp bei Bild-Stellung 1 bewirkt.
Bitte bei Wiedereinbau der Platte beachten...
Weiter geht es mit dem Dach der Zahnradmechanik...
zahnraddach.jpg
Die zwei Schrauben sind einfach zu lösen und dann fängt es an, schwieriger zu werden:
bandfederzahnradkaefig.jpg
In diesem Bild habe ich die Zahnräder für den Vorschub, sowie ein weiteres darüber angeordnetes bereits entfernt... und lenke nun erst einmal hin, auf die Ursache des Magazinversagens..
Hier geht es um das Rückhalte - Zahnrad für die Motorkopplung...
Kurz erklärt:
In dem Bild spreche ich von einer "Band-Feder" (oft auch "Spiralfeder" genannt )... denn dieses Zahnrad ist nicht einfach ein Zahnrad, sondern ein "Zahnradkäfig", in dessen Innenraum eine Stahlfeder aus dünnem Blech vorgespannt werden muss...
Spiralfedern_GebrSchmidt_Lasttrennschalter_01.jpg
hier mal eine Detailaufnahme von der einfach durch einen Spalt des Käfigs nach Aussen gesicherten Feder. Das "kupferfarbene" im Bild kurz unterhalb der Edding Markierung ist die neu herausgeführte und einfach nur umgebördelte Stahlfeder.
Rueckhaltezahnradfeder.jpg
Das war also schon der Übeltäter, denn beim Ausbau war schnell klar geworden, das durch die abgebrochene Federblechdurchführung das Zahnrad nicht mehr in der Lage war, den Gegendruck/Gegenspannung gegen die Vorspulbewegung der anderen Zahnräder zu erzeugen und drehte sich mit, statt in der Anfangsposition zu bleiben wie ich es Eingangs beschrieb.
Beim Ausbau der Rückhaltefeder muss mit einem Schraubendreher unterhalb der gesamte Käfig in einem Stück entnommen werden (die "Grundplatte" von unten leicht nach oben hebeln), nicht nur das obere Zahnrad, denn sonst springt das gesamte Federband aus dem Käfig und man muss, wie bei mir geschehen, das gesamte Band wieder um die innere Achse eindrehen... fast 40cm Federstahl... also vorsicht !!!
Also kein Wunder, dass die Zahnräder durch die fehlende Gegenspannung und dadurch mitdrehendem Zahnrad der Motorkopplung ständig unkoordiniert aufeinander rasselten... auch wenn sie dann manchmal zufällig griffen und den Film transportierten...
Glaubt mir, es ist ein häßliches Geräusch, wenn die Kamera das Magazin "abstößt" durch die Zahnräder.. und absolut ungesund für alle Zahnräder...
Das diese Rückhalte-Federn gern mal alterungsbedingt brechen oder sich in den Innenraum des Käfigs einziehen weil der Federstahl hinter der Durchführung außen bricht und dadurch die Gegenspannung auf das Vorschubzahnrad fehlt, dürfte klar sein. Das diese Feder korrekt sitzt und die Rückhaltekraft aufbringt, ist absolut essentiell bei den Magazinen, wenn nicht weiterre schwere Fehler und Schäden im Magazin angerichtet werden sollen.
Wenn das Zahnrad mit der Band- oder Spiralfeder wieder korrekt arbeitet und auf seiner Achse eingesetzt ist, muss es zunächst in der Ruheposition (also mit der entspannten Feder) eine Markierung bei 12 Uhr erhalten und die dann um 1,5 Umdrehungen im Uhrzeigersinn vorgespannt und gehalten werden, bis die umliegenden Zahnräder wieder eingebaut sind. Um diesen Druck mit der Feder aufbauen zu können, ist es ferner notwendig, die untere Scheibe des Zahnrad-Käfigs korrekt einzusetzen. Dafür besitzt diese untere Scheibe einen kleinen PIN an der Unterseite, der in ein dafür im Magazin vorgesehenes Loch einrasten muss. Erst dann ist der untere Teil des Käfigs bündig abschließend mit dem Boden.... sonst steht das Ding wegen des PINs zu hoch und die Deckelplatte sitzt später nicht korrekt.
