Mittelspecht

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Beschreibung von klein_Adlerauge

klein_Adlerauge
Hier wieder häufiger, wenn auch insgesamt immer noch selten zu sehen: Der Mittelspecht

Fujifilm GFX 100 mit Canon EF 4/600 L IS USM und Canon EF 2x Telekonverter,
adaptiert mit Fringer EF-GFX Pro

Stativ, manueller Fokus, 1/680s, F/10, ISO 1600, elektronischer Verschluss, Bildstabilisierung im Objektiv, Kabelauslöser, Crop, EBV

Kommentare zu Mittelspecht (3)

  1. #1 klein_Adlerauge
    Hier noch etwas Hintergrund, da es einige Fragen gab. Nach der Ansitzzeit zum Beispiel: Diese war nur etwa eine Stunde. Für die Vorbereitung ist jedoch viel Zeit notwendig gewesen. Spechte haben mich schon immer fasziniert, nicht nur als Fotomotiv. Ich habe das Glück eines Hauses am Waldrand. Hier stehen noch viele Eichen, eine Menge Totholz steht und liegt, unweit ist eine große Streuobstwiese. Meinen Garten habe ich naturnah und mit vielen, teils alten Bäumen, Sträuchern und Gebüschen vogelfreundlich gestaltet (ein Schlem, wer da eine Ausrede für mangelndes Engagement bei der Gartenarbeit entdeckt ;-) Die Buntspechte im Wald hatte ich eigentlich auf dem Schirm, als ich eine Futterstelle speziell für die Senkrechtlander gebaut und dann begonnen habe, eigenes Fettfutter herzustellen und entsprechend zu präsentieren. Nicht lange, und die Buntspechte kamen. Die Fenster musste ich allerdings alsbald gegen Vogelschlag sichern – Buntspechte sind echte Rabauken und kennen nichts, wenn es ums Fressen geht. Selbst das eigene Weibchen bekommt außerhalb der Brutzeit schnell mal den Schnabel des dominanten Männchens zu spüre. Ganz zu schweigen von anderen Spechten, da geht es richtig zur Sache. In der Panik ging es einmal leider Richtung Fenster, was zwar noch gut ausgegangen ist, aber dringende Handlung erforderte.

    Vor zwei Jahren etwa kam ein etwas merkwürdiger „Buntspecht“, den ich zunächst für ein Jungtier hielt. Er stellte sich aber als Mittelspecht heraus - da war die Freude groß! Ein Weibchen kam auch, wie ich später erst wusste. Schwierig zu unterscheiden, der Geschlechtsdimorphismus ist kaum ausgeprägt. Einzig die Kopfpartie des Männchens ist etwas kräftiger und leuchtender rot gefärbt, beim Weibchen ist der Kopfschmuck nur eine Spur matter. Oben im Bild haben wir übrigens das Männchen. Trotz intensiver Beobachtung und Verfolgung der Abflugwege in der Brutzeit ist es mir im ersten Jahr nicht gelungen, die Bruthöhle zu finden. Der Mittelspecht ist sehr scheu und lautiert oft gar nicht. Höhlen sind hoch in den Bäumen, die Vögel in den Kronenbereichen. Auch mit einem guten Fernglas kaum auszumachen. Dieses Jahr jedoch hatte ich Glück und konnte die (neue) Höhle in „nur“ 12 bis 15 Meter Höhe direkt an einem Weg ausfindig machen. Das war von Vorteil, weil die Spechte damit Fußgänger gewohnt waren und bei Durchgang nicht abflogen. So konnte ich nach und nach eine Position für die Kamera ohne Äste im Bild finden, das Licht zu bestimmten Uhrzeiten abschätzen – es war sehr schwierig, da überhaupt ansatzweise gutes Licht und Sicht zu finden. Nun, und dann schaut man jeden Tag mal kurz auf Distanz mit dem Fernglas, wie weit die Nestlinge denn so sind. Idealerweise soll auf dem geplanten Bild ein Jungtier zusammen mit dem Alttier zu sehen sein. Wenn das alles gegeben ist, braucht es noch Glück mit dem Wetter und es geht los. Erst mal aus der Distanz den Zeitpunkt abwarten, an dem beide Altvögel gerade gefüttert und wieder abgeflogen sind. Dann bleiben ein paar Minuten, schnell die Position finden, Stativ aufbauen, Objektiv und Kamera drauf, dann flott das selbstaufklappende Tarnzelt drüber und reinhocken, bevor die Altvögel wieder zurück sind.

