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Thema: Making of

  1. #1
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    Standard Making of

    Wenn nicht hier, wohin dann mit diesem Thema?

    Ein making of kann mehr sein als nur das Zeigen der Szene mit einer Zweitkamera.
    Oft fängt ein Bild in meinem Kopf an, Vorüberlegungen...
    Die wollen umgesetzt werden,aber mitunter entwickelt sich das Bild unterwegs noch .

    Ich bitte um Nachsicht, dass ich hier mit einem S/W-Bild auf Filmbasis eröffne, aber ich bin da gedanklich noch recht nah dran und habe auch ein "making of-behind the scene" -Foto geschossen, was ich sonst nicht mache.

    Vorüberlegungen:

    Ich bin den alten Linsen verfallen und versuche mein Bild mit einem Höchstmass an vertretbarer Unschärfe zu gestalten.
    Langfristig werde ich mich dem Pictorialismus nähern, aber das ist noch ein weiter Weg.

    - Unschärfe also,

    bei gleichzeitigem Ausprobieren meines 360er Heliars und dessen Wirkung zunächst mal bei Offenblende.
    Unschärfe ist und bleibt mein momentanes Dauerthema.

    - Motiv :

    ein altes Kochbuch, sehr zerlesen und eigentlich ein Totalschaden.
    Wollte ich schon länger mal in Szene setzen.

    -gewünschte Bildwirkung :

    das Thema ersichtlich machen - altes Kochbuch; eine lose Seite mit Rezept musste her.

    Dem Alter des Buches gerecht werden, das Buch als solches würdigen,vielleicht ein wenig in Richtung Memento Mori; also vor allem auch die zerfledderten Kanten zeigen, den zerstörten Buchrücken auffächern.
    Den Zerfall habe ich mit marodem Beiwerk (welkes Laub, zerbröseltes Schneckengehäuse) versucht zu untermalen.

    Das , Motiv hervorheben, also dunkler Hintergrund, freistellen; das Licht sollte "umspülen" und etwas verstrahlen, also diffus und etwas Gegenlicht; hat nicht so funktioniert mit dem Gegenlicht, es wurde diagonales Seitlicht re. u.li., etwas von oben und vorn;
    Akzente ergaben sich durch die Lichtverteilung und Legung der Helligkeiten in definierte Zonen (Schatten Zone III, Lichter Zone VIII ) sowie durch Entfernen der Stoffgitter vor den Softboxen - dadurch erhalte ich einigermassen weiches Licht mit punktueller Gewichtung , die Birnen strahlen nämlich nach vorne.

    - Umsetzung der Ideen:

    Tja.
    Der Hintergrund (Untergrund) wurde ausgelegt (schwarzer Stoff), das Gedöns wurde ausgewählt und grob arrangiert, das Licht seitlich gestellt, dann wurde geschaut (Mattscheibe).
    Mir ist wichtig, viel wegzulassen, ein Überfrachten des Bildes mag ich nicht.

    Kleinigkeiten können später im Bild sowas von störend wirken...
    die richtige Verteilung im Bild, Linien und Winkel, plötzliche Krümel, ungünstige Schatten, eine Blattspitze, undund - als Nichtprofi sehe ich sowas aber nicht immer im Sucher.

    Aber als Nichtprofi habe ich - Zeit. und die nehme ich mir dann auch.

    An einem Abend habe ich daher soweit arrangiert, bis es mir gefiel.
    Das Licht stimmte noch nicht recht, da wollte ich noch mal ran.

    Ich lasse dann gerne mal sacken und schau mir das am nächsten Tag noch mal in Ruhe und mit frischer Konzentration an.
    Etwaige Misstände werden dann korrigiert, das Licht noch mal eingeprägt, dann aber anders versucht - und manchmal baue ich auch komplett um, weil ich nicht zufrieden bin, oder weil sich ein neuer Gedanke eingeschlichen hat.

    Ergebnis:

    Ich hab mir angewöhnt, das fertige Bild schnellstmöglich zu beurteilen und das Gedöns solange stehen zu lassen.
    Diesmal brauchte ich keinen Zweitschuss, mir hatte alles gestimmt.

    Ich habe aber das Negativ noch etwas uminterpretiert, der Hintergrund war mir noch zu hell; entsprechend kam er jetzt ungefähr in Zone II und die Lichter (Buchseite und Schnecke) kamen ca. in VII zu liegen.

    Zuerst fand ich dies dann etwas zu dunkel, und ich überlegte, ob ich zumindest den Buchrücken vorn ein wenig abschwächen, also heller machen sollte.
    Aber bei meiner "Revision" - grundsätzlich erst am nächsten Tage, und bei Tageslicht - hatte ich "Mein" Bild fertig in der Hand.
    Ein seltener Glücksfall :-)

    Leider habe ich es dann eilig und unscharf abgeknipst :

    Kochbuch.jpg


    Und so sieht es "dahinter" aus; mehr drauf ging leider nicht, ich hab für meine Sony nur ein 90er, und damit muss ich schon ganz schön zurück, um überhaupt was draufzubekommen :

    behinda scene.jpg

    VG,
    Ritchie
    Geändert von Richard Deschain (25.02.2015 um 18:45 Uhr)

  2. 7 Benutzer sagen "Danke", Richard Deschain :


  3. #2
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    Standard

    Neben dem blossen making of lade ich natürlich auch zum Diskutieren ein, nur im gedanklichen Austausch wird man schlauer.
    Lichtsetzung (künstlich) zum Beispiel ist ein Thema, mit dem ich mich nach über 30 Jahren der Fotografie erst in letzter Zeit ernsthafter auseinandersetze, da nehme ich gerne noch gute Tips entgegen.
    Ich hatte früher überwiegend draussen geknipst, das hat sich inzwischen gewandelt.
    Frühere Versuche mit Stabblitzen waren schwer vorherzusehen und im Ergebnis nicht so hübsch, die Profigeräte mit Einstellicht waren mir immer arg teuer.

    Vorgestern nun hatte ich das gleiche Bild mit anderem Film, nämlich orthochromatischem, also für rote Farben blinden Film, geknipst.
    Es ist dies ein gängiger Röntgenfilm, den ich zukünftig und fast ausschliesslich am grossen Format nutzen möchte und nun intensiv zu testen habe.

    Es ist fast schon abartig, wie die Bildwirkung verändert, ja regelrecht zerstört wurde.
    Das im Making of-Bild zu sehende, herrlich rote Laub ist nun nahezu schwarz und drückt die Stimmung wie auch den kompositorischen Aufbau drastisch nach unten.

    Als Vorbereitung für die making of's im nächsten Winter werde ich also dieses Jahr eher hellere, unrote Laubsorten udgl. einsammeln müssen :-)
    Ich liebe die Fotografie, es wird nie langweilig...

    VG,
    Ritchie

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