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Thema: ALPA

Hybrid-Darstellung

  1. #1
    de Vörstand Avatar von hinnerker
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    Wunderschön anzusehen.

    Welche Zeiten bot die Kamera?
    Was wiegt die Kamera... scheinbar recht schwer, oder?
    Filmzuführung per Klappe hinten oder andere Technik, denn die zwei "Nuppsies" an der Seite machen micht da nachdenklich.

    Das die Kamera statt den üblichen CdS - Zellen bereits Silizium nutzt, ist in der Tat erstaunlich.

    Danke für die ersten Bilder und Informationen.

    LG
    Henry
    Canon EOS 5D MKIII, 5D MKI, Canon 1D MK IV, Sony A7, NEX7, A7 II.. und viele, viele feine Objektive aus dem Altglas-Container..

  2. #2
    Fleissiger Poster Avatar von duckrider
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    ca. 740g bringt das Gehäuse allein, mit Switar 1040 auf die Waage.
    Die Zeiten gehen ganz klassisch von B,1 - 1/1000.

    Die "Nuppsies" sind Schrauben, die ins Gehäuse hinein gedreht werden, zur Befestigung des Umhängeriemen.
    Eine Rückwandklappe hat jeder, ALPA muss sich durch eine komplett abnehmbare (nummerngleich gestempelte) Rückwand von den anderen abheben.
    Ich habe das mal schnell in Details versucht darzustellen.

    Wie gesagt, Springblende ist nicht: Wie bei den Exaktas haben die Objektive einen Fronthebel, der beim Runterdrücken abblendet.
    Der kameraseitige Auslöser kann verriegelt werden, oder so eingestellt, dass beim Abblenden der Belichtungsmesser angeht und bei Weiterdrücken ausgelöst wird. Oder auch so, dass durchgedrückt nur gemessen wird und der Auslöser blockiert, um bei Messung nicht versehentlich mit falscher Zeit/Blende zu belichten.

    Dazu dient der kleine Schieber frontseitig neben dem ebenfalls an der Front (hier verdeckten) befindlichen Auslöser.


    Der mit Pfeil markierte Drehknopp am Objektiv ist der Feststeller für Abblenden, das Makro Switar ist "halbautomatisch".

    Nun noch kurz zum "Motor":
    Was macht der Lichtbildner nach erfolgter Auslösung? Verschluß spannen und Film transportieren. Genau das, und zwar wortwörtlich genau das macht ein APLA Motor:
    Die "Nuppsies" mit evtl. angebrachtem Umhängegurt werden abgeschraubt, in die Gewinde wird OBEN auf die Kamera der Motor befestigt und übernimmt nun mittels eines Hebels die Arbeit des Zeigefingers: Den frontseitgen Schnellspannhebel nach hinten ziehen:
    Guckt mal unter http://www.photodeal.de/allgemein/motorkameras.htm dort ist der Vorgang einiger Motoren, ganz unten der APLA Motor beschrieben.


    Gruß
    Thomas
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    Geändert von duckrider (26.08.2014 um 13:18 Uhr)

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  4. #3
    Fleissiger Poster Avatar von duckrider
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    So, nu' aber mal weiter:
    Man unterscheided die Entwicklung der ALPA in drei Generationen:
    Jacques Bolsky (geboren in Kiev als Bogopolsky) begann ~1933 mit der Entwicklung einer KB Kamera bei Pignons in Ballalgues im südlichen Jura. Bei Beginn des 2. Weltkrieges waren die ersten Prototypen fertig.
    Bolsky wanderte 1941 in die USA aus und nannte sich fortan "Bolsey" - ja, das ist der, der der Bolex 16mm Kamera zum Leben verhalf, aber das ist eine andere Story.

    Pignons, ursprünglich Hersteller von Uhrwerken, baute die ALPA-Reflex Kameras und entwickelte sie immer weiter:
    Von 1933 - 1952 waren die Gehäuse aus Stahlblech, wahlweise mit Lichtschacht oder durch einen Prismensucher ergänzbar.
    Wenn Ihr in den Suchmaschinen "alpa reflex erste Generation" werden Euch zahlreiche Fotos der Kameras angezeigt.
    Unterschieden wird in die Modelle A(Prototyp) und B bis E.

