Schau´mer mal, dann seng ma scho!
Genau dies herauszufinden ist die größte Freude dabei!
Ich mache das aber nicht wissenschaftlich und akribisch notierend, sondern nach Gefühl und Erfahrung.
Oft sehe ich es erst im Nachhinein, dass ein anderes Objektiv besser gewesen wäre. Ich bin da - Gott sei Dank - noch mitten im Lernprozess.
Ein Beispiel: das Volna-3 MC 2.8/80 und das Nikkor-H 1.8/85.
Zwei tolle Objektive. Das Volna aber bietet sich an, wenn das Licht kontrastreich ist und die Sonne am Himmel steht sowie der Hintergrund nicht ganz so unruhig ist (Äste usw. veträgt es nicht so gut). Dann lässt sich das Volna-3 so schnell fokussieren wie kaum eine andere Linse - der Fokus "springt förmlich in die Schärfe".
Das Nikkor ist erste Wahl, wenn diffuses Licht herrscht und es nicht so hell draußen ist (obwohl das Nikkor auch mit Sonnenschein umgehen kann). Außerdem kommt das Nikkor auch mit unruhigen Hintergründen gut klar.
Das (neue) Carl Zeiss Planar T* 1.4/85 ZE steht übrigens noch über diesen beiden und ist sozusagen die "eierlegende Wollmichsau". Leider ist es sehr teuer...
Oder: 135er
Wenn ich sehr große Schärfe will, nehme ich das Takumar 3.5/135 oder ein Nikkor 3.5/135, für ein möglichst cremiges Bokeh nehme ich das Tamron 2.5/135, muss dann aber etwas weniger Schärfe in Kauf nehmen. Das Schneider-Kreuznach 3.5/135 ist scharf und hat ein sehr angenehmes Bokeh, kommt aber an der EOS nicht ganz bis unendlich. Wenn ich eine möglichst kompakte Linse mitnehmen möchte, dann ist das Zuiko 3.5/135 erste Wahl - dieses Zuiko kann übrigens auch alles sehr gut, leidet aber ein wenig an CAs an Kontrastübergängen.
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Carsten, berufsbedingt immer mal wieder auf Forum-Pause. In grün schreibe ich als Mod.
Leica, Sony, Nikon, Fuji, Olympus, Pentax, Panasonic, Canon, Sigma und viel zu viele Linsen sowie andere digitale und analoge Kameras.
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Ok, da will ich die Antwort nicht schuldig bleiben, aber auch gleichzeitig klarmachen, das Du für die Beantwortung dieser Frage nach der Auswahl eben etwas tiefer in die Kiste greifen musst.
Es geht hier um verschiedene Dinge... aber fangen wir mal mit zwei Beispielen aus der Landschaftsfotografie an:
Das allseits beliebte Thema..
Zweifellos eine Landschaft...
Und dies auch...
Worin liegt der Unterschied, beide Aufnahmen entstanden in etwa 5 miütigem Abstand mit zwei unterschiedlichen Objektiven.
Im ersten Fall handelt es sich um ein Bild, das mit dem Canon 70-200 L gemacht wurde. Klar und deutlich ist die sogenannte "komprimierende Bildwirkung" ersichtlich. Details des Hintergrundes/Horizontes werden in ihrer Abbildungsgröße dicht an den Vordergrund gerügt. Aber es bleibt ein Landschaftsfoto...
Die Farbabstufungen des Canon in der untergehenden Sonne spiegeln sehr schön die Abendstimmung und die Dunstigkeit über dem See wieder.
Dies ist in etwa vergleichbar dem "Flimmern" auf einer Asphaltstrasse im Hochsommer.. dies wird durch die Benuztung des Teles betont/hervorgehoben. Diese zwei Gründe, also die bildkomprimierende Wirkung und die Farben des Canon gaben den Ausschlag für die Wahl des Objektives.
