Ja, der Grund, warum viele Fotogeräte defekt bleiben, liegt sicher darin, dass sich viele Besitzer eine DIY-Reparatur nicht zutrauen.
Meine Beiträge schreibe ich auch deshalb, um mit dieser Scheu aufzuräumen.
Ein Grundset einfacher Werkzeuge, eine halbwegs ruhige Hand und ein kühles Herz - da es ja ohnehin nichts zu verlieren gibt - reichen aus, um eine Vielzahl kleinerer und größerer Macken mit Erfolgsaussicht zu beheben.
Es bleibt ja auch nichts anderes übrig, denn die Hersteller reparieren ihre Altgeräte nicht mehr oder werden von diesen überlebt. Und die Kosten einer Reparatur durch Werkstatt stehen oft in keinem Verhältnis zum Sachwert. Wenn man überhaupt eine Werkstatt für die jeweilige Reparatur findet.
Also - es kann nur vorwärts gehen!![]()
Gruß,
Andreas
Hallo Andreas!
Zustimm...
Allerdings dürften einige dieser Besitzer die Alternative, einen professionellen Servicebetrieb (wie z.B. Sover Wong in GB) mit der Reparatur zu beauftragen, aus finanziellen Gründen scheuen, zumal (gerade bei Sover Wong) die Wartezeiten auf eine Reparatur doch extrem lang sind...
Gruß, Michael
Gäbe es mehr Sovers, würde sich das auch auf Preise und Wartezeiten niederschlagen.
Und man muss natürlich abgrenzen, was man in der Regel selbst machen kann und soll.
Ein Blitzgerät würde ich zB wegen Stromschlaggefahr nicht selbst öffnen, außer, ich weiß, was ich wie tue.
Und die Justierung einer Minolta 9000 auf Werksstandard wird Know-how und Geräte benötigen, die in der Regel zu Hause am Küchentisch nicht anwesend sind. Aber genau weiß man das ja nie ;-)
Gruß,
Andreas
Heute kam die eigens für eine Sektion bestimmte T90 bei mir an.
Mit kräftigen Benutzungsspuren, ziemlich schmutzig aber mit sauberem Batteriefach.
Wie vom Verkäufer beschrieben zeigte die Kamera keine Funktion.
Ich machte mich an die Demontage, um Folgendes zu untersuchen:
- Kann der Bereich hinter den Batteriekontakten gereinigt werden bzw. wie kann sich Korrosion durch Batteriesäure dort auf das Innere auswirken? Säureschäden sind ja nicht selten und das Batteriefach der T90 ist eng. Es können nur die Batteriekontakte gereinigt werden, die durch das Batteriefach erreichbar sind, nicht aber der Anschluss/die Platine dahinter.
- Was könnte die Ursache sein für den nicht funktionierenden Magneten am Spiegelkasten? Wie gut oder schlecht ist er für eine allfällige Reparatur/Reinigung erreichbar?
- Könnte ich die Pufferbatterie für die Speicherung des eingestellten ASA-Wertes selbst auswechseln wie DrTomHi auf YouTube zeigt? https://youtu.be/XAmskR_ncFg
- Und last not least: Wo sitzt dieser berüchtigte Dämpfer am Verschluss, der sich über die Jahrzehnte zersetzt und die Verschlussvorhänge des Copal Square Shutters verklebt? Kann dieses Problem gelöst werden?
Das Batteriefach ist gut verschraubt, das Repair Manual zeigt, wo der Schraubendreher hin muss:
Das Batteriefach mit abgelöteten Kabeln.
Am Boden des Fachs sind die beiden Batteriekontakte zu sehen - die gewohnte Ansicht:
Der Bereich hinter dem Batteriefach mit Kontaktplatte und Verkabelung.
Wohl der einzige Baubereich der T90, wo es übersichtlich zugeht:
Bei Korrosion würde die Kontaktplatte mit der Zeit von der Batteriesäure angegriffen werden und eines Tages ausfallen. Vermutlich würde sich die Korrosion auch weiter auf den Teil der flexiblen Platine darüber ausbreiten, aber es scheint hier einiger Zwischenraum zu sein.
Ergebnis 1:
Bei schwerer Korrosion im Batteriefach hier Nachschau halten und ggf. reinigen/die Kontaktierung erneuern.
Über dem Batteriefach sitzt ein violetter Elko, vielleicht schon seit 1986.
Probleme mit auslaufendem Elektrolyt sind bei der T90 nicht bekannt, der Elko sieht auch fit aus:
Die teildemontierte Kamera - vollgepackt mit Elektronik.
Unglaublich, was hier an Ingenieursarbeit und was an Montagearbeit geleistet wurde.
