Dieses schöne, lichtstarke Weitwinkelobjektiv, das Nikkor Ai 2/28mm stammt laut Seriennummer etwa aus dem Jahr 1980 und wartet schon seit einiger Zeit auf einen ordentlichen Testbericht und eine Vorstellung hier im Forum. Da ich im WW-Bereich viel häufiger mit der Kombination 24mm/35mm unterwegs bin, fristet es leider ein unverdientes Schattendasein bei mir. Deswegen kommen bisher nicht so richtig viele und gute Testbilder zusammen. Aber für eine Kurzvorstellung reicht es und vielleicht finden sich ja auch noch andere Besitzer, die Erfahrungen beisteuern und weitere Aspekte ergänzen können.
Die technischen Daten:
Gewicht: ca. 350 g
Länge min.: 65 mm
Filtergewinde: 52 mm
7 Blendenlamellen
Blenden: 2 - 22 in ganzen Stufen
Naheinstellgrenze 25 cm
9 Linsen in 8 Gruppen
Close Range Correction
Linsenschnitt: http://www.pierretoscani.com/images/.../Figure-43.jpg
Was ist eigentlich der Sinn eines so lichtstarken WW-Objektives? Ich würde nie auf die Idee kommen, Landschaften oder Architektur mit einem 2/28 bei Offenblende zu fotografieren und dementsprechend habe ich auch keine Beispielbilder davon zu bieten. Da müsste ich schon mal die Muße für extra Testbilder ("Mauerbilder") haben, vielleicht komme ich ja in den nächsten Tagen dazu. Viel eher verwende ich ein solches Objektiv für Aufnahmen im Nahbereich. Da macht die Kombination aus räumlicher Wirkung und Tiefe eines Weitwinkelobjektivs mit der Freistellung der großen Blendenöffnung einen ganz eigenen Effekt, den man mit keinem anderen Objektivtyp erzielen kann. Die folgenden Bilder zeigen vielleicht was ich meine (alle Bilder an der 5DII, alsoKB -Format):
f/2
f/2
Das Bokeh ist bei Offenblende durchaus ansprechend und wesentlich weniger harsch als beispielsweise beim Nikkor 1.4/35, hat allerdings eine interessante Tendenz, die die oben angesprochene Räumlichkeit in manchen Fällen noch unterstützt: Es zeigt absolut keinen "Swirl" um das Motiv herum sondern ganz im Gegenteil, es strebt sozusagen nach außen in die Ecken des Bildes:
f/2
f/2
Dies äußert sich auch hier und da in Highlights, die eher tropfenförmig verzerrt sind mit scharfen Rand in Richtung Bildmitte und nach außen verlaufend - im folgenden Bild unten und rechts zu sehen:
f/2
Acuh auf mittlere Entfernung kann die Offenblende durch einen merklichen Schärfeverlauf noch eine schöne räumliche Wirkung erzielen, ohne dass man dadurch zu viel Mittenschärfe einbüßt:
f/2
Eine tonnenförmige Verzeichnung ist erkennbar, stört aber nur in speziellen Fällen - normale Architekturaufnahmen oder Landschaften mit Horizont am Bildrand sind davon nicht beeinträchtigt. Und bei f/5.6 ist auch alles scharf bis in die Ecken, während vorher doch eine deutliche Weichheit und Kontrastarmut zum Rand hin sichtbar ist.
f/5.6
f/5.6
CAs sind in der Vollauflösung (muss ich noch nachreichen) des ersten der beiden Bilder oben zu erkennen an den harten Kontrastkanten des Daches und der hinteren Glasfront, halten sich allerdings in einem Rahmen, der bei normalen Bildschirmauflösungen nicht ins Gewicht fällt und nur für 100%-Ansichten Korrekturen in der Nachbearbeitung erfordert.
Positiv fällt die geringe Neigung zu "Ghosting" bei Gegenlicht auf. Solange die Linsen ordentlich sauber sind, kann man auch die Sonne direkt mit ins Bild einbeziehen und bekommt abgeblendet einen schönen sauberen 14-strahligen Stern und nicht einen matschigen Fleck plus reihenweise Blendenflecke wie bei so vielen anderen Weitwinkelobjektiven am digitalenSensor (der mir diesbezüglich übrigens viel heikler zu sein scheint als der gute alte Film):
f/16
Soweit erst mal die Kurzvorstellung. Ich halte das Nikkor 2/28 im Großen und Ganzen für ein hervorragendes Objektiv. Nur mal zur Einordnung: Ich hatte für kurze Zeit auch noch ein Zuiko 2/28 im Fundus und habe dieses nach direktem Vergleich mit dem Nikkor sofort wieder verkauft, wobei der Vergleich amVollformat so deutlich zugunsten des Nikkor ausging (am Crop2 nicht ganz so deutlich), dass ich nicht ausschließen mag, ein Montagsexemplar des Zuiko erwischt zu haben.
Wunderbar! Ich habe schon viel Gutes über dieses Nikkor gelesen und deine Bilder scheinen diesen Eindruck zu bestätigen.
Carsten, berufsbedingt immer mal wieder auf Forum-Pause. In grün schreibe ich als Admin.
Leica-, NEX-, EOS- und Nikon-Shooter (M8, Digilux 2, NEX-7 & 3, 5D, 300D, Nikon 1 V1, Nikon D3100, Fuji S2 Pro, Nikon D1), Sigma DP1s
und viele Linsen (Leica R & M, Zuikos, Nikkore, Voigtländer, Rokkore, Hexanone etc.) sowie einiges an anderen digitalen und analogen Kameras.
Für allen "Neuen": Bitte schaut einmal hier in die >> Einführung
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Sieht doch wunderbar aus. Die Nikkore sind schon klasse, insbesondere, was die Schärfe - und die Kontrastleistung anbelangt. Bei einigen ist das Bokeh nicht immer so der Bringer, jedoch habe ich festgestellt, dass dies auch stark vom Motiv, der Entfernung usw. abhängt. Dies sieht man auch bei Deinen Bildern. Dein 28er gehört sicher zu den besten Weitwinkeln. Ich besitzte "nur" das 2.8er, welches aber schon eine sehr feine Linse ist. Naja, ich bin sicher, dass ich mir das 28 2 auch noch fangen werde.Das letzte Bild ist aber kräftig nachbearbeitet, gelle?
Sehr gute Bilder - unabhängig vom Objektiv, dessen Stärken du wunderbar zum Vorschein gebracht hast!
gut Licht! wünscht Willi alias praktinafan!
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Danke für das Lob.
Bei dem letzten Bild wurden die Tiefen deutlich aufgehellt, um im Vordergrund nicht nur dunkle Konturen zu haben. Ansonsten aber keine besondere Bearbeitung.
28mm ist neben 50mm meine Lieblingsbrennweite, aber bisher noch unbesetzt. Dieses Objektiv könnte eine gute Option darstellen. Die Bilder und gerade das Freistellungspotential gefallen mir sehr. Vielen Dank für den Eindruck!![]()
{Canon EOS 5D Mark II; Tamron 28-75/2.8; 430EX}
{Leica R5, Leica Summicron-R 50/2.0; Tamron 35-80/2.8-3.8}
{Fuji X100; NEX; OM-4}
"Es gibt eine Theorie, die besagt, wenn jemals irgendwer genau herausfindet, wozu das Universum da ist und warum es da ist, dann verschwindet es auf der Stelle und wird durch noch etwas Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt. - Es gibt eine andere Theorie, nach der das schon passiert ist."
Douglas Adams
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