Im zweiten Bild wurde ein 24 mm Weitwinkel manueller Art benutzt. Das Yashinon 24mm DSM. Aufgrund seiner guten Eigenschaften in Bezug auf die Verzeichnung und die wunderschöne aber recht "kühle" Farbwiedergabe passte dieses Objektiv sehr schön in das Stilleben des Sees.
Und wie gesagt, die aufnahmen liegen 5 Minuten auseinander.
Hier ein weiteres Beispiel, auf denen wieder der Unterschied ersichtlich wird.
Komprimierende Bildwirkung
Und das Tomioka Yashinon
Wieder ist der Unterschied in den Farbspektren zu erkennen.
Ein weiteres Beispiel für Canon Farben hier aber von einem 20-35L
ebenfalls ein Sonnenuntergangsszenario. Die Tendenz der Farben ist ähnlich. Mit dem Tomioka wäre das Ganze "kühler" ausgefallen, hätte aber nach meiner Ansicht nicht so recht die Stimmung wieder gegeben...
Soweit erstmal ein kleines Beispiel. Vielleicht war dies ja hilfreich bei der Beantwortung Deiner Frage...
Aber es zeigt sicherlich auch, das für weitere Fragen schon eine Eingrenzung notwendig ist, damit die jeweiligen Überlegungen gemeinsam erörtert und auch mit unterschiedlichen Entscheidungswegen versehen sein kann.
LG
Henry
Das wären dann ja wohl mehrere Themen ...z.B. wie hier schon begonnen --> Motiv: Landschaft in der Abendsonne - Welches Objektiv fängt die Stimmung auf kühlere/distanzierter bzw. eher wärmere Art ein. Die Erklärungen zu den einzelnen Objektiven finde ich nämlich höchst aufschlussreich,vor allem die Hinweise zur kühleren bzw. wärmeren Farbwiedergabe.
Und das hängt tatsächlich an den Objetiven? Kaum zu glauben.
Etwas Ähnliches würde ich mir für Porträt wünschen, damit ich endlich mal sehe, was mit "nicht porentief scharf, aber ohne unscharf zu wirken" gemeint ist.
Viele Grüße, Katrin.
Henry, super dargestellt.
Peter
Nein Katrin, es hängt selbstverständlich nicht nur an den Objektiven..
es unterstreicht wie in dem ersten Beispiel der beiden Seebilder nur, wie die Entscheidungswege bei mir aussehen. Das Licht kommt immer noch von oben. Aber durch die Art, wie die Vergütung z.B. auf das vorhandene Licht reagiert, wie ich selbst etwas wahrnehme und dies noch unterstreichen kann, durch geschickte Auswahl der Objektive kann ich im Abstand von mehreren Metern und dem Wechsel des Objektives hin zu einer "kühleren" Farbwiedergabe schon einen großen Einfluss nehmen. Dies und nichts anderes sollte die Beispiele zeigen.
Denn auch das Licht verändert sich in Farbtemperatur und damit spektraler Zusammensetzung bei Sonnenuntergang minütlich schon erheblich.
Mit dem Yashinon Beispiel hab ich das nur noch ein wenig "forciert"...
Das mit dem Beispiel für "nicht porentief aber trotzdem nicht unscharf wirkend" suche ich die Tage mal ein Beispiel raus. Leider hab ich das Objektiv verkauft, so das ich erstmal die Bestände an Bildern checken muss, welche ich mit dem Teil wann gemacht habe... ist bei den manuellen Linsen leider noch ein Problem, da hier keine EXIFs hübsch sagen, das oder das Objektiv hast Du dann und dann verwendet. Leider.. obgleich man inzwischen auch pro Adapter sich die EXIFs in den Chip laden lassen kann.
Aber das ist mir offen gesagt zu teuer, für jedes der Objektive nun einen eigenen Adapter mit Chip zu kaufen... Dafür ist mir persönlich das Thema nicht wichtig genug.
LG
Henry
Geändert von hinnerker (16.03.2009 um 01:30 Uhr)
Katrin, das Jupiter-9 2.0/85 wäre genau für dieses Anwendungsgebiet geeignet.