Überall Platinenstränge, Kabel, Zwischendecks - ein Wunderwerk:
Abnahme der Gehäuseabdeckung.
Es sind wieder einige Schauben zu lösen.
Der letzte Haltepunkt ist der kleine Hebel neben dem Okular, der den Okularverschluss betätigt.
Nach Entfernen der Abdeckkappe kann die Schraube darunter gelöst werden.
Eindrucksvoll die Sicht auf die in mehreren Lagen verbaute flexible Platine.
Etliche Kabel wollen abgelötet werden, damit die Abdeckung ganz vom Gehäuse genommen werden kann:
Unter dem Display auf der Gehäuseoberseite ein IC, und darunter, hier nicht zu sehen, ein weiterer:
Hier sitzt die Puffer-Batterie, rund und flach, gut verpackt in der Platine und fixiert mit einem Klebestreifen.
Ein Auswechseln sollte machbar sein:
Ergebnis 2:
Die Pufferbatterie ist relativ gut erreichbar, zum Auswechseln muss nicht so viel auseinandergenommen werden wie erwartet. Damit ist auch der Rückweg - die Montage - übersichtlich.
Um zum Spiegel-Magneten - und dann weiter zum Verschluss zu kommen, muss der Spiegelkasten herausgenommen werden. Es sind einige Schrauben zu lösen und Kabel abzulöten.
Das Problem: Diese beiden Schrauben, die mit Kleber fixiert sind.
Weder mit Aceton noch mit der heißen Lötkolbenspitze bekomme ich den Schraubenkopf für den Schraubendreher frei. Alles eben, hart und glatt.
Es bleibt mir nichts anderes übrig, als Gewalt anzuwenden - erfreulicher Weise ist nicht viel Hebelkraft notwendig, um den Spiegelkasten nach unten zu kippen. Beide Schrauben brechen im Gewinde, es kracht kurz und die Einheit ist frei.
Ich schäme mich, aber es ist ja eine Sektion und keine Reparatur ;-)
![]()
Geändert von Ando (02.03.2023 um 20:25 Uhr)
Gruß,
Andreas
Nach längerer Suche sind alle Schrauben gelöst, um den Verschluss abnehmen zu können.
Der vertikale Schlitzverschluss (von Copal?) - eine Hochleistungsmaschine.
Schnell ist der Sitz des klebrigen Übels ausgemacht, der Pfeil zeigt auf die Stelle:
Ansicht nach Abnahme der Abdeckung:
Der Dämpfer, der den heutigen Besitzern nur mehr die Freude an der T90 dämpft, aber nicht mehr die beiden Verschlussvorhänge.
Erstaunlich klein und unglaublich klebrig
Schon gibt es schwarze Flecken an den Fingern, die sich nur mit Aceton entfernen lassen:
Our friend and enemy:
Ganz einfach und ohne jeden Widerstand lässt er sich aus seiner Luke ziehen:
Wie einfach wäre die Lösung des Problems und wie unmöglich ist sie.
Um zu dieser Stelle zu kommen, muss die T90 massiv demontiert werden.
Haupthindernis ist die mehrlagige, in sich gewickelte und verschachtelte Platine, die mit Schrauben und Lötstellen fixiert ist.
Ohne Training ist es zumindest für mich nicht möglich gewesen, ohne Zerstörung überhaupt an diese - wohl verborgenste - Stelle zu kommen.
Obwohl ich versuchte, alle Teile ordentlich abzubauen und die Elektronik fachgerecht zu demontieren, kam ich an manchen Stellen mit dem Ablöten und Ablösen der Platine nicht weiter.
Der Seitenschneider machte dann eine Machete und den Weg frei.
So etwas habe ich noch nie gesehen.
Ich kann nicht nachvollziehen, wie diese Kamera einst in Serie montiert wurde.
Ergebnis 3:
Der Weg zum Problem und wieder zurück ist nur mit großem Zeitaufwand und peinlich genauer Dokumentation gangbar. Das Risiko, dabei die Elektronik zu beschädigen, kommt dazu.
Leider
Geändert von Ando (03.03.2023 um 05:02 Uhr)
Gruß,
Andreas
Und gleich zur letzten Problem-Station - dem aussetzenden Spiegel-Magneten.
Hier sitzt er, nach Ausbau des Spiegelkastens nun direkt zugänglich:
Warum er manchmal nicht will, konnte ich nicht herausfinden.
Aber ich schaue mir das noch weiter an.
Ergebnis 4:
Auch der Spiegel-Magnet ist nur nach massiver Demontage der Kamera erreichbar.
Es gilt das unter Punkt 3 Gesagte - no easy way to go.
Geändert von Ando (02.03.2023 um 20:27 Uhr)
Gruß,
Andreas