    Für die Vögel hat es funktioniert, die haben sich nicht stören lassen und ich konnte beobachten und einige schöne Bilder machen. Wobei die 1200mm Brennweite eigentlich noch zu kurz waren. War die GFX mit dem großen Sensor dann nicht kontraproduktiv? Nein, alternativ hätte ich ein 5Dsr mit 50 MP auf dem KB-Format gehabt. Gecroppt auf KB-Format hat die GFX aber noch 60MP, und mehr Dynamik im Sensor. Leider gibt es keinen AF bei Objektiven mit Anfangsblende 8. DAS kann die 5Dsr allerdings mit dem mittleren AF-Feld. Einigermaßen. Da die Vögel bei der Fütterung aber an ihrem „Loch“ festgenagelt sind, sind da nur wenige cm – und da gibt es mit einem einmal gut eingestellten Fokus, ggf. ab und zu nachjustieren, genügend scharfe Aufnahmen. Der elektronische Verschluss hat auch sehr geholfen, die Vögel nicht zu stören. Am Ende habe ich kurz den MS verwendet – was instantane Kritik des Fotomotivs bei zeitweiliger Einstellung der Fütterung folgen ließ. Ich denke, mit der 5Dsr und dem lauten Spiegel wäre ich nicht glücklich geworden.

    Ein Stativ ist übrigens unbedingt erforderlich bei der Brennweite – vor allem bedingt durch das Gewicht der gesamten Kombi. Ich bin zwar kein Athlet aber auch nicht schmächtig. 5 Sekunden einigermaßen ruhig halten gehen schon. Und nicht, dass der wirklich gute IS leichte Verwackler nicht schlucken könnte, aber man kommt ja in der kurzen Zeit gar nicht zum ordentlichen Fokussieren. Außerdem muss man erst einmal das Motiv „finden“. Der Bildausschnitt beim Blick durch den Sucher ist so klein, da vergehen viele Sekunden, immer wieder neben rausschauen und neu orientieren, bis man überhaupt das Motiv im Rahmen hat. Völlig unmöglich aus der Hand. Ein gutes Einbein und die Geschichte funktioniert schon. Für die Ansitzfotografie habe ich ein stabiles Manfrotto mit Getriebeneiger, und dank des elektronischen Verschlusses + OIS/IBIS gelingen scharfe Bilder ohne Fernauslöser schon ab 1/160 Sekunde (auch einfach aufgelegt, bei statischen Motiven) (Vergleich Erfahrungswert 5Dsr: min 1/500)

    Fazit: Eine Menge Aufwand, die aber auch viel Freude gemacht und viele schöne Momente und Einblicke in die Natur erlaubt hat. Und wenn das fotografische Ergebnis dann auch passt, ist es einfach toll. Ich hoffe, die Spechte sind auch nächstes Jahr hier zugegen und ermöglichen vielleicht wieder einen Einblick in ihr Leben und ihre Kinderstube.

    LG
    Heino
  2. #2 lui
    Großen Dank für die ausführliche Beschreibung! Das Bild ist großartig, und man sieht aus ihm die immense Vorbereitung nicht. Leider komme ich nur auf max. 450mm am Crop der X-S10...
    Grüße Matthias

  3. #3 Anthracite
    Tolles Bild! Gefällt mir ausgesprochen gut.
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