Bei f2 hat es einen echten Weichzeichnereffekt, bei f2.8 ist es deutlich schärfer und erst ab f4 wird es sehr scharf.
Man kann also durch die Wahl von drei Blenden zwischen einem echten "Softeffekt", dem gewünschten Kompromiss und einer "knackscharfen" Abbildung entscheiden.
Das Jupiter-9 wird meist als M42 angeboten und kann dadurch an viele Systeme adaptiert werden. Es kostet so um die 70-80 € neu in der Bucht (meist osteuropäische Anbieter).
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Hallo,
ich versuche mal, den Unterschied anhand zweier alter Fotos heraus zu heben.
Hier in der Strecke ist das dritte, mit einem Sonnar 135er gemacht worden (glaub so war das, bin aber nicht mehr ganz sicher, ist eigentlich aber auch egal, weil es um die Charakteristik des Takumar geht). Es könnte entsprechend um 2-3 Stufen abgeblendet das Gleiche). Hierbei soll gezeigt werden, anhand der Verläufe die Steuerbarkeit Schärfe/Unschärfe und damit auch das Freistellungsvermögen sowie die Weichheit in den umgebenden Lichtsäumen. Die Lichtstärke bewirkt bei Offenblende einerseits eine sehr geringe Tiefenschärfe, die in den Haaren erkennbar einen weichen "Kranz" um das Gesicht legt.
Beginnen wir mit "weich, ohne Unscharf zu wirken"...
Denke das zeigt es schon ein wenig.. Die Bilder sind damals an einer 400D entstanden.
Abgeblendet um 1 -2 Stufen erhöht sich der Schärfeeindruck, aber die Weichheit des Lichtes in den umgebenden Haaren bleibt erhalten
Und um es auf die Spitze zu treiben, könnte das Takumar auf Blende 8 und höher etwa dies erbringen:
Wobei diese Aufnahme nicht mit dem Takumar, sondern mit einem Carl Zeiss Sonnar entstanden ist.
Da ich leider unter der nun formulierten Anforderung hier den Begriff "nicht porentief scharf, ohne unscharf" zu wirken, erklären sollte, wählte ich dieses dritte Beispiel aus meinem Fundus, um die Steuerbarkeit zu erklären.
Nun kommt natürlich als weitere Komponente immer der Motivabstand und damit auch die entsprechend geringer werdende Schärfentiefe hier mit ins Spiel und ist immer zu beachten.
Aber wenn wir uns auf den Fotos einmal nur auf die Stirnpartien und die Haare beschränken, wird deutlich, worin das schmeichelnde des Takumar oder auch anderer hochöffnende Objektive zu finden ist. Der Verlauf von Schärfe zur Unschärfe mit dem "Wegbügeln" der Gesichtsfalten und eventuellen Hautunreinheiten.
Vielleicht ist das anhand dieser Strecken jetzt ein wenig deutlich geworden.
Ich bedauere, das ich da nun leider keine vollständige Serie unter der Themenstellung erstellt habe früher als ich das Objektiv noch besaß, aber ich denke, es ist auch anhand der Beispiele hier klar geworden, was gemeint ist.
LG
Henry
Geändert von hinnerker (16.03.2009 um 10:12 Uhr) Grund: Textkorrektur 3.Bild ist Sonnar
Und wenn wir gerade dabei sind, so denke ich , man sollte im Vergleich dazu noch einmal wegen der Farben und der Freistellung ein L-Objektiv vergleichend hinzunehmen.
Die nachfolgenden Portraits sind mit einem 70-200/4 entstanden.
Canon typische Farben und Offenblende ! Also f=4, da ist dann alles "scharf" was so mit der Bewegungsunschärfe durch ein sich bewegendes Model grad noch so "ging".
Und noch eines... ein crop aus einem Bild..
Hier fehlt es dann bereits an der steuerbarkeit, weil das Teil von vornherein auf Offenblendenschärfe maximiert ist.
LG
Henry
So, nun ist gut... genug geredet. Nun die Anderen..