Kommen wir zu den umliegenden Zahnrädern...
Es müssen, um an dieses Zahnrad mit dem innen liegenden Federstahl heran zu kommen, zuächst eine Reihe von Zahnrädern entfernt werden.
Dies geht einfach, man zieht sie heraus...
Etwas komplizierter wird es beim Vorschubzahnrad für die Verbindung mit dem Motor, wie eingangs gezeigt.
Dort sind auf einer herausziehbaren Achse gleich zwei Zahnräder übereinander angeordet... das obere Zahnrad kann einfach entnommen werden, aber das darunterliegende und mit dem Federkäfig - Zahnrad verbundene bekommt man nur raus, wenn die Steckachse auf der beide übereinanderliegende Zahnräder laufen, herausgezogen wird.
Beim späteren Wiederzusammenbau ist es wichtig, darauf zu achten, das diese Achse oben und unten unterschiedlich dicke und hohe "verjüngungen" besitzt. Die lange Seite greift nach unten in die Zahnräder hindurch und die kürzere nach oben in ein Loch im Dach der schwarzen Dachplatte.
Wer aber selbst einmal an so einem Magazin schraubt, wird das schnell selbst erkennen, welche Schritte da ausgeführt werden müssen und kann an der Position auch schnell mal checken, wie herum der Achs-Stift sitzen muss in dem er in dem schwarzen Dach checkt wie herum die Achse dort rein passt.
Wichtig ist nur, die 1,5 Umdrehungen im Uhrzeigersinn am Federkäfig für den Rückhalt vorzuspannen, dann die Zahnräder wieder dort reinzubekommen wo sie steckten und dabei die Orientierungsmarken der Zahnradkopplung mit dem Motor im Auge zu behalten... also das Zahnrad dafür wieder so mit der Aussparung aus dem ersten Bild gezeigt, einzustecken...
So hab ich es dann auch wieder zusammengebaut... und mich schon gefreut...
Aber "Pustekuchen"... zwar blieb das Vorschubrad nun an seiner Stelle, aber das Magazin hob immer noch ab!
Dieses Magazin muss trotz dieses Fehlers noch eine ganze Zeit weiter benutzt worden sein, wie wir gleich sehen werden... sicher zum Ärger seines Besitzers.
Es kann durchaus sein, dass trotz des definitiven Fehlers, ein angesetztes Magazin sauber mit dem Motor verbunden hat und der Fehler nur sporadisch aufgetreten ist.
Das es schon länger so sein musste, ergab sich aus diesem Bild, nachdem ich das Magazin ein zweites Mal komplett auseinander hatte...
plastikhebel.jpg
Tja, was soll ich sagen... das einzige Stück Plastik in dem gesamten Innenraum... und die Zahnräder hatten diesen Hebel komplett ruiniert, denn eigentlich sollte
er doch so aussehen...
habla-magazin.jpg
Und damit stellte sich alsgleich die Frage, ob man so ein Teil heut noch als Ersatzteil irgendwo beziehen kann... ? Ich werde die Hasselblad Niederlassung in Ahrensburg (ist auch hier im Norden) mal die Tage interviewen.
Da ich mich aber so schnell nicht entmutigen lasse, "hirnte" ich nach einer sofortigen Lösung für das Problem mit Nutzung des noch bestehenden Material-Rest-Hebels...
Das Plastik war an seiner Steigung regelrecht weggeschmolzen/weggefäst worden von den durchdrehenden Zahnrädern... welche Funktion es auch immer gehabt haben mag, es musste wieder in etwa so aussehen wie das Original des anderen Magazins.
