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Thema: Foth Anastigmat 2,5/50mm

  1. #1
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    Standard Foth Anastigmat 2,5/50mm

    Heute möchte ich euch ein Objektiv zeigen, welches die wenigsten kennen werden.

    Es wurde in der Foth Derby verbaut, eine 3x4cm Kamera die den zu der Zeit sehr populären 127er Film verwendete.
    Die Kamera wurde zumeist mit dem Anastigmat 3,5/50mm verkauft, ein einfacher Dreilinser bekannter Bauart. Es gab sie auch mit dem 4,5/50mm.
    Mit dem Vier Linsen Dialyt 2,5/50mm ist es eher selten zu finden.
    Es ist nicht bekannt ob die Firma Foth die Objektive selber gefertigt hat oder sie zugekauft wurden, eventuell haben sie die Fassungen gefertigt und nur die Linsen eingekauft.

    Die Kamera wurde 1930 auf den Markt gebracht, im Jahr 1931 erreichten Kameras mit diesem Format aber in Deutschland bereits ihren Zenit und danach gingen die Verkaufszahlen immer weiter zurück.
    In anderen europäischen Ländern hielten sich diese Kameras noch deutlich länger im Markt, vor allem in Frankreich waren sie sehr beliebt.

    Es ist aus heutiger Sicht einleuchtend warum diese Kameras ihre Zeit in Deutschland hinter sich hatten.
    Die Kleinbild Kameras von Leitz und Zeiss Ikon wurden der neue Standard aber besonders die Kameras aus dem August Nagel Werk in Stuttgart haben den 3x4 Kameras der Garaus gemacht.
    Die Fa. Kodak hat Anfang der 1930er die Nagel Werke übernommen aber dem genialen Konstrukteur August Nagel und vor allem seinem Sohn Paul freie Hand gelassen.
    So schufen sie die Retina Kameras für die Kodak die bis heute gebräuchlichen 35mm Filme in Blechdosen konfektionierten. Diese Filme passten auch in die Leica und in die Contax, die Filme brauchten daher nicht mehr selber in die fummeligen Hersteller Filmdosen gespult werden. Alles konnte nun bei Tageslicht getauscht werden. Es waren 36 Aufnahmen möglich, der 127er Film war da deutlich limitierter.
    Der Qualitätsvorsprung von 3x4cm gegenüber 24x36mm ist kaum der Rede wert.

    Auf jeden Fall gab die Kodak Retina und der nun fertig konfektionierte Kinofilm diesen Rollfilmkamera in Deutschland des Rest und nach und nach auch im Rest der Welt.

    Gestern habe ich das Foth Anastigmat 2,5/50mm zerlegt und gereinigt.
    Es ist von Aufbau her ein Ernostar, zumindest dem sehr ähnlich, vermutlich wurde das Design dieses Objektives benutzt. Ob es damals noch ein Patent darauf gab? Ernemann war damals schon ein Teil der Zeiss Ikon und diese ursprüngliche Rechnung wurde recht schnell durch eine neue abgelöst. Das vier Linsen Ernostar stammte aus dem Jahr 1920/21.
    Das Ernostar war die preiswerteste Variante ein solches lichtstarkes Objektiv zu bauen.
    Leitz hat bei seinem Hektor 2,5/50mm sechs Linsen verbaut bei einem Format das kleiner war als das der Foth Derby.
    Wäre interessant die beiden Objektive zu vergleichen.


    Das Foth Objektiv habe ich aus der Kamera ausgebaut, die funktionieren alle nicht mehr . Sie haben einen Schlitzverschluss, was damals sehr ungewöhnlich war, vor allem bei einer so preiswerten Kamera. Die Verschlüssen sind alle defekt, die Tücher sind undicht und spröde. Eine Reparatur kaum lohnend.
    Filme gibt es auch keiner wirklich guten mehr dafür., allenfalls den Rerapan, sehr teuer und wenig gut.

    Daher habe ich es mir jetzt für Leica M39 umgebaut, gekuppelt mit dem E-Messer.
    Die Linsen alle schön sauber gemacht, Einstellschnecke gereinigt und neu geschmiert.
    Auflagemaß gemessen und den entsprechenden Tubus für M39 dafür gedreht.
    Anschließend den passenden Tubus für die Entfernungsmesser Kupplung gedreht und angepasst..

    Für mich sieht das ganze sehr gut aus und funktioniert natürlich auch einwandfrei.
    Mal wieder ein Unikat das ich jetzt zu einer Reihe anderer gesellen darf.

    Heute ist das Wetter eher bescheiden, daher beschränke ich mich zunächst darauf das Objektiv zu zeigen.
    Bildbeispiele folgen aber noch.
    Digital und analog.
    Vor etwa 10 Jahren habe ich bereits eines dieser Objektive an der Sony A7 ausprobiert aber die Ergebnisse waren eher bescheiden.
    Inzwischen nehme ich an das es damals jemand verkehrt zusammen gebaut hatte und es darum so mau in der Leistung war.
    Bin gespannt wie es bei diesem Exemplar sein wird.

    Name:  Ernostar_Lens_Design_Type1_DRP458499.jpg
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  3. #2
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    Standard

    Sehr interessant! Vielen Dank für die Infos. Bin schon gespannt auf die Bildergebnisse.