    Von 1952 bis 1968 wurde die sog. zweite Generation gebaut, hier mal in Kurzform eine grobe Listung:
    Die Gehäuse waren ab jetzt aus Leichtmetalldruckguss statt Stahblech, bis 1957 wurde die Bezeichnung "ALPA ALNEA", später "ALPA REFLEX" benutzt.
    Modell 4: Senkrechter Sucherblick á la Lichtschacht, aber nicht wechselbar! Sucherbild seitenverkehrt UND Durchblicksucher für 50mm Brennweite.
    Modell 5: 45° Prismensuchereinblick, seitenrichtiges Bild UND Durchblicksucher für 50mm Brennweite.
    Modell 6: 45° Prismensuchereinblick, Schnittbildentfernungsmesser auf der Mattscheibe, seitenrichtiges Bild UND Meßsucher für 50mm Brennweite, ab hier mit Vorlaufwerk.
    Modell 7 (und 8): 45° Prismensuchereinblick, seitenrichtiges Bild UND Meßsucher für 50mm Brennweite mit Bildfelswähler 50,90,135mm.
    Wenn an den Gehäusebezeichnungen ein "b" angefügt war, dann handelt sich um ein Modell mit Schnellschalthebael, statt Filmaufzug per Drehrad.
    Modell 6c: Dachkantprismensucher mit Selenbelichtungsmesser, ohne den jetzt obsolten Durchblicksucher für Geradeausblick.
    Modell 9d: Die "erste" SLR mit Innenmessung! (es gab eine 9f OHNE BElichtungsmesser)

    Von 1968 bis 1990 dann die dritte Generation:
    Modell 10d: CDS Innenmessung, ein weiterer Fotowiderstand gleicht evtl. durch den Sucher einfallendes Licht automatisch bei Messung aus.
    (10f ohne Belimesser, 10s ohne QAusgleichszelle, 10dMaster ´mit extrem genauem Filmtransport für Diaduplikate)
    Modell 11e: Anzeige mit zwei Leuchtdioden statt Nadel, Mikroprismenring zusätzlich
    Modell 11Si: Si-Zellen statt CDS und drei Lechtdioden-"Ampel" zur Anzeige

    Wem das zu unübersichtlich erscheint, dem sei gesagt, es gab die Modelle "Post, Halbformat, Surgical 81 und und und....)

    Kurzum: ALPA hat auf Bestellug für jeden Zweck gebaut.

    Seit 1996 besitzen Capaul & Weber, Zurich die Namensrechte an ALPA, dort werden Mittelformatkameras der gehöbensten Preisklasse gebaut:
    http://www.alpa.ch/en/products.html
    Das hat aber mit den hier behandelten KB-SLRs nichts zu tun.

    Hier nun meine zweite ALPA, das Modell 7:

    Von vorne sieht man die beiden Ausblickfenster (oben und UNTEN) des Meßsuchers, fast immer findet man nur Abbildungen der Kamera von links, wo dieses Detail nicht zu sehen ist. Auf der Oberseite ein Blick auf die Sucherbegrenzugswahlscheibe 50/90/135, darunter der recht kleine Meßsuchereinblick.
    Der 45° Reflexsuchereinblick ist jedesmal aufs neue gewöhnungsbedürftig, wenn man eben eine andere Kamera vorm Auge hatte.
    Das Rückspulrad mal hochgezogen.
    Spätere Modelle haben eine Kurbelfunktion in dem dicken Rad, damit geht das Filmrückspulen deutlich angenehmer als mit den üblichen kleinen Kurbelchen anderer Hersteller.
    Filmtransport mittels Rad, da kein "b", die Kamera muss gespannt sein, um die Zeiten mittels leicht herunter gedrücktem Ring einzustellen.
    Zu guter Letzt noch ein Blick auf den Auslöser des Schneider ALPA Curtagon: Das klitzekleine Hebelchen dient der Verriegelung der Arbeitsblende.

    Die Kamera wird also von vorne ausgelöst, dabei wird zunächst die Blende am "halbautomatischen" Objektiv geschlossen, bei weiterem Druck löst dann die Kamera aus.

    Und wie ist das mit dem Meßsucher?
    Tatsächlich: fast alle 50mm Kern- Objektive der ALPA bewegen einen seitlich im Gehäuse gelegenen Hebel (hier auf dem Foto leider etwas verbogen, die Kamera muss noch gerichtet werden) und verstellen damit das Schnittbild! Damit sind die Modelle 7 & 8 die einzigen mir bekannten SLR- UND Meßsucherkameras!

    ...wenn man nicht wie üblich mit der linken Hand den unteren Sucherausblick abdeckt!

    Wenn Ihr mehr wissen wollt:
    Lothar Thewes: ALPA- Always Different from the Rest. HOGYF EDITIO, Budapest 2003.
    das m.E. liebvollste und beste Buch zur ALPA!

