Ich habe bezüglich einer Seriennummer oder sonstigen Angabe nachgesehen, kann da aber leider nichts finden. Ich habe auch lange mit den einzelnen Linsen nichts anzufangen gewusst, bis mir die Idee kam die in den zufälligerweise nahezu passenden Tubus einzulegen und das ergab dann das "Objektiv".
VG Ulrich
Es lohnt sich immer den alten Schätzchen etwas Aufmerksamkeit angedeihen zu lassen.
Dieser Satz scheint für das Postkartenformat 10x15cm gewesen zu sein. Das Alter würde ich noch vor 1910 ansetzen.
Zwar wurden Aplanate auch noch später angeboten aber nur noch selten genutzt. Die Anastigmate gab es zu dem Zeitpunkt auch schon seit ca. 20 Jahren.
Aplanate haben eine recht hohe Mittenschärfe aber die mangelnde Korrektion einiger optischer Fehler führen zu starkem Abfall zu den Rändern.
Zudem sagt man diesen Objektiven nach das sie eine eher "schmutzige" Bildwiedergabe haben, nicht so leuchtend wie z.B. wie mit einem Petzval und auch ein Tessar ist brillanter.
Trotzdem gibt es einige sehr gute Objektive dieser Bauart die recht gesucht sind, das Suter Stella fällt mir hier ein, das Eidoscope von Berthiot, das Euryscop von Voigtländer.
Deren Lichtstärke ist aber deutlich größer als die der normalen Aplanate die bei f/8 - f/12 liegen. Das Voigtländer wurde bis f/3,2 angeboten. Gesehen habe ich aber noch keins davon.
Die vermutlich berühmtesten Aufnahmen die mit einem Aplanaten aufgenommen wurden machte Prof. Blossfeld. Die wurden in seinem Buch "Urformen der Kunst" veröffentlicht und gilt heute noch als ein Standardwerk sowohl in der Fotografie wie auch für Kunststeinmetze und Bildhauer. Genau dafür hatte er diese Aufnahmen auch gemacht.
Er verwendete einen 500mm Aplanaten, f/36, den er fest auf 1:1 eingestellt hatte, also mit genau 1000mm Auszug. Die Kamera hat er selber gebaut, ein ziemlich simpler Holzkasten, Format 9x12cm.
Die Qualität der Aufnahmen war so gut das er die Negativplatten z.T. 16 fach vergrößern konnte.
Letztes Jahr konnte ich einige seiner original Abzüge im Sprengel Museum bewundern, einfach traumhaft.
Ich habe gerade im Katalog von Ferdinand Meyer aus dem Jahr 1910 nachgeschaut.
Der Unicum Satz ist dort nicht mehr aufgeführt aber noch ein Rapid Aplanat, Weitwinkel Aplanat und ein Detektiv Aplanat.
Diese Objektive waren eher Low Budget, würde man heute sagen.
Ansonsten dann die Anastigmate die von Karl Martin konstruiert wurden, das Omnar, das Bis-Telar und das Leukar.
Alle drei exzellente Objektive die ich selber besitze oder gesessen habe und sogar hin und wieder benutze.
Sehr interessant was du über die Aplanat Linsen berichtest! Besten Dank!
Ich finde solche Linsen immer wieder als wunderbares Experimentierfeld und spannende Abwechslung zu den heutigen teils super scharfen Objektiven.
VG Ulrich
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Geändert von Unschärfe (28.09.2025 um 19:42 Uhr)
Edith: falsche Infos gelöscht...
Seit der Entwicklung des Aplanate vor wohl mehr als 110 Jahre wurden unzählige Bilder von unzähligen Fotografen mit unterschiedlichsten Objektiven gemacht und alle hatten ihre Absichten und Gründe für ihr einzigartiges Bild.
Als ich mein zusammengebasteltes Objektiv aus zwei gegenseitigen Aplanaten hier vorgestellt habe war meine Absicht in keinster Weise eine Wertung zum Abbildungsstil oder sonstigen künstlerischen Ansprüchen abzugeben, diese überlasse ich stets dem jeweiligen Betrachter und finde diese stets sehr interessant. Auch sollte man immer bedenken, dass Wertungen wenig zur Sache aussagen sondern zuvorderst eine Aussage abgeben über den der sie abgibt, leider ist das so.
Nach zahlreichen Bildern über Jahre z.B. mit meinem 120mm Imagon bin ich derzeit mit größter Freude beim relativ scharf zeichnenden Canon Ef 85mm f1,8 gelandet und das gefällt mir eben aktuell deutlich besser als Bilder von einem meiner weichen Linsen. Ich genieße diese Freiheiten sehr.
VG Ulrich
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Geändert von Unschärfe (15.09.2025 um 21:48 Uhr)