Der Anfangs- und Endpunkt des Plastiks waren ja noch intakt... erste Überlegung war "Füllplastik" aus einem weiteren Plastikteil mit dem Hebel zusammenschmelzen und dann nachzubearbeiten.
Aber schnell wieder verworfen... das musst haltbarer gehen und vor allem dauerhaft halten. Also kommt für mich eigentlich nur Metall in Frage
Dann kam die zündende Idee... ich hatte doch noch 0,3mm dicke Kupferfolie irgendwo in der Werkstatt liegen... die ist "auf der Strecke" stabil genug und wird sicherlich nicht so einfach von den Zahnrädern weggefräst..
Also nahm ich diese Folie, feilte ein wenig an dem Plastik herum und unterfütterte die aus der "Geraden" weggefrästen Teile des Plastiks um dann mit der Kupferfolie dem gesamten Plastikhebel im oberen Bereich seine Steigung in der Geraden zurück zu geben... schlicht durch eine um den Hebel herum in "U-Form" gepresste Kupferfolie, die anschließend gegen das Plastik verklebt wurde.
plastik-mit-kupferfolie-repariert.jpg
Mit einer Feile wurde das Höhen- und Breitenniveau dem des Originalhebels angepasst, so dass nichts überstand und der Hebel sich frei bewegen konnte.
Nach erfolgter Reparatur des Hebels wurde das Magazin erneut zusammengebaut und nun schnurrte die Hasselblad auch mit dem Magazin perfekt.
Was sich hier so leicht liest, war aber bis zum Verständnis der Zusammenhänge ein langer Weg und die Arbeiten mit den Workarounds zur Fehlerbehebung zogen sich über 2 Tage hin, an denen ich jeweils 3 Stunden daran arbeiten konnte.
Im Anschluss daran wurde mit einem alten Rollfilm noch der korrekte Vorschub getestet...
Ich beschreibe das Procedere mal kurz mit Worten... denn man muss um die Funktion zu checken, nicht erst einen Film durchbelichten, sondern kann das ganz simpel mit einem Edding und einem Rollfilm machen, der sonst im Papierkorb gelandet wäre...
Film in Magazin einspulen... bis auf die 1 - Markierung vorspulen, Magazinschieber raus... mit dem Edding oben am Filmfenster einen Strich markieren (und auch unten, wenn man will), Magazinschieber wieder rein, an die Hasselblad ansetzen, Schieber raus, Auslösen, Schieber wieder rein, von Kamera abnehmen, Schieber wieder raus, mit Edding markieren, Schieber wieder rein, Magazin an der Kamera auslösen, Schieber wieder rein, Magazin abnehmen, Schieber raus.... usw.
Das Spiel mit dem Markieren macht man dann also 12 Mal, bis das Filmzählwerk die Kamera sperrt.
Nimmt man danach den Rollfilm aus dem Magazin und rollt ihn aus bis zur Gelatine-Schicht des eigentlichen Films, sind darauf dann die Edding Striche zu sehen und man kann mittels eines Lineals oder Meßschiebers die Abstände auf der Schicht ausmessen und sieht sofort, ob der Transport korrekt funktioniert.
Ist der Transport in Ordnung, so ergeben sich stets gleiche Abstände der Einzelbildpositionen.
Das war es erstmal mit der Reparatur und ich hoffe, dass es dem einen oder anderen vielleicht einmal nutzen kann seinem defekten Magazin "auf die Sprünge" zu helfen.
In dem nächsten Beitrag werde ich dann auf den Wechsel der Lichtdichtungen eingehen und zeigen, worauf man achten sollte.
LG
Henry
>> Fortsetzung folgt<<
Hier geht es zu den Magazin-Versionen C12 und A12... https://www.digicamclub.de/showthread.php?t=23899
Und hier geht es um versprochenen Wechsel der Lichtdichtungen und einigen Beschreibungen von Hebeln unter der Verbindungsplatte.. https://www.digicamclub.de/showthrea...l=1#post279218



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