    Alfred Columberg: Ein Schweizer Photoapparat Engadin Press, Samedan 2004
    dreisprachig von einem begeisterten ALPA Sammler, leider etwas zusammengestückelt und zahlreiche Übersetzungsfehler, aber sehr gutes Tabellematerial!

    Shigeo Toyota: „ ALPA – Complete Collectors Guide“. Bea+Poly Publishers Ltd., Switzerland (1998) 2004.
    Kenne ich leider noch nicht
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    Geändert von duckrider (26.08.2014 um 13:32 Uhr)

  5. 9 Benutzer sagen "Danke", duckrider :


  6. #4
    optikus64
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    Hallo, das ist ja hammerhart. Dass die Schweizer immer zu einer etwas eigenen Herangehensweise neigen ist ja kein Geheimnis, aber das was Du uns da zeigst ist schon eine wirklich eindrucksvolle Sache. Vielen Dank dafür und herzlich Willkommen! J.

  7. #5
    Kennt sich aus
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    stand in den 60-er Jahren in so manchem Fotokatalog und ich hatte nicht das Taschengeld, diesen exotischen Traum zu kaufen...

  8. #6
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    Zitat Zitat von thk Beitrag anzeigen
    stand in den 60-er Jahren in so manchem Fotokatalog und ich hatte nicht das Taschengeld, diesen exotischen Traum zu kaufen...
    Hab' ich heute noch nicht!

    Die 60er waren die große Zeit der ALPA, Mitte der 60er wurden ca. 1300 Kameras im Jahr verkauft (die aktuelle Minutenproduktion bei Canon?)

    Dann ging die Stückzahl kontinuierlich zurück.
    Man versuchte bei ALPA einen neuen Kundenkreis durch die Vermarktung über die Marke "REVUE" der Foto Quelle in Nürnberg zu erreichen, ein mehr als erfolgloses Unterfangen:

    http://www.collection-appareils.fr/g...1299951592.jpg

    Niemand wollte eine eher dem low cost Sektor zugeordnete "Revue" gelabelte ALPA 10d für fast 2000.-DM haben, die sehr geringe Anzahl (114 Stück laut Columberg) musste damals m.W. sogar noch verramscht werden. Heute suchen die Sammler natürlich danach.

  9. #7
    Ist oft mit dabei
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    Standard und dann......

    Entschuldigen Sie mein ungrammatisches Deutsch.

    Wenn Pignons nach und nach in zwierigheiten gerat, musste sie zufrieden sein mit nur Chinon cameras modifizieren. Alpa Si 2000 und 3000.

    Natürlich viel zu teuer und dafür in wenigen stückzahlen gebaut. Dazu ein umfangreiches angebot an Chinon optik, "for Alpa Swiss" graviert. Aber nicht viele ausgeliefert. Am ende verramscht, dennoch absolut sehr seltenes sammlersache.

    Alpas konkursprozess war sehr ausgedehnt, es dauert jahre. Inswischen wurde viele originalteile irgendwo als "genuine" seltenheiten (microfilm, 18x24 , meterless etc.) montiert und durch undurchchsichtliche kanale angeboten (11z, 11n uzw) . Kein spur davon im Hr. Thieles werk-nummerverzeichnis. Doch, als wie bei seltene "Leica copies", kleines angebot, hohe preise.

    Hr Thieles nummern berucksichtight nur Ballaguies.

    Hr. Heitz in NewYork sei generalverhandler für Amerika, und er modifiziert viele Alpas. Farbige belederung war ein spezialität. Als agent für Kinoptik hat er auch viele Kinoptics mit Alpa anschluss angeboten, die nicht durch Alpa-Ballaguies erhaltlich sei. Diese werksfremde fassungen, aber officielle verhandlervariante von preislisten verifizierbar, sind sehr selten und natürlich ganz teuer.

    Von astronomisches sammlerwert abgesehen, wie nützlich ist ein Alpa? Nützt man heute noch film, erfüllt Alpa-graviert optik absolut hohe erwartungen . Hr Bourgeois = Hr.Pignons bedeuert das jede optik mit Alpa gravur muss ein probephoto machen. Irgendwo habe ich ein photo von der testlabo ; feingradierte testziel und solide kamerbefestigung. Aber wenn ich da war, gibt es keine truben himmel, absatz war gut. Später war ihr qualitetskontroll villeicht nicht so streng.

    p.
    Geändert von hofsethpaul (06.11.2014 um 20:19 Uhr)

  10. 4 Benutzer sagen "Danke", hofsethpaul :


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