    Wie genau die Situation mit dem Ernostar Patent zu erklären ist, weiß ich nicht. Vielleicht hat Ernemann ja nicht viele Objektive mit dem diesem Ernostar-Design gebaut und war daher auch mehr darauf aus die neuen Varianten zu schützen. Eventuell ist es anderen Herstellern auch gelungen ähnliche Objektive zu kreieren, die sich einfach im Detail genug unterscheiden um nicht als gleich zu gelten. Den ersten Ernostar Varianten gelang es ja auch das Patent zu erhalten, trotz des ähnlichen früheren Designs vom "Ultrastigmat" von Minor. Jedenfalls hat Otto Hahn für Rüo Optik 1928 ein extrem ähnliches Objektiv mit 4/4 Konstruktion patentiert

    Name:  Screenshot 2026-05-14 135719.png
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    und auch bei Emil Busch war um 1935 eine ähnliche Konstruktion Teil eines Patents

    Name:  Screenshot 2026-05-14 134857.png
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    Auch das wäre also (soweit ich das richtig sehe) noch vor Ablauf der Ernostar-Patente von 1921/24.

    Aber wie so oft gilt natürlich auch hier, dass ähnlich aussehende Konstruktionen nicht zwingend auch so ähnlich sind wie es den Anschein macht. Anhand rein optischer Ähnlichkeit gab es nämlich auch bereits 4/4 Anastigmate mit ähnlichem Aufbau lange vor 1924, sowohl in den USA, als auch in Deutschland... aber dennoch ist erst Bertele der Durchbruch damit gelungen - wohl aus gutem Grund.

    Ich vermute mal, dass auch für den Foth-Anastigmat 2.5/75 dieselbe Konstruktion verwendet wurde. Laut Espen Susort - der ebenfalls eine Version vom 2.5/50 hat - ist der Bildkreis nicht ganz ausreichend für die Verwendung am GFX Sensor, aber nur knapp. Das 36x24 mm Format sollte also ohne Probleme abgedeckt sein.

    Ich bin jedenfalls überzeugt, dass sich mit dem Foth-Anastigmat 2.5/50 tolle Aufnahmen machen lassen!

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  5. #3
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    Hier die ersten Bildbeispiele, alle mit der Sony A7R III

    Es ist schon deutlich zu sehen dass das Objektiv bei offener Blende nur in der Bildmitte eine gute Schärfe hat, es fällt deutlich zum Rand hin ab.
    Abgeblendet ist es ein gutes Objektiv, man muss bedenken das es aus vier frei stehenden Linsen besteht mit acht unvergüteten Glas/Luft Flächen.
    Sehr überrascht war ich von der recht guten Farbwiedergabe.

    Insgesamt finde ich das es die Arbeit für den Umbau wert war und ich werde es demnächst auch mit einem analogem Film ausprobieren. Geladen ist die Kamera bereits.

    f/2,5


    f/5,6


    f/2,5


    f/2,5


    f/5,6

  6. 2 Benutzer sagen "Danke", arri :


  7. #4
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    Zitat Zitat von arri Beitrag anzeigen
    Hier die ersten Bildbeispiele, alle mit der Sony A7R III

    Es ist schon deutlich zu sehen dass das Objektiv bei offener Blende nur in der Bildmitte eine gute Schärfe hat, es fällt deutlich zum Rand hin ab.
    Abgeblendet ist es ein gutes Objektiv, man muss bedenken das es aus vier frei stehenden Linsen besteht mit acht unvergüteten Glas/Luft Flächen.
    Sehr überrascht war ich von der recht guten Farbwiedergabe.


    f/2,5


    f/5,6
    Vielen Dank für die Bildbeispiele - das sieht doch sehr gut aus, finde ich!

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  9. #5
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    Bei allen Objektiven nimmt der Bildkreis und die Auflösung mit zunehmender Naheinstellung zu, so auch bei diesem Objektiv.
    Daher mache ich immer auch Aufnahmen in der Unendlicheinstellung, dort zeigt ein Objektiv am ehesten wie gut die Randbereiche sind.
    Was ich bereits geschrieben habe ist das Objektiv gar nicht schlecht, vor allem etwas abgeblendet.
    Bei offener Blende und auf oo hat es seine Schwächen aber das kann auch sehr reizvoll eingesetzt werden.
    Übrigens ist auch das Leitz Hektor 2,5/50mm bei offener Blende kein Brüller, erst bei f/4 soll es in etwa so gut sein wie das Elmar 3,5/50mm. Das Optimum erreicht es bei f/8.
    Das Leitz Objektiv ist deutlich aufwendiger in optischen Aufbau aber bei Blende 8 werden sich das Leitz Objektiv und das Foth Anastigmat kaum noch unterscheiden, zumindest wenn ich auf Film damit fotografiere.
    Es ist nicht gerade fair diese alten Schätzchen an einer Vollbild Digitalkamera mit 42 MP zu verwenden und dann von mangelnder Bildqualität an den Rändern zu mäkeln, so will ich meine Beschreibung auch nicht verstanden wissen.

    Gegenüber dem ersten Foth Anastigmat 2,5/50mm das ich an der älteren Sona ILCE 7 ausprobiert habe ist dieses hier deutlich besser.
    Daher bin ich mir inzwischen sicher das damals eine Linse in dem Objektiv verdreht eingebaut wurde. Ohne Schnittzeichnung ist es sehr schwierig herauszufinden wie die Linsen richtig montiert werden müssen.
    Bei diesem Objektiv scheint aber alles zu stimmen.

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