Nö, ganz anderes Thema. Da geht es um den Dioptrienausgleich. Hier aber geht es darum, das Zusammenfallen von zwei Teilbildern im Unendlichkeitspunkt zu justieren.
Das erste Bild liefert der normale Durchsichts-Sucher, das zweite Teilbild wird von einem Hilfsspiegel, der in ein paar Zentimetern Abstand an der Kamera sitzt, in den Sucher "eingespiegelt"... und erst wenn das eingespiegelte Bild mit dem Bild im Durchsichtssucher (da wo Du durchguckst) übereinstimmt im Unendlichkeitspunkt, ist die Geschichte justiert, ist der Hilfsspiegel korrekt angeglichen. Die Stellung des Hilfsspiegels wird dabei über das Objektiv verändert, wenn fokussiert wird. Die von mir im Bild gezeigte Rolle tastet im Objektiv dazu die jeweilige Stellung ab, die der Helicoid bei der Fokussierung einnimmt. Wie ja jeder weiß, verändert sich bei der Fokussierung in den meisten Fällen auch immer der Stand des optischen Systems, je nachdem ob man in den Nahbereich geht... dann entfernt sich das optische System von der Film-/Sensor-Ebene und je weiter man sich den U-Punkt annähert, desto näher kommt das optische System an die Film/Sensorebene.
Und das ist eben die Schwierigkeit... diese Synchronisation herzustellen.
Im Grunde ist so ein Meßsucher-System eine Kamera mit einem eingebauten, mechanischen Entfernungsmesser, deren Bilder mit dem "Realbild" erst dann scharf gestellt sind, wenn die Teilbilder von Durchsichtssucher und Bildeinblendung über den Hilfssucher/Spiegel verschmelzen und zu einer Kontur zusammenfallen.
Um das zu verstehen, muss man sich klarmachen, dass hier nicht das durch das Objektiv entstehende Bild betrachtet wird wie wir es von Spiegelreflex - Kameras kennen, sondern nur durch einen "Durchsichts-Sucher". Es gab schon viele Leute, die vergessen haben, den Objektivdeckel abzunehmen und sich gewundert haben, weshalb sie nach einem Abend mit dutzenden von geglaubten Bildern nichts, aber auch gar nichts auf dem Film hatten. Das macht vielleicht klar, weshalb dieses Meßsucher-Prinzip ein reiner Entfernungsmesser ist, der anhand von 2 Koordinaten quasi eine umgedrehte Kreuzpeilung durchführt.
Bei einer Kreuzpeilung bestimmst Du den Standort anhand von zwei Koordinaten... beim Meßsucher sind diese Koordinaten durch den Sucher und den zweiten / Hilfsucher festgelegt, deren Abstand zueinander ja bekannt ist beim Bau der Kamera.
Die nächste Koordinate wird durch das Mischbild bzw. die Abtastung des Helicoidstands bestimmt. Wenn das Motiv in 10 Metern Entfernung steht, so muss das auf dem Hilfspiegel entstehende Bild z.B. um 0,3mm verändert werden... damit es stimmt mit der Schärfe.
Um das zu justieren, wird ein Punkt in der Unendlichkeit festgelegt, bei der beide Teilbilder exakt übereinander stehen... also keinerlei Doppelkonturen mehr sichtbar sind, wenn Du durch den Sucher blickst. Das ist die Grundlage für alles weitere und quasi der Dreiecksbezugspunkt, wenn alles korrekt justiert ist.
Dafür muss eben zwingend der Endanschlag des Objektivs bei Unendlich im Sucher ein einwandfreies Bild ohne Doppelkonturen ergeben, das heißt, der Hilfsspiegel so angeglichen werden, dass er exakt diese Doppelkonturen vermeidet und ein sauberes Bild im eigentlichen Sucherkanal ergibt.
Um das möglich zu machen, wird im Inneren ein justierbarer Messingkranz benutzt, der minimal weiter herein oder herausgeschraubt werden kann, um damit bei der Unendlichkeitseinstellungsmarkierung und Begrenzung genau diesen Abtaster und damit den Spiegel in diese Optimalposition bringt.
Das jeweilige Objektiv wird dann - je nach brennweitenbahängig notwendiger Gewindesteigung - den Hilfsspiegel korrekt auslenken für jede Fokusentfernung.
Ist alles reine Präzisions-Mechanik, wenn man erstmal das Prinzip verstanden hat.
Und was Carsten hier schilderte, ist im Grund genau die Verstellung/Angleichung des U-Punktes für die Ausgangslage des mechanischen Entfernungsmessers im Unendlichkeitsbereich.... dazu dient der Messingkranz mit den Verschraubungen. Er schiebt quasi diese Abtastrolle in die korrekte Position für unendlich, lenkt dann durch die Gewindesteigung des optischen Systems den Hilfsspiegel für die Teilbild-Einblendung in den Durchsichtssucher in Abhängigkeit vom Stand der Fokussierungsentfernung. Überlagern sich beide Bilder am Motiv, so ist dann korrekt scharf gestellt.
Ist eine ziemlich komplizierte Materie, wenn man so ein Ding noch nie in der Hand hatte in Form einer Leica... aber eben auch ganz besonders, weil damit wahnsinnig schnell manuell fokussiert werden kann. Nur ist es eben eine ganz andere Art, an die man sich erst langsam rantasten muss. Im Grunde das ideale Besteck für Streetfotografie... und die Reportage.
Bokeh und solche Spielereien sind eher nicht das Gebiet der Meßsucherkameras... schlicht weil man das einfach nicht sehen kann.... es ist kein TTL... also nichts mit Blick durch die Linse
Nur ein einfaches Sucherbild... und Leuchtrahmen - welche den Bildausschnitt aus dem Gesamtbild zeigen... also reine Markierungen der Grenzen des Aufnahmebereichs bei ansonsten unverändertem Sucherbild...



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